Kriegsverbrecher

09. März 2011 19:33; Akt: 09.03.2011 19:43 Print

Schlussplädoyers im Taylor-Prozess

Der Anwalt von Charles Taylor geisselt den Prozess gegen den Ex-Präsident Liberias als «neokolonialen» Akt.

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Der Anwalt des ehemaligen liberianischen Präsidenten Charles Taylor hat den Kriegsverbrecherprozess gegen seinen Mandanten als eine Form von «Neokolonialismus» gebrandmarkt. In seinem Schlussplädoyer vor dem Sondertribunal für Sierra Leone bezeichnete Courtenay Griffiths das Verfahren am Mittwoch als «politisch motiviert». Die Anklage wolle lediglich verhindern, dass Taylor in Liberia wieder an die Macht komme.

Taylor ist der erste frühere afrikanische Staatschef, der sich vor einem internationalen Gericht verantworten muss. Ihm wird vorgeworfen, während des Bürgerkriegs in Sierra Leone Rebellen mit Waffen versorgt zu haben, die ihn mit Diamanten bezahlten. Taylor hat sich in allen elf Anklagepunkten, darunter Mord, Vergewaltigung und die Rekrutierung von Kindersoldaten, für nicht schuldig erklärt.

Die Kriegsverbrechen während des von 1991 bis 2002 dauernden Konflikts gelten als gut dokumentiert und wurden während des Prozesses in den Niederlanden detailliert geschildert. Griffiths erklärte jedoch, den Anklägern sei es nicht gelungen, Taylors direkte Verantwortung für die Taten nachzuweisen. «Es gibt nur sehr wenig Beweise für die Verbindung zwischen dem Angeklagten und den mutmasslichen Verbrechen», sagte der Verteidiger in seinem Schlussplädoyer. Die Anklage stütze sich lediglich auf Hörensagen, Indizien und Vermutungen.

«Es ist eine Schande für die Ankläger, dass sie die erhabenen Ideale des internationalen Strafrechts besudelt und das Verfahren in einen Akt von Neokolonialismus verwandelt haben», sagte Griffiths.

(ap)