21. Oktober 2006 20:56; Akt: 21.10.2006 21:01 Print

Schröder: Stoiber ist ein «ängstlicher Mensch»

Altbundeskanzler Gerhard Schröder lässt in seinem Buch «Entscheidungen» kein gutes Haar am langjährigen politischen Widersacher, dem CSU-Chef und bayerischen Ministerpräsidenten Edmund Stoiber.

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«Stoiber ist nach meinem Eindruck alles andere als der bayerische Löwe, der sich aufmacht, die deutsche Politik aufzumischen», schreibt Schröder seinen Erinnerungen, die das Nachrichtenmagazin «Der Spiegel» am Wochenende in Auszügen vorab veröffentlichte.

«Im Grunde seines Herzens scheint er mir ein vorsichtiger, wenn nicht ängstlicher Mensch zu sein, der jede Herausforderung, von der er nicht weiss, ob er sie gewinnen kann, eher scheut», schreibt Schröder. Diese Gewissheit habe er aber nur in Bayern, nicht in Berlin oder Brüssel.

Der Ex-SPD-Chef beschreibt, wie er in Absprache mit dem französischen Staatspräsidenten Jacques Chirac Stoiber im Oktober 2003 das Amt des Präsidenten der EU-Kommission angeboten habe. Danach habe er monatelang nichts von Stoiber gehört.

Als Stoiber dann März 2004 telefonisch abgesagt habe, begründete der CSU-Vorsitzende die Entscheidung laut Schröder damit, «seine CSU sei ohne ihn so gut wie verloren. Er könne aus Verantwortung für seine Partei und für Bayern nicht nach Brüssel gehen». Schröder dazu: «Ich kann nicht beurteilen, was die CSU ohne Stoiber wert ist. Aber ich bezweifle, dass dies sein entscheidendes Motiv war, wenn er auch möglicherweise selbst daran glaubte».

Schröder kommt im Zusammenhang mit den Verhandlungen zur Bildung der grossen Koalition aus CDU, CSU und SPD erneut auf Stoiber zu sprechen: «Der Anspruch Stoibers auf das Wirtschaftsministerium und auf eine herausgehobene Rolle in einer neuen Regierung war dabei sehr hilfreich. Er hatte zur Konsequenz, dass sich die SPD-Seite in allen anderen relevanten Fragen durchzusetzen vermochte.» Herausgekommen sei ein «gemässigt sozialdemokratisches Programm», dass mit anderen Akzenten «auch von einer rot-grünen Bundesregierung hätte getragen werden können».

(ap)