26. April 2005 08:10; Akt: 26.04.2005 08:11 Print

Schüsse auf Sgrena: Keine Schuld der US-Soldaten

Bei den Schüssen auf das Fahrzeug der im Irak befreiten italienischen Journalistin Giuliana Sgrena haben US-Soldaten laut den Ermittlungen eines Militärausschusses die einschlägigen Anweisungen befolgt.

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Darüber werde in Kürze ein Untersuchungsbericht vorgelegt, erklärte ein ranghoher Verteidigungsbeamter am Montagabend in Washington. Der Bericht werde sich allerdings kritisch mit der Angemessenheit der einschlägigen Anweisungen auseinander setzen.

Der Beamte liess offen, ob die Soldaten in irgendeiner Form wegen ihres Verhaltens kritisiert würden. Beobachter vermuteten jedoch, dass dies nicht der Fall sein werde. Bei dem Zwischenfall nahe des Bagdader Flughafens am 4. März wurde der Geheimdienst Nicola Calipari getötet, der sich schützend über Sgrena geworfen hatte.

Der Gewährsmann liess auch offen, ob die italienischen Vertreter in dem Militärausschuss den Bericht akzeptieren würden. Von Anfang an hatte es wegen der Beurteilung des Zwischenfalls Meinungsverschiedenheiten zwischen Rom und Washington gegeben, wie italienische Medien berichteten.

Unterdessen stellte der amerikanische Chefinspekteur Charles Duelfer seine Suche nach Massenvernichtungswaffen im Irak ein. Dabei bekräftigte er, dass sein Team trotz intensivster Nachforschungen keine solchen Waffen gefunden habe, wie aus seinem am Montag veröffentlichten Abschlussbericht hervorgeht. Damit wurden die 18-monatigen Untersuchungen der so genannten Iraq Survey Group offiziell beendet.

Der 92-seitige Abschlussbericht stellt eine Ergänzung dar zu dem rund 1.500 Seiten umfassenden Dokument, das Duelfer bereits im vergangenen Oktober vorgelegt hat. Darin hiess es, der Irak habe vor dem Krieg von 2003 keine Massenvernichtungswaffen besessen. Es habe aber Anzeichen dafür gegeben, dass der gestürzte Präsident Saddam Hussein über entsprechende Pläne verfügt habe. Diese hätte er bei einem Nachlassen der internationalen Aufmerksamkeit erneuern und umsetzen können.

Dem Abschlussbericht zufolge hatte Saddam Hussein zu diesem Zweck einen Pool von Waffenexperten um sich geschart. Diese suchten nun vermutlich Arbeit auf dem internationalen Markt. Hier sei die Gefahr nicht auszuschliessen, dass die Expertise der Iraker in die falschen Hände gelangen könnte.

Derweil liessen die irakischen Sunniten ihre Forderung fallen, Mitglieder der inzwischen aufgelösten Baath-Partei von Saddam Hussein an der künftigen Regierung zu beteiligen. Da es jedoch noch viele weitere ungeklärte Fragen gab, konnte der designierte Ministerpräsident Ibrahim al Dschaafari auch am Montagabend noch keine Kabinettsliste vorgelegen.

Das Bündnis der zehn sunnitischen Fraktionen im neuen Bagdader Parlament hat 16 Ministerposten gefordert und dafür entsprechende Vorschläge eingebracht. Diese enthielten auch Funktionäre der ehemaligen Baath-Partei, wie ein ranghohes Mitglied der Vereinigten Irakischen Liste, der Schiiten-Partei von Dschaafari, mitteilte. Schliesslich hätten sich die Sunniten aber dem Widerstand der Schiiten und Kurden gebeugt.

(ap)