Tote bei Räumungsaktion

17. Februar 2011 06:01; Akt: 17.02.2011 10:00 Print

Schüsse und Tränengas in Bahrain

In Bahrain haben hunderte Polizisten den seit Tagen besetzten zentralen Platz in der Hauptstadt gewaltsam geräumt. Dabei kamen vier Menschen ums Leben.

Polizisten entfernen in der Nacht auf Donnerstag Zelte, die Demonstranten in Manama aufgestellt haben. (Video: AP/Youtube)
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Am vierten Tag der Proteste gegen die Regierung ist die Polizei in Bahrain am Donnerstagmorgen mit äusserster Härte gegen die Demonstranten in der Hauptstadt Manama vorgegangen. Die Sicherheitskräfte lösten das Lager der Regierungsgegner auf dem zentralen Platz auf. Polizisten feuerten Tränengas in die Menge und schlugen auf die Menschen ein. Bei den Auseinandersetzungen wurden nach Angaben von Ärzten vier Menschen getötet.

Ohne Warnung habe die Polizei das Lager im Zentrum der Hauptstadt gestürmt, berichteten Augenzeugen. «Frauen und Kinder wurden angegriffen», sagte Mahmud Mansuri. «Sie wussten, was sie taten.» Der Einsatz der Polizei habe begonnen, nachdem Medienvertreter den Platz verlassen hatten. Ein Fotografen der Nachrichtenagentur AP berichtete, dass Polizisten eine Gruppe von Kindern umzingelt und in ihre Fahrzeuge gebracht hätten.

Polizisten zerstören Lager der Demonstranten

Nach der Erstürmung des Platzes waren auf den Strassen Panzer zu sehen und bewaffnete Sicherheitskräfte patrouillierten durch die Wohnviertel. Rund um den Platz wurden Polizeifahrzeuge stationiert und die Strassen mit Stacheldraht gesperrt. Polizisten räumten die Zelte der Demonstranten und zertraten die Transparente. Der Innenminister von Bahrain nannte das Protestlager illegal und forderte die Menschen auf, in ihren Häusern zu bleiben.

In Manama kam das öffentliche Leben am Donnerstag weitgehend zum Erliegen. Arbeiter wurden nicht in die Stadt gelassen, Banken und andere Geschäfte blieben geschlossen. Am Morgen kam es weiterhin zu vereinzelten Zusammenstössen zwischen Demonstranten und der Polizei. Junge Männer rissen Bürgersteige auf und warfen Steine auf die Polizisten.

Dutzende Verletzte mit Platzwunden, Knochenbrüchen und Atembeschwerden nach dem Beschuss mit Tränengas suchten am Donnerstag das Salmanija-Krankenhaus auf. Vor der Klinik riefen Demonstranten: «Das Regime muss gehen.»

Zehntausende vor allem schiitische Demonstranten hatten zuvor am Mittwoch in dem Golfstaat den dritten Tag in Folge gegen ihre Regierung protestiert. Während in den ersten Tagen der Proteste lediglich eine demokratische Öffnung des politischen Systems gefordert wurde, wurden am Mittwoch auch Rufe nach einem Rücktritt des sunnitischen Regimes von Ministerpräsident Scheich Chalifa bin Salman Al Chalifa laut.

Kritik der USA

Das gewaltsame Vorgehen der Regierung in Bahrain gegen die Demonstranten wurde im Westen, vor allem auch in den USA scharf kritisiert.

Bahrain liegt zwar zwischen den ölreichen Staaten Saudi-Arabien und Katar, hat aber selbst kaum Öl. Es ist vor allem ein regionales Finanzzentrum und Freizeitoase für reiche Saudi-Araber, die in Bahrain westliche Bars, Hotels und die Strände geniessen.

(sda/ap)