Rassistisches System?

20. Juli 2013 22:07; Akt: 20.07.2013 23:13 Print

Schuss auf Prügel-Gatten - 20 Jahre Knast

George Zimmermann tötete einen unbewaffneten Teenager und ist frei. Marissa Alexander feuerte 2010 einen Warnschuss wegen ihres brutalen Ehemannes ab und wurde zu 20 Jahren verurteilt.

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Marissa Alexander wurde im Oktober 2012 in Florida zu 20 Jahren Gefängnis verurteilt. Sie hatte nach eigenen Angaben einen Warnschuss auf ihren Mann abgegeben, der sie bedroht und zuvor immer wieder verprügelt hatte. Es gab ein Loch in der Wand, verletzt wurde niemand. Trotzdem musste die 31-jährige Schwarze in den Knast.

Nach dem Freispruch von George Zimmerman, der im Februar 2012 den schwarzen Teenager Trayvon Martin erschossen hatte, erhält ihr Prozess neue Aufmerksamkeit. In beiden Fällen feuerte eine bewaffnete Person eine Waffe im Beisein einer unbewaffneten. Bei beiden Fällen soll es sich um Notwehr gehandelt haben. Beide ereigneten sich in Florida.

Doch einmal betätigte eine Schwarze den Abzug, einmal ein Weisser. Sie war nicht vorbestraft, er war mehrmals wegen häuslicher Gewalt verhaftet worden – und einmal, weil er einen Polizisten verprügelt hatte. Sie schoss in die Wand, er tötete einen unbewaffneten 17-Jährigen.

«Wenn du schwarz bist, behandelt dich das System anders»

Marissa Alexander berief sich in ihrem Prozess auf das «Stand Your Ground»-Gesetz in Florida. Dieses erlaubt es bedrohten Menschen, ihren Angreifer zu töten, ohne zuerst einen Fluchtversuch zu unternehmen. Der Staatsanwalt wies sie ab. Das treibt US-Bürgerrechtler auf die Barrikaden, denn die Anwälte von George Zimmerman machten in ihrer Verteidigung mehrere Punkte aus dem «Stand Your Ground»-Gesetz geltend.

Schon bei Alexanders Verhaftung im Jahr 2012 stellte die demokratische Abgeordnete Corinne Brown in der «Huffington Post» fest: «Die Justiz in Florida hat heute zwei klare Nachrichten gesendet. Erstens: Frauen, die Opfer von häuslicher Gewalt werden, können sich nicht auf das «Stand Your Ground»-Gesetz berufen. Zweitens: Wenn du schwarz bist, behandelt dich das System anders.»

Der Fall wird zu einem weiteren Symbol für Rassismus

Angela Corey, die als Staatsanwältin bei beiden Fällen die Verantwortung trug, weist die Kritik zurück und sieht «keinerlei Parallelen». Obwohl Marissa Alexanders Mann vor Gericht zugegeben hat, seine Frau bedroht zu haben, argumentiert die Staatsanwältin in der «Washington Post»: «Die Angeklagte hat nicht geschossen, weil sie Angst hatte, sondern weil sie wütend war.»

Während Menschen bei Demonstrationen das Bild von Trayvon Martin hochhalten, wird Marissa Alexander zu einem weiteren Symbol für ein Rechtssystem, das Menschenrechtler als rassistisch kritisieren. Kürzlich hat sie der bekannte schwarze Bürgerrechtler Jesse Jackson besucht, auf Social-Media-Plattformen machen User auf ihre Geschichte aufmerksam und in mehreren Online-Petitionen fordern US-Bürger ihre Freilassung.

(rey)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Removowinti am 21.07.2013 09:49 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schlimm und nochmal so 

    Jetzt warte ich nur noch darauf dass hier jemand schreibt, in Amerika hätten Afroamerikaner dieselben Rechte und Chancen wie die Weissen Amis. Zum Lachen, wäre es nicht so tragisch. Sorry. Aber schlechter geht es wohl nur den Ureinwohnern dort.

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  • Niiinoo am 21.07.2013 05:00 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Habe Angst...

    Super sind die Kommentare hier. Wird Rassismus verurteilt kann das hier niemand aushalten. Habe das Gefühl als ob es viel mehr Rassisten gibt in der Schweiz als ich bisher angenommen habe. Wenn ich hier die Kommentare lese, getraue ich mich gar nicht mehr auf die Strasse, weil ich dunkelhäutig bin und das Gefühl nicht los werde das alle mich hassen...

  • Robin Lee am 21.07.2013 01:50 Report Diesen Beitrag melden

    Gleiche Rechtslage? (1)

    Die Frage war ob Marissa aus Angst um Ihr Leben oder aus Zorn geschossen hat. Angeblich verliess sie das Haus in dem sich ein Streit mit ihrem vorbestraften Ehemann ereignete und kam mit Ihrer Waffe zurück, feuerte einen Warnschuss welcher in die Decke abprallte. Laut "Aussage ihres Ehemannes" zielte sie auf ihn und die Kinder, schaute aber vor der Schussabgabe weg. Wichtig hier: Zimmerman wurde zum Zeitpunkt der Schussabgabe attackiert und am Kopf verletzt.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Julius am 22.07.2013 19:02 Report Diesen Beitrag melden

    Zwei völlig verschiedene Fälle

    Die Hauptsache ist, dass man mal wieder auf den angeblich so bösen und rassistischen Weissen rumprügeln kann. Alexander soll ja nicht nur auf ihren Mann geschossen haben, ihre eigenen Kinder sind laut Urteil noch daneben gestanden. Aber wie gesagt, wenn es darum geht Weisse als Rassisten darzustellen, dann kann man sich alles aus den Fingern ziehen. Der Witz an der Sache; in den USA begehen Schwarze mehr "Hatecrimes" (Verbrechen mit rassistischem Motiv) an Weissen als umgekehrt und es ist 7x wahrscheinlicher, dass ein Schwarzer ein Gewaltverbrechen verübt, als Angehörige anderer Ethnien.

  • Klardenkender Schweizer am 22.07.2013 10:05 Report Diesen Beitrag melden

    Richtige Urteile

    Herr Zimmermann hat in Notwehr gehandelt und wurde zu Recht freigesprochen, Frau Alexander wollte ihren Gatten erschiessen und wurde deshalb zu Recht verurteilt. Das muss auch der letzte "Menschenrechtler" endlich begreifen. Dabei haben die beiden Urteile überhaupt nichts mit der Hautfarbe zu tun. Sie halten sich nur ans geltende Recht.

    • Ray Kimberly am 22.07.2013 17:00 Report Diesen Beitrag melden

      Notwehr?

      Warst du dort, zum Tatzeitpunkt? Hast du es mit deinen Augen gesehen was vorgefallen ist? Oder wieso behauptest du hier so selbstsicher es sei Notwehr gewesen?

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  • Berner Bär am 22.07.2013 08:58 Report Diesen Beitrag melden

    Immer dieselbe Leier

    Immer dieselbe Leier: Böse Weisse, arme Schwarze. Tut ein Weisser etwas und ein Schwarzer ist das Opfer, so ist es klar: Der Weisse hat es aus "rassistischem Antrieb" getan - Wer etwas anderes sagt (oder denkt) ist selbst Rassist. Beispiel der Fall Zimmerman/Martin. Ist die Sachlage umgekehrt, hat der Schwarze in einer Notsituation gehandelt - Wer etwas anderes annimmt, ist Rassist. Beispiel Fall O.J.Simpson.

  • Ray Kimberly am 21.07.2013 15:29 Report Diesen Beitrag melden

    That's America!

    USA und das Rassenproblem passt ja wie die Faust aufs Auge. Rassismus muss hier von niemandem geleugnet werden; es ist ist den meisten Bundesstaaten Tatsache, dass Menschen aufgrund ihrer dunklen Hautfarbe diskriminiert werden. Hauptsache man kritisiert andere Länder wie vor kurzem die Vereinigten Arabischen Emirate, die haben wenigstens noch eine funktionierende Regierung und Gesellschaft, Gottesstaat hin oder her.

    • Peter Pan am 22.07.2013 02:52 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Rasismuss

      Quatsch die Saudis haben überhaupt nichts eigenes. Die sind nur geduldet solange das Öl fliesst dann sind die fällig. Das ist die Realitäten und Rassismus gibst auch bei uns und überall. Aufwachen und nicht noch mehr schüren.

    • Marianna S. am 22.07.2013 08:39 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Rassenhass muss nicht geleugnet werden

      Der Rassenhass wird allenfalls einseitig geleugnet. Nur Weisse hassen. Schwarze sind immer Opfer und arm. Das weiss ich schon seit der Sonntagsschule. Marianna S.

    • Ray Kimberly am 22.07.2013 10:45 Report Diesen Beitrag melden

      Nichts eigenes?

      Anscheinend weisst du nicht, wieviel Europa den Arabern verdankt historisch gesehen. Das ganze Zahlensystem haben wir von den Arabern, und noch viel viel mehr.... Bevor man solchen Quatsch rauslässt, sollte man sich bitte objektiv mit der Thematik beschäftigen.

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  • Bruno Meier am 21.07.2013 12:00 Report Diesen Beitrag melden

    Wunderbares Amerika

    Egal wer die USA regiert, dieses Land steigt immer mehr in Richtung asoziale Gesellschaft ab. Aber Rassenhass ist dort ein weit verbreitetes Geschwür in der Gesellschaft, seit jeher. Ich bin froh und dankbar hier in Europa leben und arbeiten zu dürfen.