02. Februar 2016 16:05; Akt: 03.03.2016 03:01 Print

Schwangere sollen auf Olympia-Reise verzichten

Weil in Brasilien das Zika-Virus grassiert, sollen schwangere Frauen nicht an die Olympischen Spiele nach Rio reisen. Brasilien rät offiziell davon ab.

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Sie warnen schwangere Frauen vor Reisen nach Brasilien: Präsidentin Dilma Rousseff (Rechts) und Stabschef Jaques Wagner. (Bild vom 28.1.16)

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Brasilien hat Schwangeren wegen der Gefahr einer Ansteckung mit dem Zika-Virus vom Besuch der Olympischen Spiele abgeraten. Schwangere sollten dieses Risiko nicht eingehen und nicht nach Brasilien reisen, sagte der Stabschef von Präsidentin Dilma Rousseff, Jaques Wagner. Das Virus grassiert derzeit in Süd- und Mittelamerika, die WHO erklärte den weltweiten Gesundheitsnotfall.

Die Olympischen Spiele werden am 5. August in Rio de Janeiro eröffnet. Brasilien ist besonders schwer von der Zika-Epidemie betroffen: Nach Angaben der Behörden sind seit Oktober 4000 Babys mit Verdacht auf Mikrozephalie auf die Welt gekommen; ihr Kopf ist viel zu klein und die Gefahr gross, dass sie geistig behindert bleiben oder unter neurologischen Schäden leiden werden.

Keine Gefahr für Athleten und Besucher

In Brasilien ist die Sorge vor einer explosionsartigen Ausbreitung der Epidemie gross – zumal in Rio de Janeiro der Karneval und im August die Olympischen Spiele anstehen. Zu beiden Grossereignissen werden zehntausende Touristen aus aller Welt erwartet.

Rousseffs Stabschef Wagner bemühte sich, die Gefahren für Athleten und Besucher herunterzuspielen. Seines Wissens nach «muss niemand Angst haben, der nicht schwanger ist», sagte er. IOC-Präsident Thomas Bach wies in Los Angeles darauf hin, dass es kein «Reiseverbot» gebe. Die Olympischen Spiele fänden im brasilianischen Winter statt und damit nicht zu Hauptbrutzeit der Mücken.

Zika könne auch Guillain-Barré-Syndrom auslösen

Eines der Hauptprobleme sei das Fehlen eines zuverlässigen Tests, sagte ein WHO-Sprecher in Genf. «Wir wissen nicht, wann ein Mensch infiziert ist.» Die Entwicklung eines Impfstoffs werde voraussichtlich Jahre dauern. All das werde viele Millionen Dollar kosten. Erstmals wurde der Erreger 1947 im Zika-Wald in Uganda entdeckt.

Bis vor wenigen Monaten galt das Zika-Virus als weitgehend harmlos: Viele Infizierte merken gar nicht, dass sie das Virus in sich tragen, nur bei 20 Prozent führt es zu grippeähnlichen Symptomen oder Hautausschlag. Experten warnen aber inzwischen auch, dass es das Guillain-Barré-Syndrom auslösen kann, eine Nervenkrankheit.

Vor allem Kolumbien, das mehr als 20'000 Zika-Fälle gemeldet hat, scheint davon betroffen. Die Zahl der Kranken mit Guillain-Barré-Syndrom sei «explosionsartig» angestiegen, sagte Gesundheitsminister Alejandro Gaviria im kolumbianischen Rundfunk. Derzeit kämen auf 1000 Zika-Fälle 2,3 Patienten mit dem Syndrom, das zu Lähmungserscheinungen führen kann.

Zwar wurden Zika-Infizierte auch schon in Europa und Asien gemeldet, doch am schlimmsten grassiert das Virus in Süd- und Lateinamerika. Zuletzt meldete Panama am Montag 50 Zika-Fälle. Honduras, wo sich die Zahl der Infizierten in den vergangenen drei Tagen auf rund 3650 verdreifacht hat, erklärte den nationalen Notstand. Mehrere betroffene Länder haben bereits dazu aufgerufen, vorerst auf Schwangerschaften zu verzichten.

(ofi/afp)