Abschied von Havel

19. Dezember 2011 15:38; Akt: 19.12.2011 18:05 Print

Schwarze Flaggen über Prag

Ganz Tschechien trauert um ihren grossen Politiker Václav Havel. Die Regierung erwägt eine «Lex Havel», um ihn zu ehren.

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Vaclav Havel verstarb am 18. Dezember. Für die Tschechen war er ein grosser Humanist. (Bild: Keystone/AP)

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In Prag haben Trauernde Abschied vom früheren Staatspräsidenten Vaclav Havel genommen. Der Sarg des am Sonntag gestorbenen Dissidenten, Schriftstellers und Politikers wurde am Montag in der Prager Sankt-Anna-Kirche aufgebahrt.

Hunderte Menschen warteten vor den Toren des Gotteshauses. Viele hatten Tränen in den Augen. «Er hat uns die Freiheit geschenkt», sagte eine Trauernde. Havels Ehefrau Dagmar legte rote Rosen auf seinem Sarg nieder.

Die Schlüsselfigur der demokratischen Wende von 1989 war nach langer Krankheit im Alter von 75 Jahren gestorben. Das feierliche Staatsbegräbnis wird am Freitag in Prag stattfinden, wie das Präsidentenamt am Montag mitteilte.

Unter den Staatsgästen werde voraussichtlich auch die US- amerikanische Aussenministerin Hillary Clinton sein, teilte Havels ehemalige Sekretärin Sabina Tancevova im Fernsehen mit.

Am Tag nach dem Tod des Ex-Präsidenten wehten am Prager Präsidentenpalast, am Nationaltheater und an vielen anderen Orten des Landes schwarze Flaggen. Soldaten der Burggarde der Prager Burg hielten eine Ehrenwache neben einem Porträt Havels. Sein Nachfolger im Amt, Vaclav Klaus, Erzbischof Dominik Duka und weitere Würdenträger trugen sich in das Kondolenzbuch ein.

Staatstrauer und «Lex Havel»

Václav Havel amtierte von 1989 bis 2003, erst als tschechoslowakischer, ab 1993 als tschechischer Präsident. Er war am Sonntag im Alter von 75 nach langer Krankheit gestorben.

Er soll mit einer dreitägigen Staatstrauer gewürdigt werden, wie Ministerpräsident Petr Necas am Montag in Prag ankündigte. Von Mittwoch bis Freitag dieser Woche würden die Flaggen in Tschechien auf Halbmast hängen.

Necas bat die Bürger, am Freitag um 12.00 Uhr eine Schweigeminute einzuhalten. Die Medien rief er auf, ihr Programm an diesen Tagen dem traurigen Anlass anzupassen. Necas würdigte den verstorbenen Ex- Präsidenten als «moralische Autorität und Symbol der gesellschaftlichen Wende im November 1989».

Nach Informationen tschechischer Medien erwägt das Kabinett zudem ein Gesetz, das den früheren Dissidenten und Präsidenten ehren soll. Die «Lex Havel» könnte nach Aussage von Aussenminister Karel Schwarzenberg erklären, dass Vaclav Havel sich um die Freiheit verdient gemacht habe. Auch andere frühere tschechoslowakische Präsidenten wurden auf diese Weise geehrt.

(sda)