Vorfall in Israel

15. Juli 2018 20:00; Akt: 16.07.2018 14:20 Print

Schweizer schlägt Bub (10) und wird ausgewiesen

Ein Schweizer Mitglied einer Beobachtergruppe in Hebron schlug einen Zehnjährigen ins Gesicht. Nun musste sich der Schweizer Botschafter dafür entschuldigen.

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Eine Szene in einem Video aus Hebron, der grössten palästinensischen Stadt im besetzten Westjordanland, hat diplomatische Folgen: Auf den Aufnahmen ist zu sehen, wie ein Schweizer Mitglied einer Beobachtergruppe einem Buben eine Ohrfeige verpasst. Der Mann musste zwei Tage später das Land verlassen. Zudem sah sich der Schweizer Botschafter in Israel gezwungen, sich für den Vorfall zu entschuldigen.

Laut «Times of Israel» hatte der Schweizer, der für die Organisation Temporary International Presence in the City of Hebron (kurz TIPH) tätig ist, vergangenen Mittwoch einen zehnjährigen Jungen aus einer israelischen Siedlung geschlagen. Der Bub hatte sich einer Gruppe Menschen genähert, die eine Tour durch Hebrons Quartier Tel Rumeida machte. Auch der Schweizer nahm an der Tour teil. Der Rundgang war von der israelischen NGO «Breaking the Silence» organisiert, die angebliche Menschenrechtsverletzungen gegen palästinensische Zivilisten im Westjordanland dokumentiert.

Trotz Provokation «immer die Nerven behalten»

Nachdem der Fernsehsender Hadashot TV das Video veröffentlicht hatte, ordnete Israels Premierminister Benjamin Netanyahu die Ausweisung des TIPH-Mitarbeiters an. Ausserdem entschuldigte sich der Schweizer Botschafter Jean-Daniel Ruch schriftlich bei den Führern der Siedlungsgemeinschaft für den Vorfall.

Uri Karzen, Leiter der jüdischen Gemeinde in Hebron, veröffentlichte auf Twitter den Brief: «Obwohl zweifellos eine Provokation seitens der Siedler vorausging, ist die Aktion dieses TIPH-Mitglieds völlig inakzeptabel. Es wird von unseren TIPH-Mitgliedern erwartet, dass sie unter allen Umständen ihre Nerven behalten», heisst es in Ruchs Schreiben.

Die TIPH ist eine internationale zivile Beobachtergruppe, deren Aufgabe es ist, «die Bemühungen um ein normales Leben in der Stadt Hebron zu überwachen und zu dokumentieren». Die Organisation berichtet auch von angeblichen Menschenrechtsverletzungen und Vertragsverletzungen zwischen Israelis und Palästinensern. Die Gruppenmitarbeiter stammen aus Norwegen, Dänemark, Schweden, der Schweiz, Italien und der Türkei.



(kle)