6 Tote in Rot am See

25. Januar 2020 17:05; Akt: 25.01.2020 17:09 Print

«Unser Adrian hat Teil seiner Familie erschossen»

Nach einer Familientragödie mit sechs Toten in Rot am See sitzt der verdächtige Adrian S. (26) in U-Haft. Sein Opa musste Freunden und Verwandten die traurige Nachricht überbringen.

In der Nacht auf Samstag wurden Verstorbene abtransportiert. (Video: NonstopNews)
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Nach dem Verbrechen in Rot am See mit sechs Toten hat der zuständige Ermittlungsrichter am Samstag Haftbefehl gegen einen 26-Jährigen erlassen. Grund: Verdacht des sechsfachen Mordes und des zweifachen versuchten Mordes.

Adrian S. wird vorgeworfen, am Tag zuvor seine Eltern, seine Stiefgeschwister sowie seinen Onkel und seine Tante erschossen zu haben, wie Staatsanwaltschaft und Polizei mitteilten.

«Ich habe soeben mehrere Menschen getötet»

Der Fall schockierte am Freitag die ruhige 5300-Einwohner-Gemeinde: Gegen 12:45 Uhr fielen im Haus von Familie S. Schüsse. Drei Minuten später rief der 26-jährige Adrian S. laut «Bild»-Zeitung die Polizei: «Ich habe soeben mehrere Menschen getötet.»

S. wurde in der Leitung gehalten, während die Einsatzkräfte zum Tatort eilten. «Wir gehen von einem Familiendrama aus», sagte später Polizeipräsident Reiner Möller an einer Pressekonferenz vom Freitagabend. Alle Opfer seien aus einer Familie.

Täter erschoss seine Eltern

Bei den Todesopfern handelt es sich um drei Männer im Alter von 36, 65 und 69 Jahren sowie drei Frauen im Alter von 36, 56 und 62 Jahren. Unter ihnen befinden sich auch Adrians Vater Klaus S. (65) und seine Mutter Sylvia S. (56) .

Der Tatort befindet sich bei einem Gebäude mit einer Gaststätte an der Bahnhofstrasse. Gemäss der «Südwest Presse» war sie längere Zeit geschlossen. Früher gab es im Gebäude eine Kneipe. Inzwischen sei das Gasthaus «Deutscher Kaiser» wieder geöffnet.

Sportschütze mit Waffenschein

S. tötete vier Personen in der Gaststätte, zwei weitere vor dem Gebäude. Als die Polizei eintraf, befand sich der 26-Jährige vor dem Haus. Dort wurde er festgenommen. Die Opfer lebten zum Teil in dem Haus mit der Gaststätte, in dem die Tat geschah. Auch Adrian S. wohnte dort.

Der Täter ist Deutscher und habe einen Waffenschein als Sportschütze, teilte Polizeipräsident Möller mit. Für die Tat benutzte er eine halbautomatische Waffe. Zuvor war er nicht polizeilich in Erscheinung getreten.

Opa verlor am Tag des Begräbnis seiner Frau seine Tochter Sylvia

Wie die «Bild» weiter berichtet, habe S. die Gelegenheit einer kleinen Familienzusammenkunft genutzt, um seine Verwandten zu töten. Seine Mutter S., die vor längerer Zeit aus dem Haus ausgezogen war, befand sich mit ihrer erwachsenen Tochter aus erster Ehe und zwei kleinen Enkelsöhnen zu Besuch in Rot am See, weil sie nach zur Beerdigung ihrer eigenen Mutter gekommen war.

Nach dem Tod der Oma habe es wohl Erbstreitigkeiten innerhalb der Familie S. gegeben, sagte eine Bekannte zur «Bild». Es war der Opa, der während des Begräbnis seiner Frau den Trauergästen mitteilen musste: «Ich habe eine ganz schlechte Nachricht. Unser Enkelsohn Adrian hat, als Sportschütze mit einer Waffenbesitzkarte, einen grossen Teil seiner Familie erschossen: unsere Tochter Sylvia, Schwiegersohn Klaus, die Enkel, die Schwester von Klaus mit ihrem Mann. Wir sind völlig fassungslos.»


Die Polizei war mit einem Grossaufgebot vor Ort. (Video: NonstopNews)

Bei der Schiesserei wurden zwei weitere Personen verletzt, eine davon befindet sich in Lebensgefahr. Ausserdem wurden zwei Jugendliche vom Täter bedroht, sie werden nun psychologisch betreut.

(fss/kat/kle/vro)