Betroffener erzählt

20. Juli 2014 05:26; Akt: 21.07.2014 09:16 Print

Separatisten – brutale Truppe ohne Organisation

Artur Gasparyan, 24, erzählt, wie er mit vielen anderen in Moskau angeworben wurde und in der Ukraine kämpfte. In seinem Trupp kannte kaum einer die Befehlsgeber.

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Sie herrschen über den Osten der Ukraine: im Überblick. ist einer der führenden Rebellenkommandanten in Slawjansk. Ukrainischen Angaben zufolge ist er in Wahrheit Oberst des russischen Militärgeheimdiensts GRU und heisst IGOR GIRKIN. In einem Interview sagte Strelkow, er und seine Leute würden nicht in Donezk haltmachen, sondern die ganze Ukraine «von den Faschisten befreien». Die frühere Sowjetrepublik bezeichnete er als gescheiterten Staat, wegen dem niemand «einen Dritten Weltkrieg» beginnen werde. Laut dem ukrainischen Geheimdienst reiste Strelkow auf die Halbinsel Krim, bevor sie von Russland annektiert wurde. Nach EU-Angaben diente er dort dem selbsternannten Regierungschef Sergej Aksjonow als Sicherheitsberater. Er soll zudem in einem abgehörten Telefongespräch zu hören sein, wie er mit Putins Sondergesandten Wladimir Lukin über die festgehaltenen OSZE-Militärbeobachter berät. Wie andere Milizenführer steht er auf der EU-Sanktionsliste. bezeichnet sich als «Volksgouverneur» von Lugansk und Kommandant der «Südostarmee». Anfang Mai verhängte der 42-jährige frühere Fallschirmjäger, der im Krieg um die zwischen Armenien und Aserbaidschan umstrittene Region Berg-Karabach kämpfte, in der ostukrainischen Stadt eine Ausgangssperre und verfügte die «totale Mobilisierung aller Männer». Sollten sich die Sicherheitskräfte nicht seinen Milizen anschliessen, würden sie nach «Kriegsrecht» bestraft. In einem von den ukrainischen Medien veröffentlichten Video sagte der ausgebildete Ökonom und Ingenieur Bolotow, seine Kämpfer seien entschlossen, ihr Gebiet «gegen die Neonazi-Besatzer zu verteidigen». Ihr Ziel sei die ukrainische Hauptstadt Kiew. bezeichnet sich selbst als Gouverneur der «Volksrepublik Donezk», seit er Anfang März mit prorussischen Milizionären das örtliche Verwaltungsgebäude in der Industriestadt stürmte. Der 31-jährige Werbespezialist, der früher der radikal anti-westlichen Progressiven Sozialistischen Partei der Ukraine angehörte, wurde anschliessend festgenommen, am Mittwoch aber gegen drei Offiziere der ukrainischen Spezialkräfte ausgetauscht. Gubarew setzt sich für einen Beitritt der «Volksrepublik Donezk» zu Russland ein, in einem ersten Schritt will der Amateurboxer zunächst die örtliche Bevölkerung am Sonntag über die Unabhängigkeit des Gebiets abstimmen lassen. ist der selbsternannte Bürgermeister von Slawjansk, seit Mitte April eine der Hochburgen der bewaffneten Separatisten im Osten der Ukraine. Der 49-Jährige, der oft in Sportjacke und Baseballkappe auftritt, war nach eigener Aussage Direktor einer Seifenfabrik, bevor ihn die prorussischen Kräfte zu ihrem Anführer beriefen. In der Sowjetunion diente Ponomarjow, dem zwei Finger an der linken Hand fehlen, in der Marine. Zu internationaler Bekanntheit gelangte Ponomarjow, als er eine Gruppe ausländischer OSZE-Militärbeobachter, darunter vier Deutsche, eine Woche als «Kriegsgefangene» festhalten liess, bevor er sie auf Druck des Kreml freiliess. Um scharfe Worte ist Ponomarjow nicht verlegen. So kündigte er an, einer «Schwuchtel» wie dem ukrainischen Innenminister Arsen Awakow würde er niemals die Hand geben. Sollte dieser sich nach Slawjansk trauen, werde er ihn persönlich erschiessen. nennt sich Ko-Präsident der «Volksrepublik Donezk». Am 8. Mai versicherte er, das Referendum werde am 11. Mai wie geplant stattfinden. Der 33-Jährige ist Anhänger der paramilitärischen Gruppe Oplot und gehört eigenen Angaben zufolge der politischen Gruppe MMM an, die aus dem kriminellen Schneeballsystem des prominenten russischen Betrügers Sergej Mawrodi hervorging. Eingenen Angaben zufolge studierte Puschilin nach dem Militärdienst Wirtschaftswissenschaften, brach das Studium aber ab und arbeitete später für den Einzelhandelskonzern Solodke Shittia. Nach dem Genfer Abkommen forderte er, vor dem darin verlangten Rückzug der Separatisten müsse die Kiewer Regierung zuerst die von ihr «besetzten» Gebäude räumen. Auch er steht auf der EU-Sanktionsliste.

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Was sind die Separatisten in der Ukraine, die das Passagierflugzeug der Malaysia Airlines abgeschossen haben sollen, für Leute, fragen sich viele. Der 24-jährige Artur Gasparyan ist einer von ihnen. Er hat in der Ostukraine gekämpft. In einem Interview mit der «NZZ am Sonntag» erzählt er, wie er in Moskau zusammen mit anderen Jugendlichen von Unbekannten angeworben wurde. «Ein Lohn wurde uns nicht versprochen, nur Essen, Kleidung, Waffen und die Garantie, dass unsere Leichen nach Rostov gebracht und unseren Angehörigen übergeben werden.»

Vor der Abreise sei er genötigt worden, seine Konten in sozialen Medien zu löschen. Er habe in einem Verbund von rund 100 Männern gekämpft, von denen viele ums Leben gekommen seien. Über seine Mitstreiter sagt er: «Sie waren gute patriotische Kerle. Ein paar stammten aus dem Kaukasus, es gab Armenier aus Krasnodar in Russland und aus Krywyj Rih in der Ukraine. Später kamen einige Tschetschenen dazu.» Gasparyan zeichnet das Bild einer brutalen und schlecht organisierten Truppe, die nicht einmal die Namen ihrer Befehlsgeber gekannt habe.

(ann)