Spanien

18. Oktober 2019 10:36; Akt: 18.10.2019 10:36 Print

Separatisten legen Autobahn lahm

Wieder kam es in Spanien zu Ausschreitungen. Diesmal waren auch Rechtsextreme beteiligt. Am Freitag ist zudem ein Generalstreik geplant.

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Die 4. Nacht mit Ausschreitungen in Spanien: Wieder gingen Separatisten auf die Strassen. Laut dem Leser sind zahlreiche Polizisten vor Ort. Am Freitag, 18. Oktober 2019, ist zudem ein Generalstreik geplant. Die Protestierenden errichteten Feuerbarrikaden. Unter die Protestierenden mischten sich auch Rechtsextreme. Die Demonstranten blockierten auch Strassen. Die Polizei konnte Zusammenstösse zwischen Rechtsradikalen und Separatisten verhindern. Rund ein Dutzend Menschen wurden verletzt, wie lokale Medien berichten. Die Polizei nahm mindestens elf Personen fest. Die heftigsten Zusammenstösse gab es in Barcelona. Der separatistische Regionalpräsident Quim Torra hatte die Gewalt in der Nacht zum Donnerstag erstmals kritisiert. Spielt am 26. Oktober nicht gegen Real Madrid: FC Barcelona mit Superstar Lionel Messi. (Archivbild) Grund: Die Unruhen in Barcelona. Am Mittwochabend wurden mehrere Autos sowie Barrikaden und Blumenkästen in Brand gesetzt. Die Polizei der Region im Nordosten Spaniens teilte mit, gewaltbereite Aktivisten hätten nicht nur Steine und Böller auf die Sicherheitskräfte geworfen, sondern auch «Gegenstände mit Säure». Es war bereits der dritte Tag mit massiven Demonstrationen in und um Barcelona, nachdem das Oberste Gericht in Madrid am Montag neun Separatistenführer zu langjährigen Haftstrafen verurteilt hatte. Für den 26. Oktober ist eine grosse Demonstration geplant. Dann hätten auch Barça und Real Madrid in Kataloniens Metropole gegeneinander spielen sollen. Neben friedlichen Kundgebungen Tausender Unterstützer einer Abspaltung der Region von Spanien kam es dabei auch immer wieder zu Krawallen mit Dutzenden Verletzten und zahlreichen Festnahmen. Regionalpräsident Quim Torra hat die Gewalt trotz Aufforderungen der Zentralregierung in Madrid bislang nicht öffentlich verurteilt. Die in Haft sitzenden Separatistenführer hingegen distanzierten sich auf Twitter von den Ausschreitungen. Hunderte Menschen haben am 14. Oktober 2019 den Zugang zum Flughafen in Barcelona gesperrt. «Der Eingang zu den Terminals wurde gesperrt», berichtet Leser-Reporterin Yvonne Ziegler. Die Demonstranten sind Befürworter der Unabhängigkeit Kataloniens. Die Polizei beobachtete lange die Situation. Sie protestieren derzeit wütend gegen das Urteil des Obersten Gerichts. Hunderte waren nach Bekanntgabe des Urteils zum Flughafen Barcelona zu Fuss unterwegs, um den Flugverkehr lahmzulegen. Viele sitzen seit Stunden in den Hallen der Terminals. Im Stadtzentrum haben Demonstranten die wichtigsten Zugangsstrassen zum Zentrum blockiert, Taxis und die U-Bahn fahren nicht. Die Demonstrationen in Barcelona gehen auch am fünften Tag in Folge weiter. Wie ein Leser-Reporter berichtet, sind viele junge Menschen auf der Strasse. «Hier läuft es zurzeit aber recht ruhig ab.»

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Die Proteste von Befürwortern der Unabhängigkeit in Katalonien reissen nicht ab. Neben militanten Separatisten gingen in Barcelona nun auch rechtsradikale Gegendemonstranten auf die Strasse. Mindestens elf Menschen seien festgenommen worden, teilte die Polizei der nordostspanischen Region in der Nacht zum Freitag auf Twitter mit.

Es habe rund ein Dutzend Verletzte gegeben, berichteten örtliche Medien unter Berufung auf die Notdienste. Die heftigsten Zusammenstösse gab es in der Regionalhauptstadt Barcelona. Anhänger der Unabhängigkeitsbewegung setzten im Zentrum unter anderem Müllcontainer sowie Tische und Stühle von Strassencafés in Brand. Ausserdem seien eine Bankfiliale und ein Bekleidungsgeschäft verwüstet worden, teilte die Polizei mit.

Polizisten angegriffen

Vereinzelt kam es zu Zusammenstössen zwischen Demonstranten und der Polizei. Die Beamten seien erneut mit Steinen und Böllern angegriffen worden und hätten ihrerseits Schaumgeschosse eingesetzt, hiess es in Medienberichten.

Verhindern konnte die Polizei Zusammenstösse zwischen den Separatisten, die nach Unabhängigkeit für die wirtschaftlich starke Region im Nordosten Spaniens streben, und Rechtsradikalen, die eine Gegenkundgebung veranstalteten. Nach Schätzungen des spanischen Fernsehens waren auch nach Mitternacht in Barcelona noch viele Tausend Unabhängigkeitsbefürworter unterwegs. Demonstrationen gab es am Donnerstag auch in anderen katalanischen Städten wie Girona und Lleida.

Laut «El Mundo» legten die Demonstranten auch Nationalstrassen und Autobahnen lahm. So etwa auch die AP-7, die nach Frankreich führt. Zudem wurde die einzige Strasse, die von Andorra nach Spanien führt, blockiert.

An diesem Freitag wollen die Separatisten Katalonien mit einem Generalstreik lahmlegen. In Barcelona wurden auch Tausende Teilnehmer zu «Märschen für die Freiheit» erwartet, die sich in den vergangenen Tagen in fünf Städten der Region auf den Weg dorthin gemacht hatten.

Der separatistische Regionalpräsident Quim Torra hatte die Gewalt in der Nacht zum Donnerstag erstmals kritisiert. «Das muss sofort aufhören. Es gibt weder einen Grund oder eine Rechtfertigung dafür, Autos in Brand zu stecken, noch für andere vandalische Aktionen», sagte er in einer vom Fernsehen übertragenen Erklärung.

Die sozialistische Zentralregierung von Ministerpräsident Pedro Sánchez weist derweil die Forderungen konservativer Kräfte zurück, Katalonien erneut unter Zwangsverwaltung zu stellen, wie es schon nach dem Unabhängigkeitsreferendum vom Herbst 2017 geschehen war.

(vro/sda)

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