Tragödie am Everest

28. Mai 2018 06:43; Akt: 28.05.2018 06:43 Print

Sherpa stirbt bei Werbe-Gag für Kryptowährung

Ein ukrainisches Bergsteiger-Team trägt zu Werbezwecken Kryptowährung auf den Everest. Beim Abstieg verschwindet ein Sherpa.

Die ukrainischen Bergsteiger vergruben die Kryptowährung auf dem Mount Everest.
Zum Thema
Fehler gesehen?

Ein ukrainisches Bergsteigerteam ist Mitte Mai in Begleitung mehrerer Sherpas auf den Mount Everest gestiegen. Zweck der Expedition: Eine neue Kryptowährung im Wert von 50'000 Dollar auf den 8'848 Meter hohen Gipfel zu bringen und dort zu vergraben – eine Marketingaktion des Onlineportals Ask.fm. «Komm und hol sie, wenn du kannst», sagt Bergsteiger Taras Pozdnii in einer Videobotschaft und zeigt die Festplatte mit den AskFm-Token.

Doch als die Gruppe vom Berg zurückkehrt, wird ein Sherpa vermisst. Am Samstag bestätigte das Unternehmen mit Sitz in Irland: «Wir sind uns des Verschwindens eines Sherpas, der unsere Gruppe begleitete, während des Abstiegs bewusst», heisst es in einer Erklärung von Ask.fm.

Offenbar hatte der Mann aufgrund von Schneeblindheit die Orientierung verloren und sich verlaufen. Lam Babu Sherpa sei nicht ins Camp zurückgekehrt und gelte als tot, teilte die Trekking-Agentur Seven Summit Treks der Nachrichtenagentur AFP mit.

Vermeidbarer Todesfall?

Die Umstände seines Todes sind noch nicht geklärt und sorgen für Wirbel. Alan Arnette, der sämtliche Ereignisse am Everest in seinem Blog festhält, bezeichnet die Tragödie als «vermeidbaren Todesfall».

Er verstehe nicht, «wie beim 45-jährigen Sherpa Schneeblindheit auftreten konnte, er getaumelt sein soll und ihm niemand helfen konnte. Ich versuche, weitere Details zu diesem traurigen Ereignis zusammenzutragen», schrieb er in einem Eintrag.

Expeditionsmitglied Taras Pozdnii erklärte der «Financial Times», der Sherpa «ist hinter uns gewesen, deshalb haben wir ihn nicht gesehen». Sie wüssten nicht, was mit dem Mann passiert sei.

Die ukrainischen Bergsteiger waren beim Abstieg ob starker Winde selber in Not geraten. Ein Helikopter flog sie nach Kathmandu. Pozdnii erlitt Erfrierungen an Händen und Füssen. Davon postete er ein Bild auf Facebook. Das Schicksal des Sherpas blieb dabei unerwähnt.

(kko)