Mega-Manöver

26. Oktober 2018 20:49; Akt: 26.10.2018 20:49 Print

Sie wollen nur üben

Es ist das grösste Nato-Manöver seit einer Generation. Es darf als Abschreckung gegen Russland verstanden werden, auch wenn es offiziell nicht gegen einen bestimmten Angreifer gerichtet ist.

Bei der Übung soll die Fähigkeit der Nato trainiert werden, schnell Truppen aus anderen Teilen Europas und aus Nordamerika zusammenzuziehen. (Video: AFP)
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Die Nato hat in der Nacht zum Donnerstag ihr grösstes Manöver seit Ende des Kalten Kriegs gestartet. Nach Angaben einer Bündnissprecherin übernahm der zuständige US-Admiral James G. Foggo um 0.01 Uhr das Kommando über die rund 50'000 an der Übung Trident Juncture 18 beteiligten Soldaten.

Sie werden nun zwei Wochen lang in Norwegen sowie in den umliegenden Luft- und Seegebieten gemeinsam trainieren. Zusammen mit den Soldaten sind zudem auch rund 10'000 Fahrzeuge sowie mehr als 300 Kampfflugzeuge, Hubschrauber und Schiffe im Einsatz.

Abschreckung an Russland

Offiziell richtet sich das Manöver gegen keinen bestimmten Angreifer. Angesichts der seit Jahren wachsenden Spannungen mit Russland handelt es sich aber auch um eine Machtdemonstration.

Ziel des Manövers ist es, für den sogenannten Bündnisfall zu üben. Dieser könnte ausgerufen werden, wenn einer oder mehrere der 29 Mitgliedstaaten von einem Gegner angegriffen würden. In der Folge müssten dann die anderen Alliierten Beistand leisten. Bei der Übung soll die Fähigkeit der Nato trainiert werden, schnell Truppen aus anderen Teilen Europas und aus Nordamerika zusammenzuziehen.

Die deutsche Bundeswehr ist mit rund 10'000 Soldaten beteiligt und lässt sich Trident Juncture 90 Millionen Euro kosten. Das Land ist damit zweitgrösster Truppensteller nach den USA. Das starke Engagement ist vor allem dadurch begründet, dass Deutschland ab Anfang 2019 die Führung der schnellen Eingreiftruppe der Nato übernehmen soll.

Darum trainiert die Nato jetzt

Die Nato-Spitze sieht zurzeit zwar eher keine Anzeichen dafür, dass Russland einen Angriff auf einen Nato-Staat plant. Doch Polen, Estland, Lettland und Litauen fühlen sich durch Russland bedroht – und sie wollen vorbereitet sein.

Seit 2014 wird der Abschreckungsstrategie gegen Russland auch deshalb wieder starke Aufmerksamkeit gewidmet. Damals hatte Russland sich die ukrainische Halbinsel Krim einverleibt und offensiv damit begonnen, prorussische Separatisten in der Ostukraine zu unterstützen.

Trident Juncture hat zwar wenige Tage nach US-Präsident Donald Trumps Ankündigung begonnen, aus dem INF-Abrüstungsabkommen zwischen Russland und den USA auszusteigen. Ein direkter Zusammenhang besteht aber nicht. Solche aufwendigen Manöver werden lange im Voraus geplant.

Deutschland will Trumps Vertrauen

Für Deutschland ist das Manöver zudem eine Gelegenheit, Donald Trump zu demonstrieren, dass es bereit ist, mehr Verantwortung für die Sicherheit Europas zu übernehmen.

Der US-Präsident fordert seit seinem Amtsantritt von den Nato-Ländern deutlich höhere Verteidigungsausgaben und hat sogar schon mit einem Nato-Austritt gedroht, sollten die europäischen Alliierten nicht mehr Anstrengungen in dem Bereich unternehmen.

(kko/sda/afp)