Durchgefallen

30. März 2011 12:42; Akt: 30.03.2011 13:53 Print

Sind Amerikaner dümmer als Europäer?

Viele Amerikaner würden selbst den US-Einbürgerungstest nicht bestehen. Schuld sein sollen das komplizierte politische System, die Schulen oder fehlende Neugier.

Das Klischee des ignoranten Amerikaners wurde schon oft humoristisch verarbeitet. Das US-Magazin «Newsweek» versuchte sich hingegen in einer fundierten Analyse. (Video: Youtube)
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Das renommierte US-Magazin «Newsweek» hat kürzlich 1000 Amerikaner anhand des standardisierten Einbürgerungstests über ihre Staatskenntnisse befragt. Das Resultat ist besorgniserregend: 29 Prozent wussten nicht, wer derzeit Vize-Präsident ist (Joe Biden), 73 Prozent konnten nicht sagen, worum es im Kalten Krieg ging (gegen den Kommunismus), und 70 Prozent hatten keine Ahnung, welches das höchste Gesetz des Landes ist (die Verfassung).

Umfrage
Sind Amerikaner tendenziell dümmer als Europäer?
76 %
6 %
18 %
Insgesamt 3132 Teilnehmer

Noch peinlicher fällt offenbar der Vergleich mit anderen Ländern aus: In einer Umfrage des «European Journal of Communication» wussten 68 Prozent der Dänen, 75 Prozent der Briten und 76 Prozent der Finnen, wer die Taliban sind. Bei den Amerikanern waren es nur deren 58 - und das, obwohl die USA den Krieg in Afghanistan anführen, wie «Newsweek» schreibt.

Politisches System zu komplex

Doch wo liegen die Gründe für diese Unterschiede? Das Magazin zitiert Jacob Hacker, einen Politologen der Universität Yale, wonach «viele europäische Parlamente nach dem Proporzsystem gewählt werden und Mehrheitsparteien ohne grosse Rücksicht auf regionale und lokale Ebenen regieren können». Dass die Amerikaner Mühe bekunden, sich im vergleichsweise komplexeren politischen System der USA zurechtzufinden, sei deshalb klar. Niemand verstehe den bürokratischen Knäuel auf Bundes-, Staaten- und Gemeindeebene sowie die ständigen Wahlen für irgendwelche Ämter (Richter, Sheriff, Schulpflege). Dieses Bewusstsein entmutige die Menschen, sich zu bemühen und dazuzulernen.

Ironischerweise offenbart Hackers Argumentation selbst eine Ignoranz der politischen Landschaft Europas. Neben zentralistisch geführten Staaten wie Frankreich und Italien gibt es auch föderale wie die Schweiz, Deutschland oder Österreich. Kommt hinzu, dass mindestens so häufig Koalitionen und nicht Mehrheitsparteien regieren, was die politische Landschaft sogar eher komplizierter macht als das traditionelle Zweiparteiensystem der USA.

Armut und Immigration

Als weitere Gründe für die Wissenslücken der Amerikaner werden grosse Einkommensunterschiede und Einwanderung genannt. «Im Unterschied zu Dänemark haben wir viele arme Leute, die keinen Zugang zu einer guten Ausbildung haben, sowie viele Einwanderer, die nicht einmal englisch sprechen», zitiert «Newsweek» Dalton Conley, Soziologe der New York University. Dieses Argument hinkt ebenfalls, da Westeuropa spätestens seit Ende des Zweiten Weltkriegs ein Einwanderungsgebiet ist. Richtig ist hingegen, dass die Einkommensschere in den USA weiter aufgeht.

Das dezentrale Schulsystem in den USA soll ebenfalls ein Grund sein. Vereinheitlichte Schulpläne würden demnach eine gemeinsame Wissensbasis und damit die Bürgerkultur fördern. Doch auch hier zeigt das Beispiel Schweiz, dass flächendeckend anständige Bildung auch in föderalen Strukturen möglich ist.

Mehr Privatfernsehen

Das «European Journal of Communication» kam ausserdem zum Schluss, dass die Marktdurchdringung von Privatsendern in den USA grösser sei und diese im Vergleich zum öffentlich-rechtlichen Rundfunk weniger internationale Nachrichten senden. Was wiederum die Frage aufwirft, warum sich Amerikaner tendenziell öfter seichtem Privatfernsehen zuwenden.

Der «American Chronicle» nennt in diesem Zusammenhang einen Faktor, auf den «Newsweek» nicht weiter eingegangen ist: Fehlende Neugier. Amerikaner seien sehr kompetent in ihrem Beruf und einigen Hobbys, doch sich mit Dingen auseinanderzusetzen, die keine unmittelbaren praktischen Resultate hervorbringen, werde als Zeitverschwendung erachtet. Europa hingegen schätze den Wert einer Allgemeinbildung, die auch Geschichte und Geografie anderer Staaten miteinschliesst.

Gebrechen oder unheilbare Krankheit?

«Newsweek» vertritt die Ansicht, dass die Amerikaner früher nicht weniger ignorant waren als heute. Nur: Vor der Globalisierung sei das weniger ins Gewicht gefallen und ausserdem von vermittelnden Organisationen wie Gewerkschaften aufgefangen worden. Das gelte heute nicht mehr. Stattdessen würden an beiden Enden des politischen Spektrums extreme Meinungsführer die Debatte dominieren und die politischen Entscheidungsträger genau in den falschen Momenten in die Irre führen.

Als Beispiel wird der aktuelle Streit über die Reduzierung des US-Defizits angeführt. Laut einer Umfrage von CNN verlangen 71 Prozent der Amerikaner eine geringere Staatsquote. Gleichzeitig lehnen sie Einsparungen am Gesundheitswesen und dem Rentensystem vehement ab. Die Regierung soll sparen, aber die Bevölkerung kann ihr nicht sagen, wo.

«Das Problem ist Unwissen, nicht Dummheit. Uns fehlen Informationen, nicht Fähigkeiten», relativiert der Yale-Politologe Hacker. Ob dies ein «behandelbares Gebrechen» oder eine «unheilbare Krankheit» sei, wird sich laut «Newsweek» weisen. Aber jetzt sei ein guter Zeitpunkt, nach einer Medizin zu suchen.

Was denken Sie über die Intelligenz unserer amerikanischen Freunde?

(kri)

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Tanja am 30.03.2011 14:58 Report Diesen Beitrag melden

    Ich habe in den USA gelebt...

    ..und ich wurde vor meinem Gehen gewarnt von allen Seiten,die Amerikaner seien dumm,verlogen und oberflächlich.Ich habe aber gesagt,ich wolle ohne Vorurteile dorthin gehen,und leider hat sich wirklich alles bestätigt an den sogenannten Vorurteilen!Aber gleichzeitig muss ich sagen,dass viele nichts dafür können,dass sie dumm sind,denn die öffentlichen Schulen,sind total schlecht.Nur wer sich Privatschulen leisten kann,kann auch was lernen.

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  • Reto Monte am 30.03.2011 16:23 Report Diesen Beitrag melden

    Habt ihr uns erwischt....

    Ich bin auch Amerikaner und habe lange in den USA gelebt. Ich kann leider den Artikel voll und ganz bestätigen. Die Amerikaner haben aber generell kein grosses Interesse an dem was ausserhalb ihres Landes passiert, 50% von ihnen haben sogar keinen Pass oder waren nie im Ausland. Wenn sich Amerika nicht bald bemüht kulturell aufzuholen und das Allgemeinwissen zu verbessern, dann schaden sie sich selber am meisten.

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  • Eduard J. Belser am 02.04.2011 07:50 Report Diesen Beitrag melden

    Meine Theorie

    Meine Theorie: Der extensive Konsum von überfettetem "Schnellfressfutter", heruntergespült mit phosphorsäurehaltige Cola-Getränken führt zu hirnschädigenden Abbauprodukten. Fazit: Wollen wir Europäer unseren geistigen Vorsprung behalten, müssen wir uns an die traditionelle europäische Küche halten. Diese macht auch kulinarisch viel mehr Spass!

Die neusten Leser-Kommentare

  • Ursus am 02.04.2011 19:19 Report Diesen Beitrag melden

    How knows

    Da ich mich sehr oft in Amerika aufhalte, faellt mir immerwieder auf wie sehr die Unions am druecker sind. Auch haben die Amerikaner oft gestaunt, wenn ich wusste, zb. Welcher Staat welche Hauptstadt hat etc. Aber das sie duemmer seien als wir oder wer anderes kann ich nicht bestätigen. denn dumm sind wir alle an A bis Z. kein Tier baut sich seine eigene Falle außer das Tier Mensch....... Nö more comment ;))))

    • ich halt am 10.06.2011 13:24 Report Diesen Beitrag melden

      wieso

      ok aber wieso how knows?

    • Junger Mensch am 21.04.2013 19:20 Report Diesen Beitrag melden

      Oder?

      Sollte es nicht "Who knows" heissen?

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  • Eduard J. Belser am 02.04.2011 07:50 Report Diesen Beitrag melden

    Meine Theorie

    Meine Theorie: Der extensive Konsum von überfettetem "Schnellfressfutter", heruntergespült mit phosphorsäurehaltige Cola-Getränken führt zu hirnschädigenden Abbauprodukten. Fazit: Wollen wir Europäer unseren geistigen Vorsprung behalten, müssen wir uns an die traditionelle europäische Küche halten. Diese macht auch kulinarisch viel mehr Spass!

  • Deep am 01.04.2011 11:04 Report Diesen Beitrag melden

    DeepBlue II

    Habe jetzt ca. 20min lang die Kommentare analysiert. Von Amerika-bashing kann hier nicht die Rede sein, im Gegenteil, jeder scheint hier bemüht, die eigene (schweizerische) Unbedarftheit herauszustreichen, wir wären keinen Deut besser, so der Tenor. Einzig die Leute, die entweder dort leben (oder lebten), oder zur Ausbildung da waren, bestätigen Teile des Artikels. Also aus eigener Erfahrung. Ironie der Geschichte: wir Schweizer sind wohl Weltmeister im 'sich-selber-ans-Bein-pinkeln' , und das scheint mir doch eine eher weniger intelligente Tätigkeit...

    • German the German am 16.03.2018 17:48 Report Diesen Beitrag melden

      Nanu...

      Und ich dachte immer, wir Deutschen wären das.

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  • anonymer Nörgler am 01.04.2011 09:26 Report Diesen Beitrag melden

    Internet altert schneller

    Dear 20min Schade, dass das plakative Video bereits 4 Jahre alt ist...

    • Marianne am 03.04.2011 19:59 Report Diesen Beitrag melden

      tatsache

      Glaube kaum dass sich etwas in den letzten vier Jahren geändert hat. Tatsache ist, die sind wirklich so blöd.

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  • claire grube am 01.04.2011 09:18 Report Diesen Beitrag melden

    ? !dumm dumm!!!

    so dumm wie die amis sind höchstens noch wir.