Historischer Umbruch

10. Februar 2020 04:24; Akt: 10.02.2020 09:08 Print

Sinn Fein feiert ersten Erfolg in Irland

Der frühere politische Arm der IRA liegt mit den Konservativen gleichauf. Die Regierungschefin wird die linke Partei aber wohl nicht stellen.

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Freude bei Sinn-Fein-Präsidentin Mary Lou McDonald. (8. Februar 2020) (Bild: Keystone/Peter Morrison)

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Die Auszählung der Stimmen begann erst am Sonntagvormittag, doch schon da war klar: So eine Wahl hat Irland noch nicht erlebt. Auch wenn Sonntagnacht noch kein amtliches Endergebnis vorlag, versprechen die Nachwahlbefragungen und Prognosen nicht weniger als eine Zäsur in der irischen Politik. Erstmals lag die linksgerichtete Sinn Fein so gut wie gleichauf mit den beiden etablierten konservativen Parteien Fine Gael und Fianna Fail. Alle drei erhielten gemäss Umfragen etwa 22 Prozent der Stimmen. Der Parlamentswahl am Samstag dürfte nun eine äusserst schwierige Regierungsbildung folgen.

Der Erfolg von Sinn Fein, die einst als politischer Arm der Untergrundorganisation IRA galt, hatte sich in der vergangenen Woche abgezeichnet. In Umfragen lag sie sogar ganz vorn. Sinn Fein setzte im Wahlkampf vor allem sozialpolitische Themen, um sich von den beiden bürgerlichen Parteien zu unterscheiden. Sinn Fein versprach den Bau von mehr Wohnungen, eine bessere Gesundheitsversorgung und die Rente mit 65 statt wie geplant mit 68. Hinzu kam die Forderung einer sogenannten Border Poll: In den kommenden fünf Jahren sollen die Iren über die Wiedervereinigung des britischen Nordirland mit der Republik Irland abstimmen.

Machtbalance ist vorbei

Bei der letzten Wahl im Jahr 2016 erhielt Sinn Fein nur knapp 14 Prozent der Stimmen. Fine Gael lag damals mit 25 Prozent auf Platz eins, gefolgt von Fianna Fail mit 24 Prozent. Doch mit der Machtbalance der beiden ist es nun vorbei. Seit Mary Lou McDonald den Vorsitz von Sinn Fein vor zwei Jahren übernahm, ging es mit ihr aufwärts. McDonald gelang es, der Partei ein neues Image zu geben. Vor allem bei jungen Iren wird Sinn Fein nicht mehr mit dem Terrorismus der IRA in Verbindung gebracht. Gemäss den Nachwahlumfragen lag die Partei in der Wählergruppe der 18- bis 24-Jährigen mit fast 32 Prozent der Stimmen auf Platz eins. Fine Gael und Fianna Fail erreichten jeweils nur die Hälfte.

Trotz dieses Erfolgs dürfte Sinn Fein nicht die nächste Regierungschefin Irlands stellen. Die Partei hat dafür einfach zu wenige Kandidaten in den Wahlkreisen aufgestellt. Während Fine Gael und Fianna Fail jeweils über 80 potenzielle Abgeordnete nominierten, waren es bei Sinn Fein lediglich 42. Im Dail, dem irischen Parlament, sind 160 Sitze zu vergeben. Offenbar hatte Sinn Fein mit dem eigenen Erfolg nicht gerechnet, als sie im Januar ihre Kandidaten aufstellte.

Wie es aussieht, steht in Dublin nun eine langwierige Regierungsbildung bevor. Sowohl Fine Gael, die Partei von Premierminister Leo Varadkar, als auch Fianna Fail haben eine Koalition mit Sinn Fein ausgeschlossen. Beide lehnen ein Referendum über die Vereinigung Irlands ab. Während Varadkar einen Pakt mit Fianna Fail nicht ausgeschlossen hat, ist deren Vorsitzender Micheal Martin bislang dagegen. Beide konservativen Parteien können einander nicht leiden, seit sie sich im Bürgerkriegvor gut hundert Jahren einen blutigen Kampf lieferten. Von 1932 an stellte immer eine der beiden Parteien den Taoiseach, wie der Premierminister in Irland genannt wird.

Mit Brexit-Bonus gerechnet

Möglich wäre daher eine erneute Minderheitsregierung. Bislang unterstützte Fianna Fail den noch amtierenden Premier Varadkar mit einem sogenannten Vertrauensabkommen. Als der Taoiseach die Neuwahlen im Januar ausrief, hatte er eigentlich mit einem Brexit-Bonus gerechnet. Schliesslich gelang es Varadkar im Gespräch mit dem britischen Premierminister Boris Johnson, die umstrittene Irland-Frage zu klären. Dank seines Verhandlungsgeschicks gibt es nun keine harte Grenze zwischen Irland und Nordirland. Obwohl dies nun so im Austrittsabkommen verankert ist, spielte es bei der Wahl so gut wie keine Rolle. Nur ein Prozent der Wähler gab bei einer Nachwahlbefragung an, dass der Brexit ihre Entscheidung beeinflusst habe, berichtete das irische Radio. Den Wählern seien die Themen Gesundheit, Wohnen und Rente am wichtigsten gewesen – im Grunde all das, womit Sinn Fein für sich geworben hatte.

Bei den kleineren Parteien konnten die Grünen ihr Ergebnis gemäss Nachwahlumfragen auf fast 8 Prozent mehr als verdoppeln. Die Labour-Partei verlor etwa einen Prozentpunkt und landete bei nur noch knapp 5 Prozent

(chk/sda)

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Ismet am 10.02.2020 12:35 Report Diesen Beitrag melden

    Schon krass

    wie viele hier nicht einmal die Republik Irland von Nordirland unterscheiden können.

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  • M.G. am 09.02.2020 11:19 Report Diesen Beitrag melden

    Mehrheitsverhältnisse in Nordirland

    Wenn Sinn Fein die Boykotthaltung aufgibt und ihre Sitze im nordirischen Parlament einnimmt hätten die republikanisch orientierten Abgeordneten die Mehrheit. Wenn also Sinn Fein ihren Wahlerfolg in der Republik Irland nutzt und die Parteifreunde in Nordirland dazu auffordert ihre Sitze im Parlament einzunehmen ist Nordirland nicht mehr lange Teil von GB.

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  • Teefix am 10.02.2020 10:10 Report Diesen Beitrag melden

    Nur 1 Tröpfchen Milch bitte

    Viel Glück euch Iren, vereinigt euch doch zu einem Land und schickt die Briten nach Hause auf ihre Inseln, wo sie hingehören. Irland - den Iren!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Pesche FR am 10.02.2020 23:48 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Mc Donalds

    sieht so aus als ob jemand oft dort gegessen hat.

  • kleiner Schweizer ;) am 10.02.2020 19:51 Report Diesen Beitrag melden

    Schon der erste Schritt zur Vereinigung?

    Na wenn das schon der erste Schritt zur Vereinigung ( Wiedervereinigung ) der beiden Länder auf der Insel Irland war, dann gratuliere ich von Herzen. Und dann müssen nur noch Gibraltar an Spanien, Jersey & Guernsey an Frankreich und die Falklandinseln an Argentinien zurück gegeben werden, Schottland & Wales sich von UK trennen und das kleine England bleibt übrig. :)) ...achso ja und Dütschland wird dann zum: "Grossen Kanton" und die Welt ist endlich in Ordnung! ;)

    • grosser Schweizer ;) am 10.02.2020 20:00 Report Diesen Beitrag melden

      @kleiner Schweizer

      Zitat: " Dütschland wird dann zum: Grossen Kanton" Aber die Dütschen machen dann die ganze Arbeit für uns und wir Schweizer machen 365 Tage in Jahr Ferien!!! :))

    • Badener am 10.02.2020 22:52 Report Diesen Beitrag melden

      Hallo,

      Ihr habt abgestimmt!Ihr wolltet ja nicht mal mehr Ferien ,oder lieg ich da Falsch?

    • kleiner Frechdachs :)) am 11.02.2020 08:06 Report Diesen Beitrag melden

      @Badener

      ...ach herjeh, ein "Badenzer = Gelbfüßler" hat hier mal wieder nix verstanden. Der hat einfach zu wenig Humor! :P

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  • R.Crusoe am 10.02.2020 19:03 Report Diesen Beitrag melden

    Ist ja Irre

    Die persönlichen "Kloppereien" untereinander werden immer wichtiger als die Themen um die es geht hier eigentlich in den sozialen Medien. Die Teilung Irlands ist eine irische die den Bürgerkrieg von 1920-1922 besiegelt hat. Nun ist die Republik Irland die EU Aussengrenze.

    • Berti am 10.02.2020 19:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @R.Crusoe

      Die Republik Irland war schon immer eine EU-Aussengrenze seit dem Beitritt.

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  • Rechtswähler am 10.02.2020 16:24 Report Diesen Beitrag melden

    Wette

    In Deutschland wird die AfD auch noch Siegen der Tag kommt!!!

    • Corinna am 10.02.2020 18:13 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Rechtswähler

      Zum Glück gibt es noch genügend Intelligenz in Deutschland die das verhindert. Der geistige Bodensatz scheint ja hier bei uns in der Schweiz zu sein.

    • Linksaussen am 10.02.2020 19:17 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Corinna

      ... was die Kommentare bei 20 Minuten beweisen.

    • Rechtswähler am 10.02.2020 19:20 Report Diesen Beitrag melden

      Nöd besser

      Ein Geistiger extremer linker Bodensatz gibt es hier auch im Netz und in der CH

    • Corinna am 10.02.2020 19:56 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Rechtswähler

      Du wirst wahrscheinlich nicht mal einen Linken erkennen wenn du drüber stolperst.

    • Rechtswähler am 10.02.2020 20:05 Report Diesen Beitrag melden

      nicht schwer zuerkennen

      Ich erkenne eine/n Linken sofort muss nichtmal darüber stolper...

    • Bernd Meier am 10.02.2020 20:15 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Rechtswähler

      Das bezweifel ich stark. Bei euch ist man ja schon ein Linker wenn man sich in Irland auf der richtigen Strassenseite bewegt.

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  • Grisu am 10.02.2020 15:48 Report Diesen Beitrag melden

    Mir wird übel!!!

    Linksterroristen an der Macht!!! Naja, ist bei uns nicht viel anders!!!

    • üri am 10.02.2020 16:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Grisu

      so blöd

    • Wolf am 10.02.2020 19:35 Report Diesen Beitrag melden

      No viel meh

      Recht hesch!!!

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