Überwachungskameras

06. November 2013 17:47; Akt: 06.11.2013 17:47 Print

Smog lässt Big Brother in China erblinden

Wenn in China dichter Smog die Städte einhüllt, versagen auch die besten Überwachungskameras. Peking fürchtet um die Sicherheit - und treibt die Entwicklung von Smog-Kameras voran.

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Dichter Smog in der Stadt Xingtai am 3. November 2013. (Bild: Reuters/China Daily)

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Der Smog, der chinesische Städte in regelmässigen Abständen heimsucht, ist nicht nur ein Gesundheitsrisiko. Für die Regierung entwickelt sich die graue Suppe zu einer ernsten Bedrohung der nationalen Sicherheit: Wenn die Sichtweite wie im Oktober stellenweise auf weniger als drei Meter sinkt, werden Überwachungskameras unbrauchbar.

Peking fürchtet, dass Kriminelle künftig genau an solchen Tagen zuschlagen könnten. Wie real die Terrorgefahr in China ist, zeigen der Anschlag am Tiananmen-Platz in Peking vergangene Woche, sowie die Explosion vor der Zentrale der Kommunistischen Partei in der Stadt Taiyuan heute.

Smog ist nicht wie Nebel

Infrarot-Technologie schafft bis zu einem gewissen Grad Abhilfe – dem chinesischen Smog ist damit aber nicht beizukommen. «Nach unserer Erfahrung versagen selbst die besten Kameras, wenn die Sichtweite auf unter drei Meter sinkt», zitiert die «South China Morning Post» einen Experten.

Peking hat das Problem erkannt und Wissenschaftler mit der Entwicklung von neuartigen Kameras beauftragt. Etwa Professorin Yang Aiping - die Digitalbild-Expertin der Universität Tianjin spricht von enormen technischen Herausforderungen: «Ein Grossteil der Forschung aus dem Ausland beschäftigt sich mit Nebel. Die meisten Leute in China denken, dass mit Smog ähnlich verfahren werden kann. Unsere bisherigen Erkenntnisse legen hingegen nahe, dass sich die optischen Eigenschaften von Smog-Partikeln stark von den Wassertröpfchen im Nebel unterscheiden», sagte sie.

Radar funktioniert, schafft aber Probleme

Ein möglicher Ansatz wäre Radar. Mikrowellen oder elektromagnetische Wellen könnten Smog leicht durchdringen und ein Signal zurücksenden, wenn sie auf ein Objekt stossen. Entsprechende Software könnte daraus scharfe Bilder machen. Allerdings würde eine solche Radarkamera auch gesundheitsschädliche Strahlung aussenden. «Es wäre eine Notfall-Technologie, die nur bei starkem Smog und an besonders heiklen Stellen eingesetzt würde», sagt Professor Zhang Li, ein Bildverarbeitungs-Experte der Universität Tsinghua.

Wie ernst die Führung in Peking das Thema nimmt, zeigt der Umstand, dass sie gleichzeitig zwei Teams auf die Entwicklung der Smog-Kameras angesetzt hat, eines zivil und eines militärisch. Realisierungszeitraum: vier Jahre.

(kri)