Sanktionen gegen den Iran

04. November 2018 15:02; Akt: 04.11.2018 15:03 Print

USA setzen europäische Firmen unter Druck

Am Montagmorgen treten Amerikas Sanktionen gegen den Iran in Kraft. Auch europäische Unternehmen müssen über ihren Verbleib im persischen Staat entscheiden.

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Zehntausende Iraner haben am Sonntag landesweit bei staatlich organisierten Kundgebungen gegen die USA demonstriert.
In Teheran kamen die Demonstranten am Sonntag vor dem Gebäude der früheren US-Botschaft zusammen. Die Teilnehmer riefen Slogans gegen die drei iranischen Erzfeinde USA, Israel und Saudi-Arabien, die im Land auch als «teuflisches Dreieck» bezeichnet werden. Die USA wollen den Iran von Montag an mit den schwersten Wirtschaftssanktionen in der Geschichte treffen.

Im August hatten die USA eine erste Runde von Sanktionen gegen den Iran verhängt. Betroffen waren der Handel mit Edelmetallen, der Erwerb von Dollars und die Einfuhr von Flugzeugteilen. Am Montag greift die zweite Runde, bei der es um den Öl- und Bankensektor geht. Donald Trump hatte zuvor das Atomabkommen mit dem Iran aufgekündigt – weil sich das Land am persischen Golf seiner Meinung nach weiterhin mit der Entwicklung von Nuklearwaffen beschäftigt hatte.

Mit den neuen Sanktionen gegen den Iran, die am Montagmorgen in Kraft treten, setzen die USA auch vielen europäischen Grossunternehmen die Pistole auf die Brust: Wenn sie weiter mit dem Iran Geschäfte machen, verlieren sie ihren Zugang zu den US-Märkten. Wer zieht sich aus dem Iran zurück, wer geht das Risiko ein?

Automobilbranche

Bereits der erste Teil der Sanktionen vom August hatte die europäischen Fahrzeughersteller hart getroffen. Daimler trat den Rückzug an und erklärte, seine Geschäfte im Iran «bis auf weiteres» komplett einzustellen. Daimler hatte 2016 nach dem Ende der Sanktionen angekündigt, im Iran Lkw verkaufen zu wollen. Volkswagen bestätigte einen möglichen Rückzug bislang nicht. Die französischen Hersteller Renault und PSA produzieren knapp die Hälfte aller neu zugelassenen Autos im Iran. Sie reagierten unterschiedlich auf die Sanktionen der USA: Renault will – in reduziertem Umfang – weitermachen; PSA steigt aus.

Luftfahrt

Nach 2015 wurden die grössten Verträge zwischen europäischen Firmen und dem Iran im Bereich Luftfahrt geschlossen. Allein Airbus erhielt Aufträge für hundert Flugzeuge. Ein Verlust des iranischen Markts dürfte für das Unternehmen angesichts von weltweit mehr als 7000 bestellten Flugzeugen jedoch zu verschmerzen sein. Noch vor dem Greifen der neuen Sanktionen lieferte der französisch-italienische Hersteller ATR im August fünf neue Flugzeuge aus.

Energie

Ab Montag belegen die USA den Import von Energie und Öl aus dem Iran mit Sanktionen. Bereits im August hatte der französische Konzern Total seinen Ausstieg angekündigt. Seit 2015 hatte Total bis zu 100 Millionen Dollar in die Ausbeutung von Gasvorkommen im Iran gesteckt. Auch Siemens hat bereits seine Geschäfte im Iran eingestellt. Der italienische Ölriese Eni dagegen trat bislang nicht von einem Vertrag über den monatlichen Kauf von zwei Millionen Barrel iranischen Öls zurück.

Eisenbahn- und Schiffbau

Die italienische staatliche Bahngesellschaft Ferrovie dello Stato hatte erst im Juli 2017 einen Vertrag über den Bau einer Hochgeschwindigkeits-Verbindung zwischen den nordiranischen Städten Kom und Arak abgeschlossen. Mehrere Verträge bestehen zudem zwischen dem italienischen Schiffbaukonzern Fincantieri und dem Iran. Überhaupt dürften die US-Massnahmen insgesamt Italien am stärksten treffen: Das Land ist mit einem Exportvolumen von 1,7 Milliarden Euro im Jahr 2017 der wichtigste europäische Handelspartner des Iran.

Pharmabranche

Der Handel mit Medikamenten fällt zwar nicht direkt unter die US-Sanktionen. Allerdings dürfte es für die Hersteller wegen der Massnahmen Washingtons gegen die iranische Bankenbranche schwierig werden, Zahlungen für ihren Lieferungen zu erhalten. Der französische Pharmariese Sanofi will dennoch seine Geschäfte im Iran fortsetzen.

Bankenwesen

Europäische Banken, die ab Montag an Transaktionen iranischer Banken beteiligt sind, sollen den Zugang zu den US-Märkten verlieren. Die meisten Geldinstitute kündigten deshalb rasch ihren Rückzug an.

Tourismus

Auch diesem Bereich sind die meisten Auswirkungen vor allem indirekt zu spüren, durch die Beschränkungen im Zahlungsverkehr. Die Fluggesellschaften British Airways und Air France stellten im September ihre Flüge in den Iran ein. Lufthansa und Alitalia dagegen wollen weiter die Hauptstadt Teheran anfliegen.

(mat/afp)