«Warum nicht einsetzen?»

09. August 2016 17:16; Akt: 09.08.2016 17:19 Print

So würde Trump die A-Bombe zünden

Mit unbedachten Aussagen über Amerikas Nuklearwaffen verbreitet Donald Trump Schrecken. Doch wie läuft das ab, wenn ein US-Präsident an die Codes einer Atombombe kommen will?

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Er könnte die Macht über die amerikanischen Atomwaffen erhalten - und das ängstigt viele Menschen in den USA, auch Republikaner. Der Horror eines Nuklearschlags wurde im Zweiten Weltkrieg offenbar, als die USA in Hiroshima und Nagasaki zwei Bomben über Japan abwarfen. Bild: Am 1. November 1952 zündeten die USA auf einem Atoll der Marshall-Inseln im Pazifik die erste Wasserstoffbombe. Der von einem Militärassistenten getragene Koffer mit den Codes und Kommunikationsgeräten zum Zünden von Atomsprengköpfen ist immer in der Nähe des US-Präsidenten. Auch am 6. August 2016, als Barack Obama das Weisse Haus Richtung Sommerferien verlässt. Ein US-Präsident gebietet über 925 aktive Nuklearsprengköpfe mit der Zerstörungsgewalt von über 17'000 Hiroshima-Bomben. Einige sind auf Langstreckenraketen wie die Minuteman im Silo in South Dakota am 23. März 2015, ... ... andere sind auf Flugkörpern in nuklear getriebenen U-Booten wie dem USS Michigan in Bangor, Washington, am 14. November 2002 ... ... und weitere Nuklearsprengköpfe können von den strategischen Bombern der US Air Force abgeworfen werden. Im Parallelflug von oben: B-52, B-1, B-2. Dass Donald Trump gut beraten ist, bezweifelte in TV-Interviews Michael Hayden, ein früherer Chef der Geheimdienste CIA und NSA. An der riesigen Macht von US-Präsidenten über Nuklearwaffen rüttelte bisher kaum jemand. Verteidigungsminister Melvin Laird (links) führte 1969 anfänglich einen Befehl von Richard Nixon (rechts) nicht aus, der die Atomkräfte mobilisieren wollte. Und der spätere Verteidigungsminister James Schlesinger wollte 1974, dass Nuklearbefehle Nixons (links) zuerst ihm oder Sicherheitsberater Henry Kissinger (rechts) vorgelegt werden.

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Einen roten Knopf, mit dem der US-Präsident die Welt in Schutt und Asche legen könnte, gibt es nicht. Aber sonst stimmt alles, was man über die beinahe unvorstellbare Macht eines amerikanischen Oberbefehlshabers weiss: Er – oder sie – allein bestimmt darüber, ob die Supermacht einen nuklearen Sprengkopf zündet.

Die unheimliche Bündelung militärischer Macht auf eine Person wurde vergangene Woche ein Thema, als der republikanische Präsidentschaftsbewerber Donald Trump mit unbedachten Äusserungen darauf aufmerksam machte. Der MSNBC-Moderator Joe Scarborough enthüllte, dass Trump in einem Briefing über Atombomben dreimal die Frage gestellt habe: «Wenn wir die Waffen besitzen, warum können wir sie dann nicht einsetzen?»

Militärassistent mit 18-Kilo-Tasche

Dann schockierte der frühere Chef der Geheimdienste NSA und CIA, Michael Hayden, mit einer Auskunft über die Quelle von Trumps Kenntnissen über nukleare Waffen: «Niemand berät ihn.»

Mit seinen Aussagen weckte Trump auch in der eigenen Partei Zweifel. Kann ihm im Fall einer Wahl überhaupt je die Macht über Nuklearwaffen in die Hand gegeben werden? Der US-Präsident ist nämlich in der Befehlskette der einzige, der ihren Einsatz anordnen kann. Zu diesem Zweck begleitet ihn immer ein Militärassistent mit einer 18 Kilo schweren Tasche. Der mit Leder ummantelte Koffer der Marke Zero Halliburton enthält alles, was es für den Weltuntergang braucht.

Koffer mit den Codes

Wie «Die Welt», CNN und die «New York Times» ausführen, sind in dem auch «Nuclear Football» genannten Koffer Kriegspläne, eine Liste mit Notbunkern, eine Art Laptop und Kommunikationsgeräte samt Antenne. Der wichtigste Inhalt ist ein 7,5 mal 12,5 Zentimeter grosser Karton mit den Codes, die es zur Zündung von Atombomben braucht. Die US-Streitkräfte verfügen derzeit über 925 aktive Nuklearsprengköpfe mit einer Zerstörungsgewalt von mehr als 17'000 Hiroshima-Bomben.

Ein Präsident soll schnell und ohne mögliches Veto des Verteidigungsministers über ihre Verwendung entscheiden können, weil im Fall eines Nuklearangriffs sehr wenig Zeit bleibt. Aus U-Booten abgefeuerte Nuklearraketen erreichen Washington in zwölf Minuten, Interkontinentalraketen brauchen 30 Minuten und Bomber einige Stunden.

Nixon ausgebremst

In der Geschichte wurde die nukleare Entscheidungsgewalt eines US-Oberbefehlshabers erst zweimal limitiert. 1969 weigerte sich Verteidigungsminister Melvin Laird anfänglich, einen Befehl von Präsident Richard Nixon auszuführen und die Atomkräfte in höchste Alarmbereitschaft zu versetzen. Fünf Jahre später sprach Nixon so sehr der Flasche zu, dass der neue Verteidigungsminister James Schlesinger an seiner Vernunft zu zweifeln begann. Er wies das Militär an, allfällige Nuklearbefehle erst ihm oder Sicherheitsberater Henry Kissinger vorzulegen.

Trump beunruhigt die Gemüter, weil er den möglichen Einsatz von US-Atomwaffen offenbar als Pfand in Verhandlungen einsetzen will. Er weigert sich, einen Ersteinsatz von Nuklearwaffen auszuschliessen. Auf die Frage, ob er im Fall eines Angriffs durch die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) Nuklearwaffen verwenden würde, sagte Trump im März: «Ich würde nie irgendwelche Karten vom Tisch nehmen.»

Nicht darüber reden

Unberechenbarkeit, auch im Nukleareinsatz, ist aber nicht nur Trumps Strategie. Offiziell hat bisher kein US-Präsident pauschal die Erstanwendung von Atomwaffen ausgeschlossen. Die entscheidende Frage scheint zu sein, wie offen darüber gesprochen werden darf.

(sut)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Peter am 09.08.2016 17:47 Report Diesen Beitrag melden

    Ist das die Spitze der USA ??

    Clinton oder Trump. Ist das wirklich das Beste was diese Supermacht zu bieten hat ?? Die Amis müssen dringend ihr Selektionsprozedere überdenken. Wenn nur noch ungeeignete oder im schlimmsten Fall geistig debile Säufer als Präsident in Frage kommen, dann tut es mir leid um die Welt. Die Schweiz nimmt auch nicht die Fähigsten aber wenigstens halbwegs vernünftige.

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  • CatCat am 09.08.2016 17:32 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Tödliche Wolke

    Hunde die bellen, beissen nicht (unmittelbar). Da gäbe es einige andere Machthaber, vor denen man sich fürchten sollte. Gibt auch solche, die keine Machthaber sind und sobald sie zu einer Atombombe kommen würden, würden auch die abdrücken ohne WENN und ABER!

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  • Röschtifresser am 09.08.2016 17:29 Report Diesen Beitrag melden

    Code lesen und eintippen

    Können bedeutet nicht zwingend, dazu fähig zu sein.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Waterpolo1s am 16.08.2016 09:20 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Trump-el bye bye

    Was für ein Trump-el!!!!!!! Schrecklich ...

  • P. Fenchel am 10.08.2016 06:29 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    traurig

    Ein Präsident für ein Land zu wählen das militärisch rein theoretisch in der Lage wäre die ganze Welt in Schach zu halten, sollte in einem ganz anderen Verfahren stattfinden. Zuerst ein Vorverfahren mit Kandidaten die psychisch, physisch und mental in der Lage sind. Zudem sollten Sozialkompetenz, emotionale Intelligenz, Führungsstärke, Fachkompetenzen, psychische Stabilität usw... geprüft werden und dann eine Abstimmung statt finden. Es ist absolut verantwortungslos, dass es rein theoretisch möglich ist dass völlig ungeeignete Kandidaten an die Macht kommen.

  • Radix am 10.08.2016 04:00 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Der, zusammen

    mit dem Erdi und dem Kim Kong wären ein echtes Trio infernale. Sähe da schon wieder Chancen für ein Reevolution mit Lebewesen die aus dem Meer an Land kriechen, Dinosauriern, Gletscherlandschaften und dergleichen.

    • Gebr. Wright am 30.12.2016 15:42 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Radix

      Warum vergleicht man den Erdogan andauernd mit solchen Pfosten wie Trump oder Un !? Ist es weil er die Islamische Welt vereinen könnte??

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  • Ben am 09.08.2016 23:08 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Europäer haben wenig Ahnung

    Welche Hetzjagd. Die USA haben bereits 2 Bomben auf Menschen geschmissen. Zahlreiche Kriege angezettelt. Doch Trump ist intelligent genug, dies nicht zu tun. Gehört eben zum Wahlkampf.

    • BarbaraLa am 10.08.2016 07:42 Report Diesen Beitrag melden

      @Ben

      Sry, aber wieviele Kriege hat unser Nachbarland angezettelt? 2 oder werden es bald 3 sein? Immer schön langsam, lieber Ben.

    • Nordmann am 10.08.2016 14:58 Report Diesen Beitrag melden

      @BarbaraLa

      Welches Nachbarland meinen Sie? Den bekanntesten Österreicher kennen wir ja alle...

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  • Doc Cottle am 09.08.2016 21:46 Report Diesen Beitrag melden

    Trump oder Clinton

    USA: Eine traurige Auswahl bei 350 Millionen Bürger.

    • Peter von Schwarz am 09.08.2016 22:08 Report Diesen Beitrag melden

      Niein, so sehe ich das nicht.

      Es geht um einen Millionär, oder gegen die CIA (Das America!). So einfach, wäre die Erklärung.

    • ?.? am 10.08.2016 01:01 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Peter von Schwarz

      Wenn Trump das sehen würde, würde er sie verklagen, weil sie ihn einen Millionär genannt haben statt einen Milliadär so wichtig ist ihm das Geld ;)

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