Tod eines Agenten

26. März 2013 15:10; Akt: 26.03.2013 15:25 Print

So wurde Ben Zygier zum «Gefangenen X»

Ben Zygier, Australier im Dienst des Mossad, starb 2010 einsam in seiner Zelle in Israel. Zum Verhängnis wurde ihm ein verbotener Handel mit dem libanesischen Geheimdienst.

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«Sicher haben schon mehrere israelischen Agenten die Seite gewechselt, aber niemand beim Mossad hat je getan, was Zygier getan hat». Mit diesen Worten beschreibt ein israelischer Offizieller die Tragweite des Skandals um den australisch-israelischen Doppelbürger und Mossad-Agenten Ben Zygier, auch bekannt unter dem Namen «Gefangener X». Der «Sydney Morning Herald» hat den Fall Zygier neu aufgerollt.

Es ist die Geschichte eines Mannes, der auszog, um für seine Ideale zu kämpfen und dabei Ruhm und Ehre zu erlangen. Und es ist die Geschichte eines Mannes, der daran scheiterte. Zygier wuchs behütet in einem Vorort in Melbourne als Sohn eines jüdischen Geschäftsmannes auf. Schon früh engagierte er sich in der jüdischen Gemeinde, ging auf jüdische Schulen und machte nach seinem Uni-Abschluss Aliyah – die Einwanderung nach Israel.

Gescheiterte Aktion

Schon bei seiner Einreise hatte er vor, sich dem israelischen Geheimdienst Mossad anzuschliessen. Doch die Aufnahmebedingungen waren hart und langwierig. Also nahm er einen Job bei einer Anwaltskanzlei in Tel Aviv an und wartete auf eine Zusage des Geheimdienstes. Als diese Ende 2003 kam, war er am Ziel. 2005 erfolgte die definitive Aufnahme.

Nachdem Zygier einige Jahre im Dienst des Mossad gestanden und seine ersten Missionen erfüllt hatte, zog ihn die Geheimdienstzentrale in den Innendienst zurück. Er hatte nicht den gewünschten Ertrag eingebracht. Zygier war enttäuscht über seine Rückversetzung und beging einen folgenschweren Fehler, der nicht unbemerkt blieb.

Im Jahr 2008 flog Zygier nach Osteuropa, um einen mutmasslichen Hisbollah-Agenten zu treffen und ihn zum Doppelagenten zu machen. Doch Zygier war der Situation nicht gewachsen. Der Hisbollah-Agent drehte den Spiess um und entlockte Zygier seinerseits vertrauliche Informationen. Er wollte Beweise dafür, dass Zygier wirklich für den Mossad arbeitete. Daraufhin habe Zygier diverse Namen von Mossad-Agenten bei der Hisbollah preisgegeben.

Auf der Liste stand der Name Ben Zygier

Am 16. Mai 2009 stürmten Einheiten des libanesischen Geheimdienstes in den frühen Morgenstunden das Haus des 61-jährigen Hisbollah-Mitglieds Ziad al-Homsi in der Stadt Saadnayel. Homsi, der Bürgermeister der Stadt, stand auf der Lohnliste des Mossad. Die Libanesen führten in diesem Frühling eine Reihe von Aktionen durch, die zur Verhaftung von israelischen Agenten führten.

Für den Mossad war dies nicht nur der grösste Rückschlag seit seiner Gründung, sondern auch ein Imageverlust sondergleichen. Bald wurde klar, dass ein Verräter in den eigenen Reihen die Agenten verpfiffen hatte.

Ben Zygier hielt sich zu diesem Zeitpunkt in seiner australischen Heimat Melbourne auf, wo er unter falschem Namen Management an der Universität studierte. Im Oktober erhielt die australische Nachrichtenagentur Fairfax Media einen Tipp, wonach australische Staatsbürger für den Mossad aktiv wären. Auf der Liste stand auch der Name Ben Zygier. Im Januar 2010 wurde Zygier deswegen nach Israel zurückgerufen. Man fürchtete um seine Sicherheit. Ein Verdacht, er sei der gesuchte Verräter, bestand noch nicht.

Trauriges Ende

Dieser entstand erst, als Zygier wieder in Israel war. Dort fiel er wegen seines verdächtigen Verhaltens auf. Seine Kollegen wurden misstrauisch und nahmen ihn unter die Lupe. Am 29. Januar wurde Zygier von der Geheimpolizei Shin Bet verhaftet. Dem Verhör hielt er nicht stand. Er gestand den Verrat und wurde ohne Verurteilung ins Gefängnis gesteckt.

An seiner Gefängnistüre stand kein Name, die Gefängniswärter nannten ihn nur den «Gefangenen X». Ben Zygier erhängte sich noch im Jahr 2010 in einem israelischen Hochsicherheitsgefängnis. Zuvor hatte er einen Handel mit den israelischen Behörden abgelehnt, wonach er 10 bis 20 Jahre in Haft hätte bleiben sollen.

(aeg)