Verbandelung?

14. Mai 2014 19:41; Akt: 15.05.2014 13:52 Print

Sohn von US-Vize berät ukrainischen Gaskonzern

Der grösste private Gasproduzent der Ukraine sucht womöglich amerikanische Protektion. In den Verwaltungsrat von Burisma zieht Hunter Biden ein, der Sohn des US-Vizepräsidenten.

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US-Präsident Barack Obama, Vizepräsident Joe Biden und dessen Sohn Hunter Biden vergnügen sich bei einem College-Basketballspiel in Washington. (Bild: Keystone/AP)

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Die Meldung vom Dienstag war ganz nach dem Geschmack jener, die in Politik und Wirtschaft bloss üble Machenschaften wittern. Burisma Holdings, der grösste nichtstaatliche Erdgasproduzent der Ukraine, nahm Hunter Biden als Rechtsberater in den Verwaltungsrat auf.

Nach einer Mitteilung auf der - kargen - Website des Unternehmens wird der jüngste Sohn des amerikanischen Vizepräsidenten Joe Biden die Rechtsabteilung übernehmen und «der Firma Unterstützung bei internationalen Organisationen sichern». Mit von der Partie ist auch Devon Archer, ein Geschäftspartner Bidens.

«Dem Volk der Ukraine helfen»

Der Vize-Filius erklärt per Communiqué, er wolle dem Unternehmen zu mehr Transparenz verhelfen, zu besserer Geschäftsführung und zu internationalem Wachstum. «Ich glaube, damit der Wirtschaft und dem Volk der Ukraine helfen zu können.»

Offiziell sieht das politische Washington in Bidens Anstellung kein Problem. Präsidentensprecher Jay Carney sagte am Dienstag, Hunter Biden und die anderen Mitglieder der Biden-Familie seien freie Bürger der USA. «Ihr berufliches Engagement geht die Regierung ebenso wenig an wie den Präsidenten oder seinen Stellvertreter.»

Mittendrin in Geld und Politik

Nur ist Hunter Biden kein blosser Privatmann ohne politische Verbindungen. Der 44-jährige Sohn des Vize ist Anwalt bei der politisch bestvernetzten Grosskanzlei Boies, Schiller & Flexner, die im berühmten Prozess um die Präsidentenwahlen von 2000 den Demokraten Al Gore gegen George W. Bush vertrat. Zudem ist Hunter Biden ein Partner des Investmenthauses Rosamond Seneca Partners, das seinerseits mit der Privatkapitalfirma Rosamond Capital verbunden ist. Rosamond Capital wurde gegründet von den ehemaligen College-Stubenkameraden Devon Archer und Christopher Heinz, dem Stiefsohn von US-Aussenminister John Kerry.

Der politischen Verbindungen nicht genug: Wie zerohedge.com zusammenfasst, sitzt Hunter Biden in verschiedenen gemeinnützigen Organisationen mit Verbindungen zur demokratischen Partei. Unter Präsident Bill Clinton diente er im Handelsministerium. Und 2008 war er der ein Ehrenvorsitzender des Amtseinsetzungskomitees für das Team Obama-Biden.

In Kiew wie in Washington

Der Sohn des Vizepräsidenten verkörpert damit jene unselige Verquickung von wirtschaftlichen und politischen Interessen, die auch die ukrainische Gasindustrie bestimmt. Nach einem Bericht des «Wall Street Journal» wird Burisma Holdings von Nikolaj Slotschewski kontrolliert, der in der Regierung des gestürzten Präsidenten Wiktor Janukowitsch als Energieminister amtete. In jener Zeit erwarb sich Burisma jene Förderlizenzen, die sie jetzt ausnutzen möchte.

Wie ist die Rolle Bidens in dem Gaskonzern zu werten? Nach einer Einschätzung der Website The Federalist wäre eine «unschuldige» Interpretation, dass Burisma amerikanische Investitionen sucht und davon ausgeht, dass Biden und der Investor Archer in dieser Hinsicht etwas bewegen können. Die verstörendste Erklärung wäre, dass das Unternehmen versuchen könnte, sich mit der US-Regierung gut zu stellen, indem sie die Dienste eines engen Familienfreunds des Aussenministers und den Sohn des Vizepräsidenten sichere.

Die Krise hilft dem Geschäft

Der Argwohn, dass sich Washington via Biden in die inneren Angelegenheiten der Ukraine einmischt, ist nicht einfach zu widerlegen. Immerhin ist Burisma personell stärker mit der ehemaligen Führung der Ukraine verquickt als mit der neuen, von Moskau nicht anerkannten Regierung in Kiew. Dennoch könnten die politischen Entwicklungen für Burisma eine wichtige Rolle spielen, schreibt das «Wall Street Journal»: «Das ukrainische Unternehmen verkauft Gas im Inland. Es wird davon profitieren, wenn die Erdgaspreise künftig steigen, weil Russland den Rabatt für die Ukraine abgeschafft hat.»

(sut)