Eskalation in Bahrain

16. März 2011 06:35; Akt: 16.03.2011 13:27 Print

Soldaten töten mehrere Demonstranten

Seit Wochen campierte die Opposition auf dem Perlenplatz in der Hauptstadt Bahrains. Jetzt hat die Polizei den Platz mit Panzern und Tränengas-Granaten gestürmt.

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Seit Wochen protestieren Regierungsgegner in Bahrain. Hohe schiitische Geistliche warnten jetzt vor einem «Massaker» an den Demonstranten. (Bild: Keystone)

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Die Sicherheitskräfte in Bahrain haben am Mittwoch den von Demonstranten besetzten Perlenplatz im Zentrum der Hauptstadt Manama mit Gewalt geräumt. Dabei sollen mehrere Menschen ums Leben gekommen sein.

Demonstranten sagten der Nachrichtenagentur AP, zwei Zivilisten seien bei der Räumung getötet worden. Das Staatsfernsehen berichtete zudem, zwei Polizisten seien ums Leben gekommen, nachdem sie von einem Fahrzeug angefahren worden seien.

Polizisten und Militäreinheiten rückten kurz nach Tagesanbruch mit Tränengas auf den von Hunderten Demonstranten besetzten Perlenplatz vor. Es waren auch Schüsse zu hören, schwarzer Rauch stieg auf. Helikopter kreisten über dem Geschehen.

1000 saudiarabische Soldaten im Einsatz

Unklar war, ob am Einsatz Soldaten aus anderen Golfstaaten beteiligt waren, die zur Unterstützung der sunnitischen Monarchie nach Bahrain entsandt worden waren.

Seit Montag halten sich rund 1000 saudiarabische Soldaten sowie 500 Polizisten aus den Vereinigten Arabischen Emiraten in Bahrain auf. Die schiitische Opposition, deren Anhänger den Grossteil der Demonstranten stellen, sieht in diesen Hilfstruppen eine «Besatzungsmacht»

Das Staatsfernsehen zeigte Aufnahmen von der Räumungsaktion, auf denen Militärfahrzeugen zu sehen waren, an denen die rot-weisse Fahne Bahrains wehte. Auf dem Video war auch der von Trümmern bedeckte Boden des Platzes zu sehen, auf dem unter anderem Satellitenschüsseln und verkohlte Zeltstangen lagen.

Polizei marschierte durch Tränengasschwaden

Die Bereitschaftspolizei sei zu Beginn der Räumungsaktion zu Fuss durch einen Nebel aus Tränengas auf den Platz gekommen, sagte der 32- jährige Demonstrant Hamid Suher, der die Nacht auf dem Perlenplatz verbracht hatte.

«Sie schossen mit Tränengas und eröffneten dann das Feuer», sagte er. «Wir hoben unsere Arme und fingen an, 'Friedlich, Friedlich' zu rufen. Dann mussten wir wegrennen. Es war so viel Tränengas und so viele Schüsse.» Die Demonstranten flohen in Seitenstrassen.

«Vernichtungskrieg» vorgeworfen

Angesichts der Härte, mit der die Sicherheitskräfte gegen die Demonstranten vorgingen, sprach die Opposition von einem «Vernichtungskrieg». «Das passiert noch nicht einmal im wirklichen Krieg und ist nicht akzeptabel», sagte ein hochrangiger Vertreter der schiitischen Opposition der Nachrichtenagentur Reuters. Er sprach von fünf Toten alleine am Mittwoch.

In etlichen schiitischen Dörfern gingen die Menschen aus Protest gegen das Vorgehen der Sicherheitskräfte am Morgen zum Gebet in die Moscheen. Einige Menschen zündeten Feuer an. Aus verschiedenen Orten in schiitischen Gebieten wurden Auseinandersetzungen mit Sicherheitskräften gemeldet.

Ende vergangenen Monats hatten die Sicherheitskräfte den Perlenplatz schon einmal geräumt. Nach tödlichen Auseinandersetzungen zwischen Demonstranten und Militäreinheiten wurde der Platz wieder besetzt.

Dreimonatiger Ausnahmezustand ausgerufen

Wegen der andauernden Proteste rief der König von Bahrain am Dienstag einen dreimonatigen Notstand aus. Das Militär wies er an, gegen die Unruhen vorzugehen. Bei Zusammenstössen kamen am Dienstag mindestens zwei Zivilisten ums Leben. Nach Behördenangaben wurde auch ein saudiarabischer Soldat getötet.

(sda/ap)