Berlin macht am 8. März frei

24. Januar 2019 20:31; Akt: 24.01.2019 20:31 Print

Soll Frauentag auch bei uns ein Feiertag werden?

In Berlin wurde es soeben beschlossen: Das deutsche Bundesland macht den internationalen Frauentag zum gesetzlichen Feiertag. Sollte die Schweiz nachziehen?

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In Berlin ist der alljährlich am 8. März begangene Frauentag ab sofort neuer gesetzlicher Feiertag. (Bild: Keystone/Fernando Bizerra jr.)

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In Berlin gibt es ab sofort zehn gesetzliche Feiertage: Das Berliner Abgeordnetenhaus stimmte heute nach zweiter Lesung mit 87 zu 60 Stimmen für den Gesetzentwurf der rot-rot-grünen Landesregierung.

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Soll der alljährlich am 8. März begangene Frauentag in der Schweiz ein gesetzlicher Feiertag werden?

Berlin ist das einzige deutsche Bundesland, das den Frauentag als Feiertag anerkennt. Im vergangenen Jahr hatten bereits mehrere andere Landesparlamente neue Feiertage eingeführt. Während die norddeutschen Bundesländer den Reformationstag zum Feiertag machten, setzte Thüringen auf den Weltkindertag.

«Ein Hohn»

Den neuen Feiertag finden nicht alle gut, selbst Frauen nicht. Frauen kämpften seit Jahrhunderten um Gleichberechtigung, weswegen der Feiertag «ein Hohn» sei, kommentiert Ulrike Bierit auf dem Berliner Portal «rbb24»: «Es muss sich was in den Köpfen ändern und zwar grundsätzlich – jeder Tag müsste Frauentag sein. Wenn Gleichberechtigung selbstverständlich ist, braucht es auch keinen eigenen Tag, um sie zu beschwören.»

Kritik gab es auch aus der Wirtschaft: «Den zusätzlichen Feiertag kann sich Berlin überhaupt nicht leisten», erklärte Christian Amsinck, Hauptgeschäftsführer der Unternehmensverbände Berlin-Brandenburg. Damit verzichte Berlin ohne Not auf 160 Millionen Euro Wirtschaftsleistung. Wer wie Berlin 4,4 Milliarden Euro aus dem Länderfinanzausgleich beziehe, solle lieber alles daran setzen, seine Wirtschaftskraft zu steigern, «um nicht länger Kostgänger zu sein», erklärte Amsinck.

«Ein ganz grosses Zeichen»

Hingegen erklärte Derya Caglar, gleichstellungspolitische Sprecherin der SPD-Fraktion im Abgeordnetenhaus, die Entscheidung sei «ein ganz grosses Zeichen dafür, dass wir auf dem Weg der Gleichstellung von Frau und Mann weiterkommen». Weiblichen Politikern gebe dieser Erfolg besonders viel Motivation.

Die Initiative für den Frauentag war aus der SPD gekommen. Der Frauentag geht auf die Konferenz sozialistischer Frauen im Jahr 1910 in Kopenhagen zurück, die Frauenrechtlerin Clara Zetkin war Initiatorin. Ab 1947 wurde der Frauentag in der DDR offiziell begangen – in Westdeutschland gewann er erst durch die Frauenbewegung ab den 70er Jahren an Bedeutung.

(gux/afp)