Gewalt und Ausschreitungen

07. Dezember 2018 14:52; Akt: 07.12.2018 15:26 Print

Das müssen Sie wissen, wenn Sie nach Paris reisen

Paris macht am Samstag diverse Geschäfte und Museen dicht. Hoteliers und Gewerbetreibende beklagen massive Einbussen wegen der Gelbwesten.

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Am Wochenende werden in Frankreich erneut gewaltsame Proteste erwartet. (Archivbild) Zur Sicherheit der Angestellten und Kunden werden zahlreiche Geschäfte in Paris dicht gemacht. (7. Dezember 2018) Die Eingänge und Fenster werden wie hier an den Champs-Elysées verschlossen. Damit rüsten sich die Gewerbler für das nächste Protestwochenende. Es wird erneut mit massiven Ausschreitungen gerechnet. Die Krise wirkt sich auch auf den Tourismus aus, der ein wichtiges wirtschaftliches Standbein Frankreichs ist. Am Samstag werden unter anderem das Wahrzeichen von Paris, der Eiffelturm, ... ...sowie die Oper und Museen wie der weltbekannte Louvre für Besucher geschlossen bleiben. Bereits am vergangenen Samstag sind die Proteste in Paris eskaliert. Es war das dritte Wochenende seit dem Beginn der Gelbwesten-Bewegung. (1. Dezember 2018) Innenminister Christophe Castaner brachte die Verhängung des Ausnahmezustands ins Spiel, um die Sicherheitslage zu stabilisieren. Nach Angaben der Regierung wurden mehrere Hundert Personen festgenommen. Es gab 133 Verletzte und einen Toten. Auf dem Champs-Élysees waren etwa ein Dutzend brennende Autos zu sehen. Die Polizei sprach von einer enormen Gewalteskalation. Die Polizei setzte Wasserwerfer gegen die Demonstranten ein. Die Bewegung der Gelbwesten protestierte gegen die Politik von Staatschef Emmanuel Macron. Das Innenministerium geht von 75'000 Demonstranten aus. Andere Quellen sprechen jedoch von 136'000 Teilnehmern. Die Gelbwesten fordern unter anderem Steuersenkungen sowie eine Anhebung von Mindestlohn und Renten. Macron hat zugesagt, die umstrittene Ökosteuer auf Diesel an den Kraftstoffpreis anzupassen. Das geht den Aktivisten aber nicht weit genug. Die Gewerkschaft CGT rief parallel zu einer Kundgebung am Pariser Platz der Republik auf.

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Der Eiffelturm, der Louvre und mehrere Metrostationen bleiben geschlossen, Tausende Sicherheitskräfte sind im Einsatz: Am Samstag wird das Zentrum von Paris einer belagerten Stadt gleichen. Die Regierung fürchtet ein bisher nicht gekanntes Ausmass an Gewalt am Rande der Gelbwesten-Proteste. Mit Folgen für Touristen und Geschäftsleute:

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Mit welchen Einschränkungen müssen Paris-Besucher rechnen?

Zahlreiche Sehenswürdigkeiten bleiben am Samstag geschlossen: Dazu zählen unter anderem Touristenmagneten wie der Eiffelturm, der weltberühmte Louvre und die Katakomben sowie das Musée d'Orsay mit seiner Picasso-Ausstellung und der Grand Palais mit seiner Miró-Schau. Touristen sollten sich vorab auf den Websiten der Pariser Museen informieren.


Welche Bereiche sollten Touristen meiden?

Besonders auf dem weltberühmten Boulevard Champs-Elysées und rund um den Triumphbogen werden Krawalle erwartet. Die Polizeipräfektur hat Geschäfte und Restaurants angewiesen, ihre Eingänge zu verbarrikadieren, um Plünderungen und eingeschlagene Schaufenster wie vergangenen Samstag zu vermeiden.

Auch in der edlen Rue du Faubourg Saint-Honoré am Elysée-Palast, dem Amtssitz von Präsident Emmanuel Macron, werden Ausschreitungen befürchtet. Weitere Brennpunkte könnten die Gegend rund um die historische Oper sein, der Concorde-Platz sowie der Bastille-Platz.


Wie sieht es mit der Bewegungsfreiheit aus?

Wie auch am vergangenen Wochenende dürften einige Metrostationen in der Pariser Innenstadt schliessen. Betroffen war unter anderem die von Touristen viel genutzte Linie 1, die Sehenswürdigkeiten wie den Louvre anfährt. Aktuelle Informationen gibt es auf der Website oder in der Handy-App des Nahverkehrsanbieters RATP, auch in deutscher Sprache.

Wer die Stadt zu Fuss erkundet – etwa am autofreien Seine-Ufer, rund um die Kathedrale Notre-Dame oder im traditionellen Studentenviertel Quartier Latin – sollte vorsichtshalber Bereiche meiden, wo Menschen in gelben Westen zusammenströmen.


Ist die persönliche Sicherheit gewährleistet?

Die Regierung hat allein in Paris rund 80'00 Sicherheitskräfte mobilisiert, 3400 mehr als am vergangenen Wochenende – landesweit sind 89'000 im Einsatz. Ihre Anweisungen sind zu beachten, an Bahnhöfen oder in grossen Geschäften sind auch Taschenkontrollen möglich.

Ist es besser, den Paris-Urlaub zu stornieren?

Das Auswärtige Amt in Berlin rät vorerst nicht von Reisen nach Paris oder in andere französische Städte ab. In den aktuellen Reisehinweisen heisst es: «Mit Demonstrationen insbesondere in der Innenstadt von Paris und daher mit Behinderungen ist vor allem an Wochenenden zu rechnen.»

Solange es keine Reisewarnung gibt, bleiben Touristen im Stornofall gegebenenfalls auf Kosten sitzen. Wer die Stadt besucht, sollte sich jedoch ein Alternativprogramm zu den klassischen Sehenswürdigkeiten überlegen.

Welche Auswirkungen haben die Proteste auf Tourismus und Einzelhandel?

Der französische Hotellerie-Verband beklagt bis zum Jahresende einen Einbruch der Buchungen um 10 bis 15 Prozent. Die Einzelhändler sehen ihre Umsätze im sonst ertragreichen Vorweihnachtsgeschäft schwinden.

Mehr als 200 Pariser Geschäfte wurden am vergangenen Wochenende zum Teil schwer beschädigt oder geplündert. Die Stadtverwaltung schätzt alleine die bisherigen Schäden an der Infrastruktur auf drei bis vier Millionen Euro.

(kat/afp)

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Jaune Gilet am 07.12.2018 15:06 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Es ist Zeit aufzustehen

    Was in Frankreich geschieht wird es bald in ganz Europa geben. Die Gilet Jaune haben mit ihren Forderungen zu 100% recht. Es ist Zeit all die Ungerechtigkeit zu beenden. Ein Hoch auf die Franzosen, für ihren Mut, ihre Zivilcourage, ihre Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit.

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  • Paul am 07.12.2018 14:59 Report Diesen Beitrag melden

    Kein Verständnis

    Den Frust kann ich etwas nachvollziehen, aber dass man aufgrund von einer schlechten wirtschaftlichen Situation andere Autos mutwillig zerstört und damit anderen, völlig normalen Bürgern ein grosses Leid antut, das kann ich nicht nachvollziehen. Es ist ja nicht so, dass diese Autos dem Herrn Macron gehören würden... Die gehören Jeanpierre und Antoine, die danach kein Auto mehr haben und eventuell zahlt noch nicht einmal die Versicherung... Wirklich toll, Jungs...

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  • Post it am 07.12.2018 15:58 Report Diesen Beitrag melden

    Links und Rechts gemeinsam

    Wäre auch hier mal an der Zeit sich zu erheben und gemeinsam gegen den Staat zu protestieren. Und zwar links und rechts zusammen. Einfach ohne Sachbeschädigung. Denn so sehr uns Meinungen zu Flüchtlingen und sozialen Fragen trennen, Wir haben auch sehr viel gemeinsam. Wir könnten alle zusammen ein bessers Leben haben wenn die Politik in Bern nicht für die Wirtschaft und Reiche gemacht wird sondern für die Bevölkerung. Schade dass diese Gemeinsamkeit durch die stetige Diskussion über Flüchtlinge verdrängt wird.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Einer Von Vielen am 07.12.2018 21:22 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wenn ich könnte würde ich

    Wisst ihr wieso wir hier keine gelben westen haben? Weil es uns zu gut geht und wir dadurch geblendet werden das wir uns gerade gut genug fühlen. Es brächte nichts aufzustehen denn wir sind zufaul und zumüde vom arbeiten. Wenn nur einer alleine aufsteht reicht das nicht und ich habe nicht die leitende kraft aber würde mitlaufen wenn ich sehe es geht vorwärts. Möge die Rebellion beginnen.

  • Ein Wanderer am 07.12.2018 21:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Geht doch!

    Die Franzosen zeigen uns, dass es funktioniert. Ein tapferes Volk das Mut macht. Wenn ein Volk zusammen hält, kann es seine Peiniger locker abschütteln. Es ist nichts alternativlos und auch nichts unumkehrbar, wie man uns weis machen will. Politiker und ihre Politik sind ersetzbar wie alles andere auch. Europa beginnt zu lernen und zu begreifen. Gut so!

  • Tom am 07.12.2018 20:39 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    ...

    Ja ja, der feine zarte Duft der Revolution liegt in den Strassen Frankreichs. Es könnte aber auch der Anfang eines Europäischen Frühlings sein....

  • Jürg Felix am 07.12.2018 20:24 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nicht am Samstag

    Wir waren letzten Samstag in Paris. Tourismus konnte man vergessen. Alles zu überall Polizeisperren. U-Bahn geschlossen. Monster Verkehrschaos. Keine Taxis und zu Fuss immer das Risiko irgendwo eingekesselt zu werden. Ich würde Paris am Samstag unbedingt meiden

  • Auslandschweizer am 07.12.2018 20:01 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Stolz

    Die Franzosen sind ein stolzes Volk, stolz ihre Geschichte, ihr Land und deren Wahrzeichen. Dass man gehen etwas demonstriert, ist ein Recht in der westlichen Welt, aber warum muss msn das, auf was man stolz ist zerstören? Warum der Krawall, der Wahrzeichen und die Autos der Bürger zerstört? Ist dies der Grande Nation würdig?