Nach der Wahl

06. Mai 2012 19:47; Akt: 06.05.2012 20:28 Print

Sozialisten feiern bei Wein, Bier und Baguette

von Annika Joeres/DAPD - Siegesgewiss haben die Anhänger von François Hollande schon Stunden vor den ersten Hochrechnungen zu feiern begonnen. Zurzeit steigt die Wahlparty auf der Place de la Bastille in Paris.

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Französische Sozialisten bejubelten schon am frühen Sonntagabend ihren neuen Präsidenten: Tausende Anhänger von François Hollande sammelten sich gegen 18 Uhr vor dem Parteisitz der Sozialisten in Paris. Sie schwenkten Fahnen mit der roten Rose und skandierten «changement, changement» - «Wechsel». Zwar wurden die ersten offiziellen Hochrechnungen erst um 20 Uhr erwartet, aber die meisten Fans riefen schon auf ihren Handys die ersten Wählerumfragen von ausländischen Webseiten ab. Diese sahen Hollande zwischen fünf und sechs Punkten vor dem konservativen Amtsinhaber Nicolas Sarkozy.

Familie Picard ist mit ihren vier Kindern aus einem Pariser Vorort angereist, um diesen «historischen Tag zu feiern», wie Mireille Picard strahlend sagt. Sie hat ihrem jüngsten Kind einen Hollande-Strampler angezogen, alle haben Hollande-Basketballmützen auf dem Kopf. Picard erwartet von Hollande nichts weniger, als «dass die Steuern von den Reichen in die Schulen meiner Kinder investiert werden».

Andere Menschen auf dem Platz tragen T-Shirts mit Slogans von Hollande, etwa: «Für eine Gesundheitsversorgung für alle», oder auch: «Für gleiche Gehälter von Männern und Frauen». Mit Hollande wird auch ein für Europa entscheidender Richtungswechsel in Frankreich erwartet: Er setzt auf einen starken, regulierenden Staat und will vor allem ein europäisches Wachstumspaket mit öffentlichen Investitionen verabschieden.

Trübes Wetter, ausgelassene Stimmung

Trotz eines eher trüben Wetters herrscht in Paris die ausgelassene Stimmung eines Volksfests: Die sozialistischen Fans futtern belegte Baguettes und trinken Bier und Wein aus Plastikbechern. Die zahlreichen freiwilligen Helfer können nur mit viel Einsatz die drängende Masse davon zurückhalten, zu nah an das historische Gebäude der Sozialisten zu gelangen. Auf der Partei ruhen nun grosse Hoffnungen: Sie hat seit 17 Jahren zum ersten Mal wieder die Macht im Land übernommen. Mitten in der Eurokrise wird es Hollande schwer fallen, die Erwartungen zu erfüllen.

Hollande tritt mit seinem Sieg in die Fussstapfen seines Mentors und Vorbilds François Mitterand: Als dieser als erster Sozialist Frankreichs 1981 knapp die Präsidentschaftswahlen gewann, verwandelte sich Paris ebenfalls in ein Festival: Mit Strassenkonzerten und Autokorsi feierten seine Anhänger den historischen Sieg. Hollande blieb aber wie beim ersten Durchgang in seinem politischen Heimatdorf Tulle. Erst am späten Sonntagabend wird er in der französischen Hauptstadt erwartet.

Die sozialistischen Fans haben inzwischen auch die Place de la Bastille in Beschlag genommen - einen mythischen Ort der Linken in Frankreich. Mit dem Sturm auf die Bastille wurde 1789 schon die französische Revolution eingeleitet - und hier soll auch der «Wechsel» von Hollande gebührend begangen werden.

Die Konservativen hatten das von ihnen proklamierte «Wunder» nicht geschafft. Die Place de la Concorde, wo Sarkozy 2007 frenetisch seinen Wahlsieg gefeiert hatte, war am frühen Sonntagabend verwaist: Nur vereinzelt sammelten sich Zuschauer an den vorsorglich aufgestellten Balustraden. Von ihnen waren keine Gesänge zu hören.