Trauerfeier

29. Juli 2013 22:17; Akt: 30.07.2013 08:51 Print

Spanien gedenkt der Opfer des Zugunglücks

Sechs Tage nach dem Zugunglück in Santiago de Compostela wurde den 79 Todesopfern mit einer Trauerfeier gedacht. Präsident und Königsfamilie trösteten die Angehörigen.

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Spanien hat mit einer offiziellen Trauerfeier der Todesopfer des Zugunglücks von Santiago de Compostela gedacht. «Spanien und Galicien tragen euch im Herzen», rief der Erzbischof von Santiago am Montagabend in der Kathedrale des Pilgerorts im Nordwesten des Landes.

An der Veranstaltung nahmen unter anderen der aus Santiago stammende Ministerpräsident Mariano Rajoy, Kronprinz Felipe und Ehefrau Letizia sowie Königstochter Elena teil. Sie alle umarmten und trösteten nach der Trauerfeier Hinterbliebene und Freunde der Opfer.

Nach bisherigen Erkenntnissen fuhr der Lokführer beim Unglück am Mittwochabend wenige Kilometer vor der Einfahrt in den Bahnhof von Santiago seinen Zug in einer Tempo-80-Zone aus noch unbekannten Gründen mit 190 Kilometern pro Stunde in die Katastrophe.

Vor einem Ermittlungsrichter räumte der Lokführer ein, unvorsichtig gehandelt zu haben. Dennoch wurde Francisco José Garzón am Sonntagabend nach rund zweistündiger Vernehmung unter Auflagen aus der Untersuchungshaft entlassen, wie spanische Medien berichteten.

Der 52-Jährige soll sich wegen fahrlässiger Tötung in 79 Fällen vor Gericht verantworten. Zu der Vernehmung am Unglücksort in Santiago de Compostela war er in Handschellen geführt worden. Die Einleitung des Ermittlungsverfahrens wegen fahrlässiger Tötung hatte Innenminister Jorge Fernández Díaz bereits am Samstag verkündet.

Unter Auflagen auf freiem Fuss

Richter Luis Alaez habe nun entschieden, dass Garzón sich einmal in der Woche beim Gericht melden müsse, hiess es in Medienberichten. Dem Beschuldigten sei der Reisepass abgenommen worden. Zudem dürfe er bis auf weiteres keine Züge mehr fahren.

Garzón war bereits Donnerstag im Spital festgenommen worden. Am Freitag verweigerte er noch die Aussage. Auch das Angebot psychologischer Betreuung soll er zurückgewiesen haben.

Nach einem Bericht der Zeitung «El Mundo» soll er kurz nach dem Unglück gesagt haben: «Ich habe es vermasselt, ich möchte sterben.» Spekulationen, dass Garzón zum Zeitpunkt des Unglücks mit seinem Handy telefoniert habe, hätten die Ermittler jedoch zurückgewiesen.

Noch 70 Verletzte im Spital

Die Zahl der Todesopfer kletterte auf 79. Eine US-Amerikanerin konnte von den Ärzten nicht mehr gerettet werden. Die Behörden befürchteten, dass in den nächsten Tagen weitere Verletzte sterben könnten.

Nach amtlichen Angaben wurden am Sonntag noch 70 Menschen in Spitälern von Santiago behandelt. 21 von ihnen befänden sich noch in kritischem Zustand, hiess es. Erste Todesopfer wurden am Samstag beigesetzt.

Kritik am Sicherheitssystem

Vorwürfe von Gewerkschaften, Medien und Kollegen des Lokführers, die Sicherheitssysteme an der engen Unglückskurve seien unzureichend, wies Verkehrsministerin Ana Pastor zurück. Das System erfülle alle spanischen und europäischen Vorschriften. «Auch die Arbeiter müssen sich an die Vorschriften halten», sagte sie.

Der beim Unfall am Kopf verletzte Garzón wurde auch vom Chef der Eisenbahninfrastruktur-Behörde Adif, Gonzalo Ferre, belastet. Der Lokführer hätte den Bremsvorgang gemäss den Sicherheitsvorschriften schon vier Kilometer vor der Unfallstelle beginnen müssen, sagte Ferre. Er betonte, alle Sicherheitssysteme hätten funktioniert.

Warum der Zug viel zu schnell in die Kurve vier Kilometer vor dem Bahnhof des Wallfahrtsortes einfuhr, blieb jedoch vorerst unklar. Die Lokführer-Gewerkschaft Semaf nahm den Lokführer in Schutz und erklärte, das Sicherheitssystem kurz vor Santiago beim Übergang von der Hochgeschwindigkeits- auf die Normalstrecke sei ungeeignet.
(Video: Reuters)

(rey/sda)