Mittagstisch gestrichen

16. Juli 2014 13:16; Akt: 16.07.2014 14:30 Print

Spaniens Kinder müssen wegen Ferien hungern

Während der Sommerferien haben die Mittagstische in den spanischen Schulen geschlossen. Für viele von der Finanzkrise betroffene Familien hat das drastische Konsequenzen.

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Seit Beginn der Sommerferien sind die Mittagstische an den spanischen Schulen zu. Viele Kinder bekommen keine ausreichende Mahlzeit. (Bild: Keystone/AP/Daniel Ochoa de Olza)

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Spanien habe die Rezession überwunden, kündigte vor einigen Monaten Ministerpräsident Mariano Rajoy an. Doch für viele Spanier ist davon bis heute nichts zu spüren. Viele leben vom wenigen Geld, das ihnen die Sozialhilfe gibt. Einige Familien können sich nicht einmal eine richtige Mahlzeit pro Tag leisten. Die Eltern sind darum dankbar, dass ihre Kinder in der Schule zumindest am Mittag etwas Warmes zu essen bekommen.

Doch seit Beginn der Sommerferien ist damit Schluss: Die Schulen sind zu und damit auch die Mittagstische. Mit anderen Worten: Viele spanische Kinder kriegen seit Ende Juni und bis Anfang September keine ausreichende Mahlzeit.

Für die Politiker ist der Mittagstisch nicht nötig

Seit Tagen versucht die Ombudsstelle in Madrid die einzelnen Gemeinden davon zu überzeugen, dass sie die Mittagstische beibehalten. «Wir wollen sicherstellen, dass die Kinder von mittellosen Familien auch über die Ferienzeit richtig ernährt werden», erklärt die Pressesprecherin Cristina Lladó gegenüber 20 Minuten.

Bis jetzt hatten ihre Bemühungen beschränkten Erfolg: «Wir haben erreicht, dass die autonomen Regionen Kanarische Inseln und Andalusien die Mittagshorte trotz Sommerpause weiter bedienen.» In anderen Regionen des Landes, wie Galizien, Madrid oder La Rioja, habe man aber davon nichts wissen wollen.

Der Zeitung «El Mundo» sagte Salvador Victoria, der Regierungsberater der autonomen Region Madrid, dass ein Weiterführen der Mittagstische über den Sommer nicht nötig sei, denn es gebe in der Region «keine Fälle von Unterernährung bei den Schülern».

Ein Glas Milch für das Kind, ein Tee für die Mutter

Die 37-jährige Laura, alleinerziehende Mutter, hat dafür kein Verständnis: «Ich würde Herrn Victoria und alle Politiker einladen, sich etwas in den Schulen umzusehen. Sie sollten sich weniger darum kümmern, ihre eigenen Taschen mit Geld zu füllen. Warum kommen sie nicht schauen, wie schlecht wir es haben? Was sollen unsere Kinder jetzt essen? Die Politiker sollten uns ein wenig besser behandeln. Das ist eine Schande!»

Laura bringt ihre neunjährige Tochter nun zu einem Mittagstisch, der von der Hilfsorganisation Educo in 17 Regionen organisiert wird. 105'000 Mahlzeiten werden pro Tag in den Schulen verteilt. Laura holt ihre Tochter nach der Arbeit ab und bringt ihre Tupper-Dose mit: «Wenn etwas übrig bleibt, dann packe ich das ein. Für den Abend.» Und wenn es nichts mehr hat? «Dann gebe ich meiner Tochter ein Glas Milch, mir mache ich einen Tee.»

(kle)