Österreicherin im Jihad

21. August 2019 16:46; Akt: 26.08.2019 15:20 Print

Spezialteam will Kinder von toter IS-Braut retten

Nach DNA-Tests steht fest: Die von der Terrormiliz festgehaltenen Kinder von Maria G. und Sabina S. dürfen nach Österreich. Die Rettung wird eine hochriskante Mission.

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Was sie antrieb, bleibt unklar. Fakt ist: Sabina S. riss zusammen mit ihrer besten Freundin vor über fünf Jahren nach Syrien aus. Die damals 15-Jährige schloss sich der Terrormiliz Islamischer Staat an, bekam im Kriegsgebiet Kinder. Seit einiger Zeit gilt sie als tot.

Die Kleinen sollen nun nach Österreich geholt werden. Nach langem Tauziehen steht einer Einreise nichts mehr im Weg, wie «Heute» berichtet. Wegen der gefährlichen Situation in den IS-Lagern wird im Auftrag des österreichischen Innenministeriums die polizeiliche Sondereinheit Cobra die Evakuierung vornehmen. Auch ein Einsatz von Elite-Soldaten des Jagdkommandos wird erwogen.

Die Grosseltern haben das Sorgerecht

Um die Geheimoperation nicht zu gefährden, wird das genaue Datum nicht bekannt gegeben. Es soll sich aber nur mehr um wenige Tage handeln. Die Vorarbeiten für die Aktion sind fast erledigt.

Es handelt sich demnach um die erste Rückführung aus der Region nach Österreich. Der Prozess könne einige Wochen dauern, sagte Aussenamtssprecher Peter Guschelbauer am Montag. Mindestens drei weitere Kinder könnten später zurückgeholt werden.

Die Kinder befinden sich derzeit in dem von Kurden verwalteten Lager Al-Hol im Nordosten Syriens. Bei den Kleinen von Sabina S. wurde ein DNA-Test durchgeführt. Sie stammen tatsächlich von der Österreicherin. Ihren Grosseltern wurde das Sorgerecht zugesprochen.

Sabina S. und ihre beste Freundin sind wohl tot

Der Fall von Sabina S. hatte im Nachbarland für Entsetzen gesorgt: Die Wiener Schülerin war zusammen mit Samra K. (16) am Morgen des 10. April 2014 aus ihrem Zuhause verschwunden. In einem Abschiedsbrief hatten die Mädchen den Eltern mitgeteilt: «Wir gehen nach Syrien, kämpfen für den Islam.»

Interpol fand Bilder im Internet, auf denen die beiden Teenager in Burkas mit Kalaschnikows posierten. Sabina und Samra wurden als Werbefiguren für den IS verwendet. «Sie chatten auf einschlägigen Plattformen mit Jugendlichen. Sie schildern, wie toll das Leben an der Front sei und verherrlichen die Massaker an Ungläubigen», erzählte ein Insider.

Zwei weitere Kinder warten auf ihre Ausreise

Sabina S. und Samra K. gelten als tot. Wie und wann sie ums Leben kamen, ist nicht bekannt. Gerüchten zufolge soll Samra K. von IS-Soldaten 2015 erschlagen worden sein, als sie versuchte, aus Raqqa zu flüchten. Zuvor hatte eine Tuneserin der britischen Boulevardzeitschrift «Mirror» erzählt, dass K. als Sexsklavin für neue Jihad-Rekruten missbraucht worden sein soll.

Auch Isa und Mohammed, die Kinder der Salzburgerin Maria G., die ebenfalls nach Syrien ging, um für den IS zu kämpfen, sollen nach Österreich geholt werden. In diesem Fall sollen DNA-Tests
bald gemacht werden. Bei der Mutter wird geprüft, ob von ihr eine Gefährdung ausgeht, denn ihr internationaler Haftbefehl ist nach wie vor in Kraft.

8000 Kinder warten im Lager

In den Lagern von Al-Hol befinden sich kurdischen Behördenangaben zufolge mehr als 70'000 Menschen, davon etwa 12'000 Ausländer - 4000 Frauen und 8000 Kinder. Nichtregierungsorganisationen haben wiederholt die schlechten Lebensbedingungen in den Lagern kritisiert.

Deutschland hatte Mitte August erstmals Kinder von deutschen IS-Anhängerinnen aus dem Nordosten Syriens zurückgeholt. Frankreich und Belgien haben ebenfalls einige Waisen nach Hause gebracht, die USA holten vergangenes Jahr eine Frau mit ihren vier Kindern zurück. Kasachstan, Usbekistan und das Kosovo haben bereits dutzende Frauen und Kinder zurückgenommen.

(kle)