Afghanistan

02. Juni 2011 15:34; Akt: 02.06.2011 15:35 Print

Sprengfalle tötet deutschen Soldaten

von Christina Neuhaus, dapd - Bei einer Explosion in der nordafghanischen Provinz Baghlan kommt ein Soldat der deutschen Bundeswehr ums Leben. Es ist dies der dritte tote deutsche Soldat in Afghanistan innert neun Tagen.

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Ein Holzkreuz im Camp Marmal in Mazar-i-Scharif erinnert an die gefallenen Bundeswehr-Soldaten der Internationalen Schutztruppe für Afghanistan (ISAF). (Bild: Keystone)

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Zum dritten Mal innerhalb von neun Tagen hat die Bundeswehr ein Todesopfer in Nordafghanistan zu beklagen. Ein deutscher Soldat kam am Donnerstagmorgen bei einem Sprengstoffanschlag in der Provinz Baghlan ums Leben. Fünf weitere wurden verletzt, zwei davon schwer. Die Angehörigen des Toten wurden informiert.

Den Angaben der Bundeswehr zufolge explodierte ein improvisierter Sprengsatz und traf einen deutschen Schützenpanzer vom Typ Marder. Der Ort des Anschlags liegt etwa 36 Kilometer südlich der Stadt Kundus, wie ein Sprecher des Einsatzführungskommandos der Bundeswehr in Potsdam auf dapd-Anfrage mitteilte. Der Sprengsatz sei um 9:54 Uhr Ortszeit explodiert, das entspricht 7:24 Uhr deutscher Zeit. Die Verletzten seien von US-amerikanischen Helikoptern ins Rettungszentrum des Wiederaufbauteams in Kundus transportiert worden.

Laut Bundeswehr gehörten die Soldaten zu einer Einheit, die gemeinsam mit afghanischen Kräften eine Rückkehr von Aufständischen in ein bestimmtes Gebiet im sogenannten Kandahari-Gürtel verhindern soll. Am Donnerstagmorgen sollten sie an einer wichtigen Verbindungsstrasse in dem Gebiet nach Sprengfallen suchen, um die Strasse «für eigene Bewegungen zu öffnen».

Roth fordert Strategiedebatte

Deutsche Politiker reagierten mit Bestürzung auf den Anschlag. Die Fraktionschefs der Grünen im Bundestag, Renate Künast und Jürgen Trittin, erklärten den Angehörigen des Gefallenen ihr tiefes Mitgefühl. «In diesen Tagen bekommen wir besonders schmerzlich vor Augen geführt, mit welchem hohen Einsatz sich unsere Soldatinnen und Soldaten in Afghanistan engagieren», erklärten die Politiker. «Für die Verwundeten des Angriffes hoffen wir auf eine schnelle Genesung.»

Grünen-Chefin Claudia Roth verurteilte den Anschlag «auf das Schärfste». «Wir brauchen jetzt eine politische Debatte über die seit Monaten andauernde Offensivstrategie der ISAF in Afghanistan, die bislang auch von der Bundesregierung unterstützt wird», erklärte sie. «Diese Offensivstrategie führt offenkundig nicht zu einer zunehmenden Stabilisierung Afghanistans.» Überfällig seien stattdessen «verstärkte Anstrengungen und ein klares Konzept für eine politische Lösung».

Für die FDP-Fraktion teilten der Vorsitzende Rainer Brüderle und die sicherheitspolitische Sprecherin Elke Hoff mit, sie verurteilten den «hinterhältigen Anschlag». Sie seien bestürzt über den Tod des Soldaten. «Unsere Gedanken und unser Mitgefühl sind bei den Familien, den Angehörigen und Kameraden.» Nach den Anschlägen der letzten Wochen müsse «alles Menschenmögliche» getan werden, um den Schutz der Soldaten im Einsatz vor Sprengfallen zu verstärken.

Erst am Samstag waren bei einem Anschlag auf ein deutsch-afghanisches Sicherheitstreffen in der Provinzhauptstadt Talokan zwei Bundeswehrsoldaten getötet und sechs weitere verletzt worden. Drei Tage zuvor starb ein deutscher Soldat beim Anschlag mit einer improvisierten Sprengfalle nordwestlich von Kundus. Ein weiterer wurde leicht verletzt, ebenso wie ein afghanischer Übersetzer.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Alex F. am 02.06.2011 22:59 Report Diesen Beitrag melden

    Kein sicheres Land

    Habe eine Sendung gesehen, bei der einer erklärte, dass die Taliban schwächer geworden sind. Nur: Wenn man die letzten 10 Jahre Revue passieren lässt, kommt man zu einer völlig anderen Schlussfolgerung. Wenn sie schwächer geworden wären, würde es keine Anschläge mehr geben.

  • Steve Whitehall am 02.06.2011 17:46 Report Diesen Beitrag melden

    Mein tieftes Beileid.

    Mein tieftes Beileid an die Angehörigen und Familien der Opfer. Sie starben nicht umsonst,sondern für den Frieden in der westlichen Welt. Die United Stats of Amercia danken für den Einsatz. Wir werden euch niemals vergessen. RIP

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  • Bruno am 03.06.2011 06:37 Report Diesen Beitrag melden

    So ist die Welt

    Es stimmt, man muss nicht dorthin. Das bedeutet aber, dass man gewaltig aufrüsten muss, weil diese Länder dasselbe tun würden und dann kommt ein Diktator, der droht und ev. Atomwaffen einsetzt. Wer glaubt diese Länder wären dann friedlich und keine Gefahr für die Welt muss recht naiv sein.Ich denke die Realität ist: Frieden hat nur wer die Oberhand hat. Kaum zeigt ein Land eine Schwäche, fällt ein anderes Land über ein Land her. So ist die Mensch und Tierwelt.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Bruno am 03.06.2011 06:37 Report Diesen Beitrag melden

    So ist die Welt

    Es stimmt, man muss nicht dorthin. Das bedeutet aber, dass man gewaltig aufrüsten muss, weil diese Länder dasselbe tun würden und dann kommt ein Diktator, der droht und ev. Atomwaffen einsetzt. Wer glaubt diese Länder wären dann friedlich und keine Gefahr für die Welt muss recht naiv sein.Ich denke die Realität ist: Frieden hat nur wer die Oberhand hat. Kaum zeigt ein Land eine Schwäche, fällt ein anderes Land über ein Land her. So ist die Mensch und Tierwelt.

  • Alex F. am 02.06.2011 22:59 Report Diesen Beitrag melden

    Kein sicheres Land

    Habe eine Sendung gesehen, bei der einer erklärte, dass die Taliban schwächer geworden sind. Nur: Wenn man die letzten 10 Jahre Revue passieren lässt, kommt man zu einer völlig anderen Schlussfolgerung. Wenn sie schwächer geworden wären, würde es keine Anschläge mehr geben.

  • Fabian Fischer am 02.06.2011 18:42 Report Diesen Beitrag melden

    Traurig aber wahr

    Lange zeit war ich für den einsatz, mitlerweile muss ich sagen, recht geschehen, die sollen sich entlich aus diesen Ländern zurückziehen, die masche, wir passen auf funktioniert schon lange nicht mehr, siehe revolutionsländer, wenn die presse die getöteten unschuldigen afgahnen jedes mal abdrucken würde, hätte man keine anderen News mehr, aber was solls, die sind ja sowieso niiiiiie unschuldig!

  • Steve Whitehall am 02.06.2011 17:46 Report Diesen Beitrag melden

    Mein tieftes Beileid.

    Mein tieftes Beileid an die Angehörigen und Familien der Opfer. Sie starben nicht umsonst,sondern für den Frieden in der westlichen Welt. Die United Stats of Amercia danken für den Einsatz. Wir werden euch niemals vergessen. RIP

    • Pater Noster am 02.06.2011 20:06 Report Diesen Beitrag melden

      Beileid für was?

      Fremde Soldaten haben am Hindukusch nichts, aber auch gar nichts, zu suchen!

    • Realist am 02.06.2011 20:39 Report Diesen Beitrag melden

      Aha interessant

      Und was suchen die Deutschen/Amerikaner etc. genau dort? Osama ist ja schon längst tod! Sorry, keiner stirbt für den Frieden, auch nicht für die westliche Welt. Die Leute sind nur dort, um die Rohstoffsicherheit von einigen Länder zu gewährleisten und wurden dazu unter naiven Gründen dorthin geschickt oder weil man einfach unbedingt in die Armee wollte, gerade in Deutschland. Wenn man wirklich Frieden auf der Welt oder sonst wo will, dann rüstet man sich nicht mit Waffen auf und führt Staaten in den Krieg, nur damit man ihre Unabhängigkeit gefährdet.

    • Aussenstehender Realist am 02.06.2011 23:14 Report Diesen Beitrag melden

      Zuende denken...

      Zu den Ländern, die von den Rohstoffen profitieren zählt aber auch die Schweiz. Der Unterschied ist einfach der, dass die Schweiz sich aktiv nicht beteiligt.

    • Toni am 03.06.2011 00:08 Report Diesen Beitrag melden

      Was denn soll interessant sein

      Welcher Rohstoff haben sie?Opium für Europa?Was haben die Kinder für eine Zukunft unter den Taliban?Welche Rechte haben die Frauen ,Mädchen.Ich glaube,währe auch froh von dieser Masse befreit zu werden.Aber aus der Schweiz raus, kann man ja solche Parolen schwingen.

    • Martin Kohl am 03.06.2011 08:42 Report Diesen Beitrag melden

      Stupid

      Legt eure rosa Brille ab und schaut den Realitäten ins Auge. Ihr wart nie dort,also ganz ruhig bleiben. Meint ihr wirklich mit Friedenslieder und Anti-Kriegsdemos kann man was bewirken ?

    • Realist am 03.06.2011 11:24 Report Diesen Beitrag melden

      Das sind keine Parolen.....

      Es stimmt allerdings, dass wir rohstofftechnisch gesehen abhängig sind von denen. Das kann man natürlich nur mit seinem eigenen Konsum lenken, falls man interessiert daran ist. @ Toni, Opium wurde unter der Führung der Taliban verboten und erst wieder nach dem Krieg der USA angebaut. Fragt sich nun, unter welcher Kontrolle den dieser Opiumanbau ist Taliban, USA etc? Die Afgahnen haben halt eine andere Kultur und nur deswegen heisst es nicht, dass das ganze Volk schlecht ist. Aber deswegen gleich die westlichen Werte denen aufzwingen, finde ich schon etwas verrückt.

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  • Rolf Wittwer am 02.06.2011 17:45 Report Diesen Beitrag melden

    Typisch Taliban

    Klar sind Drohnenngriffe auch nicht human. Derartige Anschläge,Fallen, Suizidattacken und ferngezündete etc. Bomben haben jedoch nichts aber auch gar nichts mit "heroischen Kämpfen" (Taliban) zu tun. Jedoch viel mit Hinterhältigkeit, Feigheit, Verrat und Angst, sich dem Kampf stellen.