Gewalt in Syrien

09. Mai 2012 13:46; Akt: 09.05.2012 21:45 Print

Sprengsatz explodiert bei UNO-Konvoi

Bei der Einfahrt eines Konvois der UNO-Beobachtermission in die syrische Stadt Daraa ist ein Sprengsatz hochgegangen. Sechs syrische Soldaten sollen verletzt worden sein.

storybild

Am 9. Mai 2012 ist in der Stadt Daraa ein Sprengsatz explodiert. (Bild: Keystone)

Zum Thema
Fehler gesehen?

Trotz der vereinbarten Waffenruhe in Syrien gehen die gewaltsamen Übergriffe weiter und machen auch vor den UNO-Beobachtern nicht halt. Staatliche Medien und Regierungsgegner berichteten am Mittwoch, in Deraa seien Begleitfahrzeuge der Beobachter vor deren Augen von einer schweren Explosion getroffen worden.

«Wir fuhren zum Schutz gerade hinter dem Konvoi her, als eine am Strassenrand versteckte Bombe explodierte», sagte ein Soldat. Ein Leutnant und fünf Soldaten seien dabei verwundet worden.

Die Detonation ereignete sich nur 100 Meter von dem Konvoi entfernt, in dem sich der Leiter der UNO-Beobachtermission, General Robert Mood, sein Team sowie mitreisende Journalisten befanden. Der UNO-Konvoi blieb unbeschädigt.

Nach Angaben eines Fotografen der Nachrichtenagentur AFP explodierte der Sprengsatz, als die UNO-Fahrzeuge in die Stadt einfuhren. Ein Reporter der Nachrichtenagentur AP berichtete, bei der Detonation seien die Fenster des Militärfahrzeugs zerstört worden. Dichter, schwarzer Rauch sei aufgestiegen.

UNO-Beobachter setzen Arbeit fort

UNO-Generalsekretär Ban Ki Moon verurteilte den Anschlag. «Der Vorfall verdeutlicht die gefährlichen und schwierigen Umstände, unter denen unsere UNO-Beobachter arbeiten», sagte ein Sprecher Bans in New York. Es gebe jedoch keine Beweise, dass der Anschlag dem UNO- Konvoi gegolten habe.

General Mood sagte, der Angriff sei «eine plastische Erfahrung, die die Menschen in Syrien tagtäglich machen». Die Arbeit der Beobachter werde jedoch wie gehabt fortgesetzt. Nach Angaben von Mood befinden sich derzeit 70 UNO-Beobachter im Land, bis Freitag werde ihre Zahl auf 100 steigen.

Der Friedensplan des internationalen Gesandten Kofi Annan sieht die Entsendung von bis zu 300 Beobachtern vor. Sie sollen die Umsetzung und Einhaltung der seit dem 12. April geltenden Waffenruhe überwachen.

Kämpfe in mehreren Orten dauern an

Der Waffenstillstand hat sich bisher als brüchig erwiesen: Aufständische berichten von Dutzenden Toten fast jeden Tag. Die in London ansässige Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte berichtete auch am Mittwoch von weiteren Anschlägen sowie Gefechten. In den Provinzen Damaskus-Land, Idlib, Homs und Hama wurden demnach mindestens 15 Menschen getötet.

Berichte aus Syrien können nicht von unabhängiger Seite überprüft werden. Das Regime lässt - wenn überhaupt - ausländische Journalisten nur unter Beaufsichtigung durch Behördenvertreter im Land arbeiten.

Vorwürfe gegen UNO-Sicherheitsrat

Angesichts der Gewalt drohte der Kommandant einer grösseren Rebelleneinheit, den Kampf wieder aufzunehmen. Der Chef der Freien Armee Syriens sagte der in London erscheinenden arabischen Zeitung «Asharq al-Awsat», er könne nicht mehr tatenlos zuschauen, wie die Regierung Menschen töte und festnehme. Riad al-Asaad warf der UNO vor, der Regierung in Damaskus neue Verbrechen zu ermöglichen.

Der UNO-Sicherheitsrat ist gespalten. Während der US-Vertreter dort am Dienstag der syrischen Regierung vorwarf, den Annan-Plan nicht vollständig umgesetzt zu haben, sprach sein russischer Kollege davon, dass sich «die Dinge in eine positive Richtung entwickeln».

Der Aufstand gegen Syriens Präsident Baschar al-Assad hält seit 14 Monaten an. Dabei sind nach UNO-Angaben mindestens 9000 Menschen ums Leben gekommen.

(sda)