Plagiats-Affäre

07. März 2011 11:11; Akt: 07.03.2011 11:40 Print

Staatsanwalt ermittelt gegen Guttenberg

Wegen des Verdachts der Urheberrechtsverletzung wird jetzt gegen den zurückgetretenen Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg ermittelt, wenn auch nur pro forma.

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«Dr. Guttenberg, please proceed to the gate!» Bei der Swiss kann jeder als Doktor oder Professor mitfliegen. Wenn die Kreditkarte zur Visitenkarte wird: In gewissen Kreisen öffnet der «Dr.» vor dem Namen mehr Türen als eine goldene Kreditkarte. Der schnellste Weg zum Doktor führt darüber, sich einfach bei jeder Gelegenheit so zu nennen. Dass das lange funktionieren kann, zeigte vor einem Jahr der . Entsprechend angefertigte Stempel, Visitenkarten oder Türschilder helfen, die konstruierte Fassade als glaubwürdig erscheinen zu lassen. Noch glaubwürdiger ist ein Abdruck mit vorangestelltem Doktor in einem offiziellen Organ wie dem Telefonbuch. Local.ch verlangt von den Kunden keinen Beweis für die geführten Titel. Dazu braucht es allerdings bereits ein gewisses Mass an Skrupellosigkeit. Wer hingegen wenigstens den Schein wahren will, etwas für seinen Doktortitel gemacht zu haben, schreibt sich bei einer «Titelmühle» ein, wie der «Freien und Privaten Universität Herisau». Gegen die Entrichtung hoher «Studiengebühren» werden dort pseudoakademische Grade vergeben. Die Abschlüsse sind jedoch staatlich nicht anerkannt. Das bekam auch der deutsche CDU-Politiker zu spüren. Anfang 2010 wurde publik, dass er seinen Doktor-Titel an der mittlerweile nicht mehr existierenden «Freien Universität Teufen» erworben hatte. Keine Möglichkeit ist hingegen die Ehe mit einem Doktor oder einer Doktorin. «Herr und Frau Doktor» sind lediglich eine hartnäckige Legende: Bei der Hochzeit geht der Titel nicht auf den Ehepartner über. Ein Name darf die persönlichen Rechte eines Kindes nicht verletzen. In der Schweiz dürfen Kinder daher nicht auf den Namen «Doktor» getauft werden - in Bayern übrigens auch nicht.

Dr. werden ist nicht schwer. Oft genügt nur ein Klick.

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Die Staatsanwaltschaft Hof hat förmlich Ermittlungen gegen den CSU-Politiker Karl-Theodor zu Guttenberg aufgenommen. Man habe am Freitag ein Ermittlungsverfahren gegen den zurückgetretenen Verteidigungsminister eingeleitet, erklärte die Behörde am Montag auf Nachfrage. Dabei gehe es um dessen Doktorarbeit und insbesondere um den «Verdacht der Urheberrechtsverletzung», sagte Oberstaatsanwalt Reiner Laib.

Die Behörde hatte bereits vergangene Woche angekündigt, sie werde ein Ermittlungsverfahren einleiten, sobald ihr offiziell vorliege, dass Guttenberg sein Bundestagsmandat niedergelegt habe und seine Immunität damit erloschen sei.

Bei der federführenden Staatsanwaltschaft in Hof sind im Verlauf der Plagiatsaffäre um Guttenbergs Doktorarbeit Dutzende Anzeigen eingegangen. Darunter sei aber weiterhin kein Strafantrag oder eine Strafanzeige eines unmittelbar geschädigten, sagte Laib. Dies könnte juristische Konsequenzen haben. Die Staatsanwaltschaft hat bereits darauf hingewiesen, dass nicht gewerbsmässige Urheberrechtsverletzungen nur auf Antrag eines Geschädigten oder bei besonderem öffentlichen Interesse verfolgt werden.

Zum Stand der Ermittlungen sagte Laib nichts. Man äussere sich grundsätzlich nicht zu laufenden Ermittlungsverfahren, betonte er.

(ap)