Amazonas

23. August 2019 02:01; Akt: 23.08.2019 09:58 Print

Bolsonaro verdächtigt Landwirte als Brandstifter

Landwirte könnten die verheerenden Waldbrände im Amazonasgebiet verursacht haben. Unterdessen wird der Ton zwischen Bolsonaro und Macron rauer.

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Brasiliens Präsident Jair Bolsonaro hat eingeräumt, dass die massiven Waldbrände im Amazonas möglicherweise illegal von Landwirten gelegt wurden. Zugleich verwahrte er sich aber gegen internationale Einmischung. Die Länder, die Geld an Brasilien zahlten, schickten es nicht aus Grosszügigkeit, sagte er in einer Facebook-Sendung: «Sie schicken es mit dem Ziel, unsere Souveränität zu beschneiden.»

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron und Uno-Generalsekretär Antonio Guterres hatten zuvor auf Twitter ihre Sorgen wegen der Feuer zum Ausbruch gebracht, die in diesem Jahr so gross sind wie nie zuvor. Bolsonaro kritisierte Macron wegen dessen Äusserungen scharf. Er warf Macron am Donnerstag via Twitter eine «kolonialistische Mentalität» vor. Macron wolle beim G7-Gipfel in Biarritz über die Feuer sprechen, ohne dass die Länder der Amazonas-Region dabei seien.

Der ultrarechte Präsident beschuldigte Macron zudem, eine «innere» Angelegenheit Brasiliens und anderer Staaten im Amazonasgebiet «instrumentalisieren» zu wollen, um «persönlichen politischen Profit» daraus zu schlagen. Macrons «sensationsgieriger Ton» trage nicht zur Lösung des Problems bei, schrieb Bolsonaro.

Der französische Präsident hatte die schweren Waldbrände im Amazonasgebiet am Donnerstag als «internationale Krise» bezeichnet. Er kündigte an, mit den anderen G7-Mitgliedern beim Gipfel in Biarritz am Wochenende «über diesen Notfall» zu sprechen.

Weltweite Erschütterung

Brasilianische Staatsanwälte wollen wegen der Brände Ermittlungen einleiten. Angesichts der zunehmenden Zerstörung des Urwaldes gehe es darum zu untersuchen, ob der Umweltschutz vernachlässigt worden sei, teilte die Strafverfolgungsbehörde mit. Weltweit kritisieren Umweltschützer die Abholzung des Regenwaldes, der auch als «Lunge der Welt» bezeichnet wird.

UN-Generalsekretär Antonio Guterres äusserte Sorge angesichts der Brände. «Inmitten der globalen Klimakrise können wir es uns nicht leisten, einer wichtige Sauerstoffquelle und einem Ort der Biodiversität zu schaden», schrieb er im Onlinedienst Twitter.
Auch die schwedische Klimaaktivistin Greta Thunberg zeigte sich betroffen. «Meine Gedanken sind bei den Betroffenen. Unser Krieg gegen die Natur muss ein Ende haben», twitterte sie.

Aus Sorge vor einem Übergreifen auf sein Staatsgebiet rief Peru wegen der Waldbrände im Amazonas-Gebiet sowie zahlreicher Feuer in Boliviens Wäldern den Notstand aus. Mehr als 200 Feuerwehrleute seien in Alarmbereitschaft versetzt worden und beobachteten «minütlich» die Lage in Brasilien und Bolivien, teilte Perus Nationale Behörde für Schutzgebiete (Sernanp) über Twitter mit.

Bolsonaro - ein Freund der Agrarindustrie

Die Zahl der Waldbrände in Brasilien ist in den ersten acht Monaten des Jahres drastisch angestiegen. Zwischen Januar und August gab es nach offiziellen Angaben 72'843 Waldbrände, die sich in den Bundesstaaten am Amazonas konzentrieren. 2018 waren es im gleichen Zeitraum 39'759 Brände.

Zudem nahm die Abholzung in Brasilien deutlich zu, wie aus einem Bericht des brasilianischen Weltraumforschungsinstituts INPE im Juni hervorging. Umweltschützer sehen darin den Grund für die Zunahme der Waldbrände in der Amazonas-Region. Der WWF wies darauf hin, dass die «Nutzung von Feuer» eine der «Techniken für Baumrodungen» sei.

Als Reaktion auf die verstärkte Rodung legten das Bundesumweltministerium sowie Norwegen die millionenschwere Förderung für Waldschutz- und Biodiversitätsprojekte in dem südamerikanischen Land auf Eis.

Bolsonaro hatte die INPE-Daten hingegen als Lügen bezeichnet und den Direktor des Instituts gefeuert. Brasiliens Präsident zweifelt den menschengemachten Klimawandel an und ist ein Freund der Agrarindustrie. Umweltschützer werfen ihm vor, mit seinen Aussagen gegen den Umweltschutz Holzfäller, Bergleute und Bauern zum Raubbau am Amazonaswald zu ermutigen.

(roy/sda/afp)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Max Fischer am 23.08.2019 10:24 Report Diesen Beitrag melden

    Importverbot für Soja

    Es ist Zeit für ein Importverbot für Soja aus Brasilien. Es ist ohnehin unsinnig und schädlich, die Fleisch- und Milchproduktion mit Sojafutter zu fördern

    einklappen einklappen
  • Rentner Sepp am 23.08.2019 10:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    So beginnt der Klimawandel definitiv

    Egal wer Schuld hat. Jetzt müsste doch zuerst gelöscht werden. Jetzt kann die Welt beweisen dass es nur gemeinsam geht. Doch das wird nicht passieren, denn jetzt wird wieder zuerst einige Zeit diskutiert, ob und wie man das Problem lösen kann. Liebe Klimaaktivisten, glaubt ihr wirklich noch an eine Änderung. Jahrelang hat man zugeschaut wie abgeholzt wird, niemand Hat mit Sanktionen gedroht. Wäre es um Oel gegangen, hätte der Ami schon lange reagiert. Es ist eine katastrophale Sauerei und der Beginn vom Ende.

  • H. Cheng am 23.08.2019 10:26 Report Diesen Beitrag melden

    Kataklysmische Klimakatastrophe

    Wenn die Brände sich ausweiten, nicht gestoppt werden, gibt das eine globale Klimakatastrophe, dass Greta der Löffel ins Veganermüesli fällt! Da hilft dann weder CO2 Steuer noch Abfall trennen. Die Analysen, Prognosen, Weltuntergangs-Szenarien werden natürlich von Politik und Wirtschaft gnadenlos ausgeschlachtet. Ratet mal wer die Zeche zahlen wird!?

Die neusten Leser-Kommentare

  • Dz Aus u am 23.08.2019 23:06 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Unangenehme Wahrheit

    Die Umwelt schützen ist toll wenn man dabei auf jemand anders zeigen kann. Die Meldungen kommen seit Jahrzehnten. Den eigenen Konsum zu überdenken ist jedoch unangenehm aber trotzdem das EINZIGE, was etwas bringt.

  • Perikles am 23.08.2019 22:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Eigentlich Allgemeingut

    Dieser Regenwald ist essentiell wichtig für die gesamte Welt und es darf nicht sein dass ein einzelner uneinsichtiger Typ dessen Rettung erschweren oder verhindern kann. Das hier sollte über Politik und Wirtschaft stehen!

  • H.G. am 23.08.2019 21:51 Report Diesen Beitrag melden

    Schutzgeld

    es ist einfach, zu fordern, dass Brasilien zum Regenwald Sorge trägt. Vielleicht sollten wir als Profiteure ein Schutzgeld bezahlen.

  • urs am 23.08.2019 20:35 Report Diesen Beitrag melden

    waldsterben ätsch

    30 jahre zu spät, das Waldsterben hat begonnen

  • ;) am 23.08.2019 20:33 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Naiv

    Wie naiv kann man sein? Glaubt ihr, die ganze Welt interessiert sich plötzlich für den Regenwald? Der Regenwald, der den Leuten(ich schliesse mich da mit ein) bisher so dermassen egal war, dass es seit ich denken kann heisst: Täglich so und so viele "Fussballfelder" (der letze Schrei bei den Masseinheiten) unwiderruflich weg. All diese "Erscheinungen" sind, wie Georg Schramm mal sagte, Nebenschauplätze, kleine "Schlachten" wenn man so mag, im grossen Krieg, Arm gegen Reich.