Sri Lanka

22. April 2019 21:36; Akt: 22.04.2019 21:36 Print

Christen fürchten sich vor weiteren Anschlägen

Bei einer Anschlagsserie in Sri Lanka starben mindestens 290 Menschen. Die Bevölkerung befürchtet jetzt weitere Attentate.

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Bei der Anschlagsserie in Sri Lanka kamen mindestens 290 Menschen ums Leben, über 500 Personen wurden verletzt. Einsatzkräfte besichtigen am Tag nach der Explosion die St. Sebastian Kirche in Negombo. Fast zeitgleich hatten sich am Vormittag des Ostersonntags vermutlich sieben Selbstmordattentäter in die Luft gesprengt. Ziele waren drei Luxushotels sowie drei christliche Kirchen, in denen gerade Gottesdienst gefeiert wurde. Einige Stunden später gab es zwei weitere Anschläge in Vororten von Colombo. Laut den Ermittlern zeigten die untersuchten Leichenteile klar, dass es sich um Selbstmordanschläge handelte. Den Einsatzkräften bot sich ein Bild des Schreckens. «Es lagen viele Körperteile herum. Ganze Familien wurden zusammen in den Tod gerissen, weil sie gemeinsam an der Ostermesse waren», sagt Hotelmanager Anton (56) aus Colombo. So sah es nach der Explosion im Innern einer Kirche in Colombo aus. Eine beschädigte Statue in der Kirche St. Sebastian. Der Sicherheitsdienst hatte «Informationen» über bevorstehende Anschlagspläne, sagte Sri Lankas Premierminister Ranil Wickremesinghe. Laut der Regierung soll die einheimische Islamistengruppe National Thowheeth Jama'ath (NTJ) hinter den Angriffen stecken – offenbar mit internationaler Unterstützung. Polizisten und Bürger helfen bei einer Kirche in Colombo, die Ziel eines Angriffs wurde. Auch das Luxus-Hotel Shangri-La wurde Ziel eines Selbstmord-Attentats. Sicherheitskräfte sichern den Eingang des Hotels Shangri-La nach der Explosion ab. Die Schäden lassen die Wucht der Explosion erahnen. Kurz nach den Detonationen kursierten auf Twitter erste Bilder. Die genauen Hintergründe der Anschlagsserie ist noch unklar. Die Anzahl der Toten stieg im Verlauf des Ostersonntags stetig an. Unter den Opfern sind laut Angaben vom Montag mindestens 35 Ausländer. Sie stammen unter anderem aus China, Japan, den USA, Dänemark und Portugal. K. (60) und K. V. (55) und kamen bei einem Anschlag auf ihr Hotel in Colombo auf Sri Lanka ums Leben. Das Ehepaar betrieb seit Jahren einen Kiosk im Berner Lorraine-Quartier. Der dänische Milliardär Anders Holch Povlsen und seine Frau Anne trauern um drei ihrer Kinder, die bei den Anschlägen ums Leben kamen. Ein Bild aus dem Innern einer Kirche zeigt die Wucht der Explosion. Zu Zeitpunkt der Detonationen feierten die Gläubigen gerade die Ostermesse. Nur etwa sieben Prozent der Bevölkerung in Sri Lanka sind Christen. Die Mehrheit sind Buddhisten.

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Bei einer verheerenden Anschlagsserie in Sri Lanka kamen mindestens 290 Menschen ums Leben, über 500 Personen wurden verletzt. Fast zeitgleich hatten sich am Vormittag des Ostersonntags vermutlich sieben Selbstmordattentäter in die Luft gesprengt. Ziele waren drei Luxushotels sowie drei christliche Kirchen, in denen gerade Gottesdienst gefeiert wurde. Einige Stunden später gab es zwei weitere Anschläge in Vororten von Colombo.

Laut den Ermittlern zeigten die untersuchten Leichenteile klar, dass es sich um Selbstmordanschläge handelte. Beim Anschlag auf ein Hotel seien zwei Attentäter beteiligt gewesen, bei jenen an den drei Kirchen und zwei weiteren Luxushotels jeweils einer, sagte ein Forensiker des Verteidigungsministeriums. Bislang wurden 24 Verdächtige festgenommen – laut Polizei alles Mitglieder einer «extremistischen Gruppe».

Grosse Angst vor weiteren Bomben

Die Einwohner Sri Lankas sind zutiefst erschüttert. Den Einsatzkräften boten sich Bilder des Schreckens. Die Hauptstadt gleiche einem Schlachtfeld, so Hotelmanager Anton (56) aus Colombo: «Es lagen viele Körperteile herum. Ganze Familien wurden zusammen in den Tod gerissen, weil sie gemeinsam an der Ostermesse waren.» Auch der Katholik war am Sonntag mit seiner Frau in der Kirche. «Als wir um 9 Uhr von den Anschlägen hörten, eilten wir sofort nach Hause.»

Insbesondere die Christen hätten grosse Angst vor weiteren Anschlägen, so Anton. Seine Frau werde nächsten Sonntag sicher nicht in die Kirche gehen: «Wir fragen uns, ob es noch mehr Bomben in den Kirchen gibt. Es wurden ja gezielt Christen getötet, darunter auch Kinder.» Die Polizei sei immer noch daran, öffentliche Gebäude und Häuser nach möglichen weiteren Bomben zu durchsuchen.

Bisher hat sich niemand offiziell zu den Anschlägen bekannt: Laut der Regierung soll die einheimische Islamistengruppe National Thowheeth Jama'ath (NTJ) hinter den Angriffen stecken – offenbar mit internationaler Unterstützung. Für Anton ist klar: «Wenn es die NTJ war, hatte sie bestimmt Hilfe aus dem Ausland.» Die Einheimischen hätten kaum Infos zur Täterschaft, weil die sozialen Medien noch zwei bis Tage gesperrt seien. Er begrüsse das. «Sonst gäbe es viele Gerüchte – und möglicherweise Panik wegen Falschmeldungen.»

Sprengsatz und Zünder entdeckt

Die Angst vor weiteren Detonationen ist nicht unbegründet. Am Montag sprengte die Polizei in Colombo kontrolliert ein Auto, nachdem darin eine Bombe entdeckt worden war. Zudem wurden an einer Bushaltestelle 87 Zünder sichergestellt. Ein weiterer Mann wurde verhaftet. Bombenfund und Sprengung lösten in der Umgebung Panik aus, wie Videos in sozialen Medien zeigten. Zeugen berichteten auf Twitter, dass die Polizei den Festgenommenen vor einer aufgebrachten Menge schützen musste. Ein weiterer Anschlag in der Nähe des Flughafens von Colombo konnte offenbar bereits am Sonntagabend vereitelt werden. Laut der Polizei wurde dort eine selbst gebastelte Rohrbombe entschärft.

Die USA warnen in neuesten Reisehinweisen, dass die Anschläge in Sri Lanka weitergehen könnten. «Terroristische Gruppen planen weitere mögliche Angriffe», heisst es darin. Ziele könnten neben Hotels und Gebetshäusern auch andere Orte sein, an denen sich Touristen aufhalten, sowie Einkaufszentren und Verkehrsknotenpunkte.

Ausnahmezustand und Ausgangssperre

Sri Lankas Regierung rief am Montag den Ausnahmezustand aus. Dieser gelte ab Mitternacht (20.30 Uhr MESZ) und solle der Polizei und dem Militär ermöglichen, die öffentliche Sicherheit zu gewährleisten. Für die Nacht auf Dienstag gilt zudem erneut eine Ausgangssperre.

Unter den Toten sind laut Polizeiangaben vom Montag mindestens 35 Ausländer. Sie stammen unter anderem aus China, Japan, den USA, Dänemark und Portugal. Getötet wurde auch ein Ehepaar aus Bern, das dort einen Kiosk betrieben hatte und in Sri Lanka auf Reisen war. Unter den Opfern sind auch die Kinder des reichsten Mannes in Dänemark.

(gux/rol)