Gerüchte um IS-Chef

13. November 2014 07:53; Akt: 13.11.2014 10:39 Print

Steht der Nachfolger von Al-Bagdadi schon fest?

Der Chef der Terrormiliz IS soll verletzt oder sogar tot sein. Das schadet der Terrorgruppe kaum. Im Gegenteil: An Nachfolgern mangelt es nicht.

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Am Wochenende soll der Chef der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) getötet oder verwundet worden sein. Stirbt mit dem selbsternannten «Kalifen» Abu Bakr al-Bagdadi auch die Terrorgruppe? Im Gegenteil, sagen Analysten. Die Organisation werde sich einfach wandeln. Neue Führer würden nachrücken, sagte der ehemalige US-General James «Spider» Marks zur CNN.

Die Terrorgruppe IS hat eine klare Nachfolgeordnung – und ist häufige Wechsel in der Führungsriege gewohnt. Als die Gruppe noch in den Kinderschuhen steckte (und noch mit der Al Kaida verbandelt war), wurden ihre Anführer immer wieder durch britische und amerikanische Militärschläge ausgelöscht: 2006 wurde der Gründer der IS-Terrormiliz, Abu Musab al-Zarqawi, bei einem gezielten Luftangriff getötet. Seine Nachfolger ereilte ein ähnliches Schicksal.

Nur durch solche Wechsel in der Führungsetage sei der derzeitige IS-Führer Al-Bagdadi überhaupt an die Macht gekommen, schreibt der Militärhistoriker Shashank Joshi im britischen «Telegraph».

Al-Turkmani oder Al-Anbari?

Sollte Al-Bagdadi tatsächlich getötet worden sein, ist der Topkandidat für seine Nachfolge die Nummer 2, Abu Muslim al-Turkmani (siehe Infografik). Er ist der Stellvertreter des «Kalifen» und für die IS-Territorien im Irak zuständig. Auch unter dem Namen Fadl Ahmad Abdullah al-Hijali bekannt, soll Al-Turkmani der Einzige sein, dessen Rat Al-Bagdadi auch wirklich annehme, berichtet die «Welt».

Wie der oberste IS-Führer soll auch Al-Turkmani Zeit im US-Gefangenenlager Camp Bucca im Irak abgesessen haben. Das habe Vertrauen innerhalb der jetzigen IS-Führung gestiftet, sagt Lauren Squires vom Institute for the Study of War. Al-Bagdadi und seine Mitgefangenen teilten sich eine Ideologie und den Hass gegenüber dem Westen.

Al-Turkmani diente als hoher Offizier in der Armee des ehemaligen irakischen Diktators Saddam Hussein. «Er hat viele ausserordentliche politische und militärische Fähigkeiten. Das macht ihn zu einem potenziellen Kandidaten», sagte Terrorexperte Peter Neumann vom King's College auf CNN.

Auch Al-Turkmanis Pendant in Syrien, Abu Ali al-Anbari, wäre eine Option für das höchste Amt der Terrororganisation. Der leitende IS-Sprecher war ebenfalls ein hoher Offizier in Husseins Armee.

«Wahl zwischen bekanntem und unbekanntem Teufel»

Ob Al-Bagdadi überhaupt verwundet wurde, ist nicht klar. Bisher haben die US-Behörden keine Hinweise darauf. Vertreter der irakischen Armee wollen derweil entsprechende Hinweise haben. Doch die seit Monaten wenige effektive irakische Armee ist auf derartige Erfolgsmeldungen natürlich auch speziell angewiesen.

Eine gezielte Eliminierung von Topterroristen im Sinne der Antiterror-Strategie von US-Präsident Barack Obamas ist aber auch umstritten. Terrorexperte Colin Clark beschreibt das Dilemma: «Wenn man einen Führer auslöscht, riskiert man einen blinden Fleck in den eigenen Informationen. Dann hat man die Wahl zwischen dem Teufel, den man kennt, und dem Teufel, den man nicht kennt.»

Schon länger mutmassen Experten, warum die USA nicht die Führung des IS in einem sogenannten Enthauptungs-Schlag angreifen. «Foreign Policy» schreibt, die USA hätte in Syrien und im Irak für einen solchen Angriff bislang zu wenig Geheimdienstinformationen gehabt.

Zudem hätten IS-Terroristen ihr Verhalten an die Luftangriffe angepasst. So mischen sie demnach Kämpfer unter die Bevölkerung, reduzieren ihre elektronische Kommunikation und fahren nicht länger in grossen Formationen.

(cfr)