Antisemitischer Angriff in Halle (D)

09. Oktober 2019 18:47; Akt: 10.10.2019 08:12 Print

«Stephan B. schimpfte während Tat über Juden»

Der Schütze von Halle, Stephan B., soll in seinem 35-minütigen Video mehrfach über «Juden» und «Kanaken», hergezogen haben.

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Stephan Balliet steigt aus dem Helikopter. Er ist gerade in Karlsruhe angekommen. Nun wird er zum Gericht gebracht. «Die Geschichte mahnt uns, die Gegenwart fordert uns», sagte der deutsche Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier bei seinem Besuch in Halle. Ein Mann mit Kippa steht vor Kerzen und Blumen vor der Synagoge. Trauernde trösten sich gegenseitig. Die Synagoge wird streng bewacht. Überlebende hatten sich während der Attacke von Stephan B. in einem hinteren Raum der Synagoge versteckt. Rund 70 bis 80 Menschen sollen sich zur Tatzeit in der Synagoge befunden haben. Hier werden sie mit einem Bus vom Tatort weggebracht. Der Schock sitzt tief. Der Jüdische Weltkongress (WJC) hat nach dem Angriff auf eine Synagoge in Halle einen besseren Schutz jüdischer Einrichtungen in Deutschland verlangt. Bei den Angriffen in Halle/Saale haben Defekte an mindestens einer Waffe des Täters allem Anschein nach eine höhere Opferzahl verhindert. Der Attentäter von Halle hatte sein Live-Video von der Tat in Echtzeit im Internet verbreitet. Er nutzte dafür die Streaming-Plattform Twitch, die zu Amazon gehört. Markierungen der Polizei kleben um einen Einschuss in der Schaufensterscheibe des vom Anschlag betroffenen Dönerladens. Einschusslöcher in der Eingangstüre der Synagoge. Am Abend nach der Terrorattacke in Halle haben sich in ganz Deutschland Menschen zur Solidaritätsbekundung versammelt. Auch Kanzlerin Angela Merkel besuchte eine Synagoge in Berlin. Auch am Mittwochabend dauerte der Einsatz in Halle noch an. Stephan B. (27) aus Sachsen-Anhalt soll in Halle zwei Menschen getötet haben, während er sich dabei filmte. Er war der Polizei zuvor nicht bekannt. Gemäss Sicherheitskreisen soll beim Angriff in Halle nur ein Täter involviert gewesen sein. In Wiedersdorf soll er sich ein Taxi besorgt haben, weshalb es am Mittwochnachmittag auch dort einen grösseren Polizeieinsatz gab. In Zürich wird eine Synagoge nach den Anschlägen von der Polizei bewacht. In Halle (Sachsen-Anhalt) fielen am Mittwoch (9.10.2019) Schüsse. Es gab zwei Tatorte. Eine Frau wurde vor einer Synagoge getötet. Ein Mann in einem Döner-Laden. Der mutmassliche Schütze soll eine Schrotflinte sowie ein Sturmgewehr verwendet haben. Im Bild liegen Patronen. Auch eine Handgranate soll geworfen worden sein. Dies wurde von der Polizei bislang nicht bestätigt. Auch die Spezialeinheit der Polizei, die GSG9 ist vor Ort. Eine Person wurde von der Polizei festgenommen. Auch in Landsberg, 10 Kilometer von Halle entfernt, fielen am Nachmittag Schüsse. Das Bild zeigt Polizisten in Halle. Die Polizei ist mit schwerem Aufgebot vor Ort. Strassen wurden aus Sicherheitsgründen abgesperrt. Die Stadt Halle spricht nach den tödlichen Schüssen von einer Amoklage. Der Oberbürgermeister hat den Stab für «Aussergewöhnliche Ereignisse einberufen», teilt die Stadt mit. Alle Einsatzkräfte sind in Alarmbereitschaft versetzt worden. Die Tat ereignet sich am höchsten jüdischen Feiertag Jom Kippur (Versöhnungstag oder Versöhnungsfest). Die jüdische Gemeinschaft feiert ihn als Ruhe- und Fastentag. Der Täter trug wohl eine grüne Armeejacke und hatte ein Sturmgewehr und eine Maske dabei. In Dresden wurde das Aufgebot von Sicherheitskräften augestockt. Polizisten stehen mit automatischen Waffen vor der Synagoge. Einsatzkräfte legen sich ihre Ausrüstung an.

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In Deutschland hat ein schwer bewaffneter Täter am Mittwoch versucht, in einer Synagoge in Halle/Saale ein Blutbad unter rund 80 Gläubigen anzurichten. Der Täter wollte nach Angaben des Zentralrats der Juden mit Waffengewalt in die Synagoge eindringen.

Danach soll der Mann vor der Synagoge und in einem nahen Döner-Imbiss zwei Menschen erschossen haben. Er floh vom Tatort und wurde am Nachmittag festgenommen. Gemäss «Spiegel Online» handelt es sich beim Täter um den 27-jährigen Stephan B. Auf Social Media kursiert ein Video, das B. mit einer Helmkamera aufgenommen haben soll. Darin ist laut dem Onlineportal zu sehen, wie er eine Passantin beim Friedhof und dann einen Gast in einem Döner-Bistro in der Nähe der Synagoge erschiesst. Zuvor hatte er versucht, in das Gotteshaus einzudringen. Als dies nicht klappt, ruft er: «Scheisse, Mann!»

Rund 70 bis 80 Menschen sollen sich zur Tatzeit in der Synagoge befunden haben. Der Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde zu Halle, Max Privorozki, sagt gegenüber der «Stuttgarter Zeitung»: «Wir haben über die Kamera unserer Synagoge gesehen, dass ein schwer bewaffneter Täter mit Stahlhelm und Gewehr versucht hat, unsere Türen aufzuschiessen. Der Mann sah aus wie von einer Spezialeinheit. Aber unsere Türen haben gehalten.»

Stephan B. hätte dann versucht, das Tor des naheliegenden Friedhofs aufzuschiessen. Die Menschen seien sehr geschockt gewesen.

Ein Gläubiger, der während des Anschlags in der Synagoge war, beobachtete über die Überwachungskamera, was draussen geschah. «Wir beteten gerade. Plötzlich gab es einen Knall. Ich ging zum Gang und sah, dass Rauch ins Gebäude kommt. Wie nach einer Explosion», sagt er gegenüber der «Bild».

Der Grossteil der Gläubigen, darunter Senioren und Frauen, soll sich daraufhin in einem hinteren Raum der Synagoge versteckt haben. Der 31-Jährige soll mit fünf anderen Männern vorne geblieben sein: «Wir haben die Tür zum Gebetsraum mit Stühlen verbarrikadiert. Wir waren bereit, zu kämpfen», so der Mann.

Auf einem Bildschirm mussten sie mit ansehen, wie Stephan B. auf die Tür eintritt und schiesst. Sie alle hätten gedacht, dass er «in zwei, drei Minuten reinkommt und zu schiessen beginnt». Die Polizei sei längst informiert gewesen: «Wir fragten uns, wann endlich Hilfe kommt.»

Als seine Versuche, durch den Haupteingang ins Gebäude zu gelangen scheitern, lässt B. von der Tür ab, erschiesst eine Passantin und daraufhin den Gast im Döner-Bistro.

B. forderte in einer Werkstatt ein Auto

Nachdem er die beiden Opfer getötet hat, wird B. bei einem kurzen Schusswechsel mit der Polizei angeschossen, schreibt die «Bild». Dann fährt er nach Wiedersdorf in Landsberg. Dort verlangt er in einer Werkstatt ein Auto. Als die Mitarbeiter erklären, dass sie keines hätten, zeigt B. auf ein Taxi und sagt: «Da steht doch eines.»

Schliesslich kommt ein weiterer Mann hinzu und sagt zu B., er könne das Auto nicht haben. B. eröffnet daraufhin das Feuer, der Mann wird verletzt. Mit dem Taxi flüchtet B. anschliessend. Auf einer Landstrasse kollidiert er schliesslich mit einem LKW. Kurz darauf wird B. festgenommen.

Stephan B. schimpfte über Juden

B. soll in seinem 35-minütigen Video mehrfach über «Juden» und «Kanaken», hergezogen haben. Der Täter erklärt darin mit Akzent auf Englisch, dass es den Holocaust nie gegeben habe und Juden an allem schuld seien, etwa Feminismus, Klimawandel und Massenmigration.

B. war laut «Spiegel Online» zuvor nicht polizeibekannt. Er stammt aus Sachsen-Anhalt. Laut der Nachrichtenagentur dpa lebt er in Halle, wie ein Nachbar seines Vaters erklärt. Vor rund 10 Jahren sei er bei seinem Vater in Helbra, westlich von Halle, ausgezogen. Die Mutter lebe in Brenndorf, das neben Helbra liegt. B. soll ausserdem eine ältere Schwester haben. Er sei ein ruhiger Mensch und sei viel zu Hause gewesen, sagt der Nachbar des Vaters.

Internetdienste wollen Video stoppen

Grosse Unternehmen haben nur Stunden nach dem Anschlag auf die Synagoge in Halle das Live-Video der Tat von ihren Plattformen gelöscht. «Wir stehen in engem Kontakt miteinander und bleiben entschlossen, die Online-Verbreitung von gewalttätigen und extremistischen Inhalten zu stören», erklärte die Gruppe «Global Internet Forum to Counter Terrorism» in den USA am Mittwoch. Zu den Mitgliedern gehören Facebook, Google, Microsoft und Twitter. Um die Videos automatisch zu entfernen, wird die sogenannte «Hashing»-Technologie angewendet. Diese wurde nach dem Anschlag in Christchurch in Neuseeland im März diesen Jahres entwickelt.

Der Attentäter von Halle hatte sein Live-Video von der Tat in Echtzeit im Internet verbreitet. Er nutzte dafür die Streaming-Plattform Twitch, die zu Amazon gehört. Twitch ist eine Abspielstätte für die Übertragung von Videospielen. Dabei werden die Spiele, oft Ego-Shooter, von anderen Spielern betrachtet und verfolgt. Das Video von Halle ist zum Teil ebenfalls wie ein Ego-Shooter gefilmt. Es ähnelt dem Filmmaterial aus Christchurch, in dem der Schütze mit einer Helmkamera aus der Ich-Perspektive die Tötung von 51 Menschen in zwei Moscheen filmte und live im Internet übertrug. Wie bei Christchurch verbreiteten sich Kopien und Teile der Aufnahmen aus Deutschland schnell im Internet - sowohl durch Anhänger der antisemitischen Ideologie des Attentäters als auch durch Menschen, die die Tat verurteilen.
Auf seinem offiziellen Twitter-Account gab Twitch bekannt, dass das Video von 5 Personen live gesehen wurden und es nach der Tat noch von 2200 Nutzern abgerufen wurde. Nach 30 Minuten habe das Unternehmen das Video von der Internetplattform gelöscht.

(vro)