Acht Jahre nach 9/11

09. September 2009 15:06; Akt: 10.09.2009 13:26 Print

Suche nach Bin Laden ist «tiefgefroren»

von Peter Blunschi - Acht Jahre nach den Anschlägen vom 11. September 2001 ist Osama bin Laden immer noch spurlos verschwunden. Sicherheitsexperten und CIA-Leute geben zu, dass man keine Ahnung hat, wo der Al-Kaida-Chef steckt.

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In den letzten acht Jahren konnten diverse Al-Kaida-Kaderleute ausgeschaltet werden, doch der Chef ist nach wie vor auf freiem Fuss. Schlimmer noch: Offenbar ist es der Weltmacht USA nicht gelungen, auch nur eine brauchbare Spur von Osama bin Laden zu finden, seit er Ende 2001 aus seinem Höhlenversteck Tora Bora im Osten Afghanistans fliehen konnte. Darauf deutet ein Gesprächsvermerk aus einem Treffen von US-Experten im Juni in New York hin, wonach die auf den Sieg über Al-Kaida und die Ergreifung Bin Ladens ausgerichtete Anti-Terror-Kampagne «nicht nur kalt ist, sondern tiefgefroren».

In dem der Deutschen Presse-Agentur vorliegenden Papier räumt ein US-Experte ein, «dass wir über Jahre hinweg buchstäblich keine genauen Informationen über die physischen Aufenthaltsorte von Bin Laden oder seinem Stellvertreter Aiman al-Sawahiri gehabt haben». Man habe auch keine Ahnung, «wie Al-Kaidas komplexes und bemerkenswert sicheres und effizientes Kommando- und Kommunikationssystem eigentlich funktioniert».

«Bin Laden bewegt sich von Dorf zu Dorf»

Gegenüber der «Times» bestätigte Art Keller den Befund. Er ist einer von «schätzungsweise 50 bis 100 CIA-Agenten», die seit dem 11. September 2001 hinter Osama bin Laden her waren. Es gebe seit Jahren nicht eine brauchbare Spur von ihm. Einige CIA-Jäger würden ihn «Elvis» nennen, wegen den vielen Falschmeldungen über seine angebliche Sichtung.

Keller glaube, dass Bin Laden sich in der pakistanischen Region Waziristan im Grenzgebiet zu Afghanistan von einem Dorf zum anderen bewege, so die «Times». Der Terrorchef benutze nie ein Telefon und kommuniziere vielleicht einmal pro Monat über einen Kurier. Er werde von einer kleinen Gruppe Leibwächter begleitet und geniesse nach paschtunischer Sitte den Schutz der Dorfgemeinschaft, wobei ein Bestechungsgeld nachhelfe.

Das grösste Problem für die Fahnder ist gemäss Art Keller, dass jene, die ihn verraten und das Kopfgeld von 25 Millionen Dollar kassieren wollten, sich an niemanden wenden könnten. Die lokale Polizei stecke mit Bin Laden unter einer Decke. «Wenn man Bin Ladens Aufenthaltsort meldet, ist die Wahrscheinlichkeit gross, dass man getötet wird», so Keller. Ein Ende der Jagd ist deshalb für den CIA-Mann nicht in Sicht.