30 Jahre nach dem Krieg

21. Dezember 2011 21:45; Akt: 22.12.2011 08:28 Print

Südamerika vereint gegen Grossbritannien

von Ralf Meile - Sie gehören Grossbritannien, doch auch Argentinien erhebt Anspruch auf die Falkland-Inseln. 1982 entbrannte im Südatlantik ein Krieg. Nun spitzt sich der Konflikt wieder zu.

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Präsidentin Cristina Kirchner will die UNO einschalten, damit die Falkland-Inseln nicht mehr Teil Grossbritanniens sind, sondern Argentinien zugesprochen werden. (Bild: Keystone)

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«Sie gehören zu uns wie Diego Maradona, Evita Peron und der Tango.» Mit dieser Feststellung machte der argentinische Autor und Falkland-Kriegsveteran Edgardo Esteban einst klar, was für ihn Sache ist: Die Falkland-Inseln sind ein Teil Argentiniens. Knapp dreissig Jahre sind seit dem gegen die Briten verlorenen Krieg um die Inseln vergangen. Der Konflikt war nie eingeschlafen, Argentinien beharrte stets auf seinem Anspruch auf das britische Territorium.

Nun bekommt Buenos Aires Schützenhilfe von seinen Nachbarstaaten. Am Gipfel der südamerikanischen Wirtschaftsgemeinschaft Mercosur haben Argentinien, Brasilien, Paraguay und Uruguay einen Bann für Schiffe mit Falkland-Flagge verhängt. Sie beschlossen in Uruguays Hauptstadt Montevideo, dass diese Schiffe ihre Häfen nicht mehr anlaufen dürfen. Dass auch das Binnenland Paraguay ins Boot geholt werden konnte, zeigt dass die Solidarität mit dem Nachbar gross ist.

London besorgt, Buenos Aires glücklich

Die britische Regierung reagierte mit einer offiziellen Mitteilung. Sie sei «sehr besorgt über den jüngsten argentinischen Versuch, die Inseln zu isolieren.» Niemand solle indes an der britischen Entschlossenheit zweifeln, das Recht der Inselbewohner zu schützen, sagte ein Sprecher des Aussenministeriums in London. Die britischen Botschafter in der Region wurden beauftragt, dem Thema oberste Priorität einzuräumen.

Im «London Evening Standard» forderte der einstige Befehlshaber der Royal Navy, Lord West, die Entsendung eines Atom-U-Boots zu den Falkland-Inseln. Als Antwort auf die «aggressive Entscheidung» der Mercosur-Staaten solle die britische Armee in der Gegend zudem vermehrt militärische Übungen durchführen.

Argentiniens Präsidentin Cristina Kirchner dankte ihren Mercosur-Partnern für die «enorme Solidarität mit den Malvinas» (dem spanischen Namen für die Falkland-Inseln). Der Gipfel-Beschluss diene auch der Verteidigung der anderen Mitglieder, sagte sie.

Es geht um viel Geld

Seit 1833 sind die rund 200 Falkland-Inseln britisches Überseegebiet. Argentiniens Anspruch darauf eskalierte 1982 in einem Krieg, bei dem rund 1000 Menschen ihr Leben verloren. Nachdem der Konflikt in den letzten Jahren etwas in Vergessenheit geraten war, droht er nun wieder zu entflammen. In der Gegend werden etwa 60 Milliarden Barrel Öl vermutet. Eine britische Firma war letztes Jahr auf Öl gestossen.

Kirchner warf Grossbritannien am Mercosur-Gipfel vor, argentinische Ressourcen zu stehlen. Des Weiteren forderte sie die internationale Staatengemeinschaft dazu auf, neu über die Zugehörigkeit der Falkland-Inseln zu verhandeln. «Wir verlangen von Grossbritannien nicht, dass es den Anspruch Argentiniens nun einfach so akzeptiert», erklärte Kirchner. «Aber die Briten sollen sich mit der UNO zusammensetzen und reden, reden und nochmals reden.»

Die Nachbarländer haben sich wohl auch deshalb mit Argentinien solidarisiert, weil sie hoffen, ebenfalls vom Öl profitieren zu können. «Es geht nicht bloss um Argentinien», machte Cristina Kirchner klar, «das ist eine globale Angelegenheit. Die Briten nehmen unser Öl weg und plündern unsere Fischgründe.» Uruguays Präsident José Mujica betonte, man habe nichts gegen Grossbritannien – aber man habe sehr viel Sympathie für Argentinien.

Bann wohl eher symbolisch

Die Bewohner der Inselgruppe stammen mehrheitlich von britischen Siedlern ab. Sie sind deshalb auch heute noch zum grossen Teil pro-britisch eingestellt. Ihr Geld verdienen sie als Fischer oder Schafzüchter, das wichtigste Exportgut ist Wolle. Mehr als 400 Kilometer vom südamerikanischen Festland entfernt, fühlt sich Roger Spink bereits heute isoliert. Der Präsident der Handelskammer der Inseln beklagt sich im Gespräch mit der BBC: «Wären wir Palästina, die EU würde schon lange Sturm laufen.»

Vom Bann seien 20 Schiffe betroffen. Effektive Auswirkungen auf das Leben auf den Falkland-Inseln habe die Aktion aber wohl kaum. «Aber es ist trotzdem eine Bestrafung der 3000 Einwohner durch Argentinien», empört sich Spink. BBC zitiert zudem Aussagen von Inselbewohnern, wonach sie bereits einen Plan gegen den Boykott hätten.

George Grant, Forschungsbeauftragter am Henry-Jackson-Society-Institut, hält die Bedrohungslage für ernst. «Der Bann der Schiffe ist irgendwo zwischen einem gewöhnlichen Streit und einer Situation einzuordnen, die eskalieren könnte», sagte er der Nachrichtenagentur Reuters. Militärische Aktionen erwarte er nicht. Er rechne aber damit, dass Argentinien und seine Nachbarstaaten weiterhin gemeinsam Druck auf Grossbritannien ausüben.

Die Rache des Fussballgotts

Der geniale Diego Maradona rächte die argentinische Kriegsniederlage einst mit seinem berühmten Tor mit der «Hand Gottes» an der WM 1986. Keine Sekunde lang habe er es bedauert, im Viertelfinal gegen England mit der Hand getroffen zu haben. Seine Kollegen hätten zunächst nur verhalten gejubelt, weil sie sofort gemerkt hätten, dass das Tor «geraubt» war. «Aber ich habe ihnen gesagt: ‹Wer einen Räuber beklaut, dem wird 100 Jahre lang vergeben›», rechtfertigte sich Maradona Jahre später.

Vom klimatischen Standpunkt her gesehen ist der Fall jedoch eindeutig: Die Falkland-Inseln sind britisch. Denn es regnet oder schneit an durchschnittlich 200 Tagen im Jahr.


Die Rede von Cristina Kirchner (Quelle: telegraph.co.uk).

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Thomas am 22.12.2011 10:01 Report Diesen Beitrag melden

    Die Falkländer

    Nun, es geht ja darum, dass die Falkländer nicht unabhängig sein wollen. Ich denke, dass die Falkländer das deshalb nicht so toll fänden, wenn ihr Mutterland sie plötzlich aufgibt und man nun einfach quasi ihre Nationalität ändert. Die haben mit Argentinien, bis auf die geographische Nähe, nichts am Hut und sind als Briten geboren.

  • Jackman am 21.12.2011 23:18 Report Diesen Beitrag melden

    Nun ja, ...

    Geografisch würde ich auch sagen, das diese Inseln zu Südamerika gehören. Aber dann müsste man auch Grönland z.B. von Dänemark trennen, welches geografisch gar nicht zu DK gehören kann. Es mag vielleicht noch ähnliche Beispiele geben, wobei hier zwar mit der Geografie argumentiert wird, in Wahrheit aber wahrscheinlich um Profit geht, nämlich um Erdöl. Die Argentinier dürfen nicht vergessen, dass auch sie einst ihr Land für die Krone eroberten, welches aber den Ureinwohner gehörten u nehmen ihnen den Rest auch heute noch weg, alles nur des Profit wegen.

  • John Kipkoech am 22.12.2011 14:37 Report Diesen Beitrag melden

    Falkland remains British!

    Es handelt sich um einen politischen Coup der argentinischen Präsidentin um von Inland-Problemen abzulenken und sich zu profilieren. Die Falkländer haben und hatten das Recht selber über ihr Schicksal zu bestimmen und wollen Engländer sein!

Die neusten Leser-Kommentare

  • Heri Meyer am 24.12.2011 15:31 Report Diesen Beitrag melden

    Demokratie

    Sollen sie doch eine demokratische Volksabstimmung machen und alle akzeptieren dann das Resultat ... oder ? ;-)

  • Johann Ohnefurcht am 24.12.2011 06:07 Report Diesen Beitrag melden

    Zurück zu den Grenzen von 1477 !

    Das Burgund muss schweizerisch bleiben! ;=)

  • Timm Ska am 23.12.2011 12:19 Report Diesen Beitrag melden

    Die Briten isolieren sich gerne selbst

    Ich finde die Isolation Cubas durch die Amis viel schlimmer. Wenn die Briten meinen sie bräuchten Inseln am anderen Ende der Welt, dann sollten sie auch die Infrastruktur von GB aus aufbauen und dafür zahlen. Innerhalb der EU wollen sie auch nur mitbestimmen aber nicht mitmachen. Wenn Briten auf das europäische Festland gehen sagen sie sie würden nach Europa und nicht auf den Kontinent gehen...

  • SwizzSerb am 22.12.2011 22:43 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Islas Malvinas...

    Gehören zu Argentinien! Meine volle Untetstützung dem stolzen argentinischem Volk!

  • Reto Stadelman am 22.12.2011 15:06 Report Diesen Beitrag melden

    GB sollte der EU doch besser helfen

    Ist zwar nur am Rande mit dem Thema verbunden, aber ich denke es wäre ganz gut für Grossbritanien sich zu überlegen ob sie der EU mit ihren Problemen nicht doch helfen will... Es könnte ja sein, dass man sie dan im Gegenzug ebenfalls unterstüzt... Aber ansonsten, naja, warum sollte man Argentiniens Ansprüche nicht mal genau prüfen? Immerhin ist die Zeit der Kolonialisierung schon lange vorbei... Ich sähe keinen Grund, Argentinien die Inseln nicht zuzugestehen...