Reaktion auf Atomtest

07. Januar 2016 11:17; Akt: 07.01.2016 15:14 Print

Südkorea will Kim mit Propaganda beschallen

Wieder einmal dreht sich auf der koreanischen Halbinsel das Rad der Eskalation: Südkorea droht dem Norden nach dem Bombentest mit Vergeltung.

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Reaktion auf Bombentest: Proteste in der südkoreanischen Stadt Seoul. (7. Januar 2016) (Bild: Keystone/Ahn Young-joon)

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Als Vergeltung für den nordkoreanischen Atomtest will Südkorea die Beschallung des Nordens mit Propaganda wieder aufnehmen. Die Übertragungen sollen am Freitag beginnen – dem mutmasslichen Geburtstag des nordkoreanischen Führers Kim Jong Un, wie Präsidentin Park Geun Hye am Donnerstag mitteilen liess. In den Übertragungen wird die Unfehlbarkeit der Herrscherfamilie Kim infrage gestellt. Pyongyang sieht in der Beschallung einen Kriegsakt. Die USA und Japan drohten Nordkorea mit einer starken internationalen Reaktion.

Tags zuvor hatte der Norden bekanntgegeben, man habe erfolgreich eine «miniaturisierte» Wasserstoffbombe getestet. Das stiess international auf scharfe Kritik. Allerdings wurden die Angaben auch in Zweifel gezogen, da die Detonation für eine solche Bombe nicht stark genug gewesen sei. Doch meldeten auch westliche Beobachter Anzeichen, dass es einen Atomtest gab. Der UN-Sicherheitsrat verurteilte diesen.

Bis Ende August in Betrieb

Experten versuchen, mehr Details über die Detonation herauszufinden. Es könnte allerdings Monate dauern, bis bestätigt oder dementiert werden kann, dass es sich tatsächlich um den Test einer Wasserstoffbombe gehandelt hat.

Die an der Grenze zum Norden postierten Lautsprecher waren zuletzt Ende August in Betrieb. Wenige Wochen zuvor waren sie nach elfjähriger Unterbrechung in Betrieb genommen worden, nachdem eine angeblich von Nordkorea platzierte Mine zwei südkoreanischen Soldaten verstümmelt hatte. Nordkorea reagierte auf die Beschallung mit einer Kriegsdrohung. Schliesslich einigten sich die beiden Länder nach langen Verhandlungen auf eine Deeskalation. Nordkorea bedauerte die Explosion, der Süden schaltete seine Lautsprecher wieder ab. Teil der Vereinbarungen war, erstmals seit Anfang 2014 wieder Treffen von Familien zu erlauben, die durch den Koreakrieg in den 1950er Jahren getrennt wurden.

Gespräche mit USA

Die USA, Südkorea und Japan drohten Nordkorea mit Vergeltung. Dafür werde Washington mit seinen Verbündeten die Zusammenarbeit verstärken, teilte das Weisse Haus nach einem Gespräch zwischen Präsident Barack Obama, der südkoreanischen Präsidentin Park und Japans Regierungschef Shinzo Abe mit. Die Regierung in Seoul hatte bereits am Donnerstag erste Konsequenzen gezogen: Der Zugang zum gemeinsam mit Pyongyang betriebenen Industriepark Kaesong wurde eingeschränkt.

Südkorea begann Gespräche mit den USA über die Entsendung strategischer Anlagen, wie das südkoreanische Verteidigungsministerium mitteilte ohne Details zu nennen. Dabei könnte es um die Verlegung von US-Atom-U-Booten und Kriegsflugzeugen auf die koreanische Halbinsel gegangen sein.

Zerstörerische Bombe

Wütend auf Nordkorea sind auch einige Bürger Südkoreas. Sie verbrannten in Seoul eine Puppe des nordkoreanischen Machthabers Kim Jong Un und zerschnitten die nordkoreanische Flagge. Von ihrer eigenen Regierung verlangten die rund 150 Personen in Seoul harte Gegenmassnahmen.

Wasserstoffbomben sind zerstörerischer als Atombomben, jedoch viel schwieriger herzustellen. Nordkorea soll bereits über eine Handvoll Atombomben verfügen und sich seit langem bemühen, Atomsprengköpfe zu bauen, die auf einer Rakete mit einer Reichweite bis zum Festland der USA montiert werden können. Der Westen befürchtet, dass Nordkorea diesem Ziel mit jedem weiteren Atomtest näherkommen könnte.

(dia/sda)