Rebellenangriff

10. Februar 2011 13:26; Akt: 10.02.2011 13:37 Print

Südsudan kommt nicht zur Ruhe

Im Südsudan ist auch nach der Abspaltung vom Sudan keine Ruhe eingekehrt. Bei Kämpfen mit Rebellen sind mehrere Menschen gestorben. Die UNO warnt.

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Ein Südsudanese feiert das offizielle Abstimmungsresultat am 7. Februar 2011. Er hat seine Hände mit dem Blut einer geopferen Kuh gefärbt. Der Leiter des Wahlbüros, Mohamed Ibrahim Khalil (rechts), überreicht das offizielle Endergebnis des Unabhängigkeitsreferendums (98,8 Prozent Zustimmung) dem Präsidenten des Südsudans, Salva Kiir. Der Präsident des Sudans, Omar al-Baschir, akzeptierte das Resultat kurz vor dessen offizieller Verkündigung. Die Südsudanesen feierten wochenlang die sich abzeichnende Unabhängigkeit. Hier ein Mann des Toposa-Stammes in der Stadt Kapoeta am 5. Februar 2011. Bereits nach der Auszählung von 3,2 Millionen Stimmen stand fest: Der Südsudan will die Unabhängigkeit. 99 Prozent sprachen sich in dem am 15. Januar zu Ende gegangenen Referendum für einen eigenen Staat aus. Die Abstimmung über die Unabhängigkeit des Südsudan hatte am 9. Januar begonnen. Vor den Wahllokalen tanzten und sangen viele Menschen wie hier in der Hauptstadt Juba. Junge Hirten vollziehen Luftsprünge ausserhalb Jubas. Rund vier Millionen Bürgerinnen und Bürger waren zu den Urnen gerufen. Am ersten Tag der Abstimmung haben sich lange Schlangen vor den Wahllokalen gebildet (Juba). Grosser Andrang in Juba. Salva Kiir Mayardit, der Präsident des Südsudan, stimmte auch in Juba ab. Das Referendum ist der Höhepunkt eines jahrzehntelangen Freiheitskampfes, der vor allem durch die sudanesische Volksbefreiungsarmee (SPLA) geführt wurde. Rund 4000 Beobachter begutachten das Referendum. Darunter sind auch Prominente wie der US-Schauspieler George Clooney, ... Der US-Senator und ehemalige Präsidentschaftskandidat John Kerry (links), ... ... der frühere UNO-Generalsekretär Kofi Annan (rechts) und Jimmy Carter, US-Präsident von 1977 bis 1981.

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Bei Kämpfen zwischen Truppen der südsudanesischen Regierung und einer Rebellenmiliz sind am Mittwoch mindestens 16 Menschen getötet worden. Aufständische hätten mehrere Angriffe auf die Sudanesische Volksbefreiungsarmee (SPLA) verübt, sagte ein SPLA-Sprecher am Donnerstag.

Die Rebellen hätten vier Soldaten umgebracht, die SPLA habe im Gegenzug zwölf Angreifer getötet. Die Rebellen hatten den Angaben zufolge mehrere Minen gelegt und zwei SPLA-Laster in die Luft gesprengt. Die Angriffe konzentrierten sich auf die Stadt Fangak im südlichen Bundesstaat Jonglei.

Die SPLA hatte mit den Rebellen am 5. Januar einen Waffenstillstand unterzeichnet. «Die Verletzung des Abkommens ist wirklich sehr enttäuschend», sagte der Armeesprecher dazu.

Der mutmasslicher Rebellenchef George Athor hatte früher selbst der SPLA angehört, begann aber einen Aufstand, nachdem er im vergangenen April die Wahl zum Gouverneur des Bundesstaates Jonglei verloren hatte.

UNO fordert Beistand für Sudan

Der UNO-Sicherheitsrat hat derweil die Staatengemeinschaft aufgefordert, dem Sudan bei seinem Weg in die Zukunft Beistand zu leisten. Gleichzeitig äusserte sich das Gremium am Mittwoch zutiefst besorgt über die zunehmende Gewalt und Unsicherheit in der sudanesischen Krisenregion Darfur.

Jüngste Verstösse gegen den Waffenstillstand, Attacken von Rebellen und die Bombardierung durch das sudanesische Militär hätten etwa 43 000 Zivilisten aus ihren Dörfern und Lagern vertrieben. Der Rat ermahnte das Land erneut, Verbrechen in Darfur zu sühnen und endlich Schluss zu machen mit der Straffreiheit für die Verantwortlichen.

Der Internationale Strafgerichtshof in Den Haag hatte 2008 einen Haftbefehl gegen Sudans Präsidenten Omar al-Bashir erlassen, ohne ihn bisher zur Verantwortung ziehen zu können. Ihm wird Unterstützung der Kriegsverbrechen in Darfur angelastet.

Südsudan im Umbruch

Der Südsudan befindet sich nach einer Volksabstimmung im Januar über einen eigenen Staat im Umbruch, im Juli soll aus der bisher teilautonomen Region ein unabhängiger Staat werden.

Nach dem zu Wochenbeginn veröffentlichten Endergebnis der historischen Abstimmung hatten fast 99 Prozent der südsudanesischen Wähler für einen eigenen Staat gestimmt. Angesichts ethnischer Spannungen und einer bislang unzureichend funktionierenden Polizei und Justiz steht der Südsudan jedoch noch vor erheblichen Herausforderungen, bis ein stabiler Staat erwartet werden kann.

(sda)