Neue EU-Kommissionspräsidentin

17. Juli 2019 16:22; Akt: 17.07.2019 17:42 Print

Darum brauchte von der Leyen ein Pseudonym

Ärztin, siebenfache Mutter, Goldkehlchen, als erste Frau an der Spitze der EU. Wer ist eigentlich die neue Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen?

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Ursula von der Leyen hat es an die Spitze der EU-Kommission geschafft. Die bisherige Bundesverteidigungsministerin erhielt am Dienstag mit 383 von 747 Stimmen äusserst knapp die notwendige absolute Mehrheit im Europaparlament,. Von der Leyen wird damit am 1. November Nachfolgerin des scheidenden Amtsinhabers Jean-Claude Juncker aus Luxemburg. Am Dienstagmorgen hielt sie ihre Bewerbungsrede im EU-Parlament. Die Wahl findet ab 18 Uhr statt. Darin forderte die deutsche Politikerin die Verteidigung des europäischen Lebensstils. Angesichts von Herausforderungen wie Klimawandel, demografischem Wandel und Digitalisierung müsse die EU Einheit zeigen und für ihre Werte einstehen, sagte von der Leyen in Strassburg. «Wenn wir im Inneren vereint sind, wird uns niemand von aussen spalten.» Die deutsche Politikerin begann Ihre Rede auf Französisch, sprach dann auf Deutsch und schliesslich auf Englisch. Erstes zentrales Thema war der Kampf gegen den Klimawandel. Sie kündigte an, in ihren «ersten 100 Tagen im Amt» ein Gesetz vorzulegen, in dem das Ziel festgeschrieben ist, bis zum Jahr 2050 Klimaneutralität festzuschreiben. Dabei bezeichnete von der Leyen das bisherige EU-Etappenziel bis 2030 einer Reduzierung der Treibhausgase um 40 Prozent als nicht ausreichend. Die Deutsche sprach sich ausserdem für eine stärkere Besteuerung von grossen Internetkonzernen aus. «Es ist nicht akzeptabel, dass sie Profite machen und keine Steuern zahlen», sagte sie. «Wenn sie profitieren wollen, müssen sie auch die Kosten tragen.» Von der Leyen war nach schwierigen Verhandlungen von den Staats- und Regierungschefs Anfang Juli als Nachfolgerin von EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker vorgeschlagen worden. Ursula von der Leyen singt in den 80er-Jahren mit ihrer Familie. Ursula von der Leyen und ihr Mann Heiko von der Leyen beim Bundespresseball 2011. Familie von der Leyen (Bild aus dem Jahr 2005).

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Steckbrief

• Name: Ursula Gertrud von der Leyen
• Alter: 60
• Grösse: 1,61 m
• Sprachen: Deutsch, perfekt Englisch und Französisch
• Lohn: Als Kommissionspräsidentin wird Ursula von der Leyen künftig 27’903 Euro brutto im Monat verdienen.

Ihre Eltern

Ihr Vater war Generaldirektor bei der EU-Kommission. Danach war er niedersächsischer Ministerpräsident. Ihre Mutter war Germanistin und Hausfrau.

Musterschülerin

Ursula von der Leyen und ihre sechs Geschwister besuchten in Brüssel die Europaschule, wo sie perfekt Französisch und Englisch lernte. Ihr Abitur schloss sie mit der Note 0,7 ab, wie die «Neue Osnabrücker Zeitung» (NOZ) schreibt. In einem taz-Interview im Jahr 2014 erinnerte sie sich vor allem an das Shetlandpony ihrer Brüsseler Kindheit. «Das war so hoch wie breit. Das habe ich geliebt.»

Ihre Geschwister

Ursula von der Leyens Schwester Benita-Eva starb mit elf Jahren. Als ihr Vater pflegebedürftig geworden war, nahm sie ihn in ihr Haus auf. Bruder Hans Albrecht ist CEO des multinationalen Musikstreaming-Service Deezer. Ein anderer Bruder, Donatus Albrecht, war zwischenzeitlich im Vorstand der millionenschweren Beteiligungsgesellschaft Aurelius.

In London hatte sie ein Pseudonym

Von der Leyen lebte 1978 kurzzeitig unter dem Pseudonym Rose Ladson – in Anlehnung an ihre amerikanische Urgrossmutter Mary Ladson Robertson (1883–1960). In einem Interview mit der «Zeit» begründete sie das so: «Ende der siebziger Jahre studierte ich ohne grossen Erfolg in Göttingen Volkswirtschaft. Damals war die Bedrohung durch die RAF sehr akut, an der Göttinger Uni gab es eine breite Sympathisantenszene. Das Landeskriminalamt riet meinem Vater, dem niedersächsischen Ministerpräsidenten, mich zu einem Uni-Wechsel zu bewegen. Ich stand dann vor der Entscheidung: Entweder gehe ich nach Braunschweig mit Personenschutz rund um die Uhr – oder ich lege mir einen anderen Namen zu und gehe nach London an die London School of Economics. Braunschweig wurde es dann nicht.»

Goldkehlchen

Gemeinsam mit ihrer Familie veröffentlichte sie 1978 zwei Lieder auf einer Schallplatte für den guten Zweck:
(Video: Youtube/ Kanal Kischelwetternochemol)

Medizinstudium

Ursula von der Leyen studierte nach dem Abitur Archäologie. Nach zwei Jahren wechselte sie zu Volkswirtschaft. Schliesslich studierte sie an der Medizin und doktorierte. Nach ihrer Promotion im Jahr 1991 nahm sie die Ausbildung zur Fachärztin für Gynäkologie auf und half vielen Babys auf die Welt. Bis 1995 arbeitete sie als Assistenzärztin für Frauenheilkunde in Hannover.

Politkarriere

Ursula von der Leyen begann ihre Karriere in der Politik erst mit Mitte 40. Nach Anfängen als Sozialministerin in Niedersachsen, wurde sie 2005 Bundesfamilienministerin und 2009 Arbeitsministerin. 2013 wurde sie als erste Frau Verteidigungsministerin.

Ihr Ehemann

Von der Leyen ist seit 1986 mit Heiko von der Leyen (64), einem Medizin-Professor und Unternehmer, verheiratet.

(Foto: Getty Images)

7 Kinder und «ein schlechtes Gewissen»

Das Paar hat sieben Kinder: David (*1987); Sophie (*1989); Maria Donata (*1992); Johanna (*1994); Victoria (*1994); Egmont (*1998); Gracia (*1999). «Was hab ich am Anfang für ein schlechtes Gewissen gehabt!», sagte von der Leyen gegenüber dem «Stern» über ihre Zerrissenheit als junge Mutter zwischen Kindern und Karriere.

(Foto: AFP)

Super-Nanny, Flinten-Uschi, Zensursula und Röschen

Während Angela Merkel den Spitznamen «Mutti» trägt, ist es bei Ursula von der Leyen «Super-Nanny»: Als Familienministerin (2005 bis 2009) machte sie sich vor allem für den Ausbau der Kinderbetreuung, Kinderkrippen für Kleinkinder und mehr Ganztagserziehung stark. Als Verteidigungsministerin (2013 bis 2019) nannte man sie auch «Flinten-Uschi». Ihr Engagement für Internetsperren verschafften von der Leyen noch den Übernamen Zensursula. Van der Leyens Vater dagegen nannte seine Tochter «Röschen». 2007 zog von der Leyens Familie auf das Anwesen des Vaters bei Hannover, der an Alzheimer erkrankt war und 2014 starb.

Plagiatsvorwürfe

Im Sommer 2015 wurden Plagiatsvorwürfe bezüglich von der Leyens Dissertation laut. Sie bat ihre damalige Universität um eine Überprüfung. Obwohl eine gewisse Schlampigkeit bemängelt wurde, durfte sie ihren akademischen Grad behalten.

Für Härte geschätzt

In der CDU wird laut der NZZ die kleine, drahtige Frau von vielen für ihren Fleiss und ihre Härte geschätzt. Als Parteichefin aber hätte sie keine Chancen gehabt. Zu entrückt, zu elitär wirke sie, schreibt das Blatt.

Sie entsorgt Bremser

Sie gilt laut der deutschen «Tageszeitung» als harte Chefin, «die Bremser entsorgt» und «Treiber installiert».

Überzeugte Europäerin

Von der Leyen gilt als eine überzeugte Europäerin. Bereits ihr Vater hatte als hoher Beamter in der EU-Kommission gearbeitet, sie selbst ist in Brüssel geboren und teilweise auch zur Schule gegangen. Gegenüber dem Nachrichtenmagazin «Spiegel» sagte sie: «Mein Ziel sind die Vereinigten Staaten von Europa – nach dem Muster der föderalen Staaten Schweiz, Deutschland oder den USA.» Ansonsten sind kaum Äusserungen der Politikerin zur Schweiz bekannt.

(dp/mg)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Datenschutzdude am 17.07.2019 16:45 Report Diesen Beitrag melden

    überzeugte Europäerin?

    Eine überzeugte Europäerin würde dafür sorgen, dass der europäische Teil der Internetinfrastruktur nicht noch absichtlich mit Sicherheitslücken für die amerikanischen Geheimdienst versehen würde, wie gerade gefordert. Eine überzeugte Europäerin würde ihr eigenes Volk mittels Verschlüsselung und dezentralen Lösungen vor den Organisationen mit den 3 Buchstaben schützen, anstatt sie ihnen mittels Massenüberwachung zum Frass vorzuwerfen. Ergo : Alles Theater, eine Bilderbergerin und Transatlantikerin die alles für die Amerikaner macht. Also erzählt nicht so einen Müll!

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  • Dirk am 17.07.2019 16:41 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    So kann's gehen

    Und jetzt kommt noch ein weiterer Spitzname dazu: aus der früheren Bundesbarbie ist nun die Eurobarbie geworden.

  • Maurus Fritsche am 17.07.2019 16:50 Report Diesen Beitrag melden

    Sinnvoller ist es

    wenn wir bei uns ausmisten.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Mike am 18.07.2019 06:59 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nur positives von Röschen

    Oh wow, das ist ja mal ein 1a geschönter Lebenslauf. Kann sie genauso bei ihrer nächsten Kandidatur verwenden. Nichts von abgebrochenem Studium, nichts von Beraterskandalen oder Gorch Fock Debakel. Man könnte glatt meinen sie kriegt was auf die Reihe, ist nur leider nicht so... Recherche und objektive Berichterstattung sieht anders aus!

    • Carola am 18.07.2019 07:14 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Mike

      Was ist an dem Lebenslauf geschönt? Ihr Studium hat sie beendet. Sie ist promovierte Ärztin, sie war Diejenigen die die Selbstbedienung der Werft bei der Gorch Fock Restaurierung gestoppt hat und hat beim Beraterskandal nichts vertuscht sondern ziemlich offen zu Fehlern gestanden. Also nochmal, was sollte geschönt sein?

    • Sven am 18.07.2019 07:45 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Mike

      Dein Kommentar ist auch nicht gerade ein Beispiel objektiver Berichterstattung. Wo hat von der Leyen ihr Studium abgebrochen. Sie ist Ärztin und sogar promoviert.

    • Lucky she was am 18.07.2019 08:11 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Sven

      Bei den Plagiatavorwürfen wurde bestätigt, dass 25% der gesamten Arbeit ein Plagiat sei. Es stören sich einige daran, dass sie den Doktortitel behalten durfte.

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  • Hemp am 18.07.2019 05:52 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    RAF

    Das Sie Angst vor der RAF hatte zeigt auch, wessen Geistes Kind Sie ist, nur Kapitalisten, Faschisten und andere Menschen-Unterdrücker mussten Angst vor der RAF haben, nicht friedliche Menschen!

  • Gruss aus Bern am 18.07.2019 01:57 Report Diesen Beitrag melden

    Eine Opportunistin wie Merkel,

    die in ihrer sogenannten Bewerbungsrede allen so ziemlich alles versprochen hat, um die nötigen Stimmen irgendwie zusammenzubringen, um sich nach Brüssel absetzen zu können, nachdem sie als deutsche Ministerin komplett versagt hat. Das - an der Heimatfront nicht (mehr) zu gebrauchen - scheint eine Grundbedingung für ein EU-Amt zu sein, die von der Leyen fraglos erfüllt.

  • Das sollten Sie nie vergessen/mth.sch. am 18.07.2019 00:39 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ungebildete sind zu noch mehr fähig

    So 20' ich hoffe dich, dass sich ein, zwei Mitarbeiter von Ihnrn Zeit fanden, den FilSympathisanten Unser Deutscher Herbst, zu Gemüte führten. Sahen Sie den Unterschied zu den heutigen "Unzufriedenen Pseudorebellen". Damals waren es Intellektuelle, Journalisten, Hochschullehrer als vermeintliche Wegbereiter. Diese brachten den RAF-Terrorismus ins Fadenkreuz von Polizei, Presse und Politik. Sie wurden dann Sympathiesanten genannt. Eine Lynchstimmung begann. Zu was dies führte wissen wir. Nun die Frage, was glauben Sie, wozu Berichterstattungen Ihres Blattes führen? Die meisten Ihrer Leser sind zwar Laferies und handeln kaum. Leider jedoch haben Ex-Pediga Mitglieder hier Fusd gefasst. Was denken Sie, zu was diese Leute Ihre, eher Führer suchende, Leserschaft noch anstiften? Sie bieten solchen Anstiftern und Sympathiesanten Hand und Fuss. Eine Überlegung, wie weit Sie noch gehen wollen, betreffend Anstifrung zum Unfrieden mit der Politik, Wirtschaft usw.

  • Rolf Lehner am 17.07.2019 21:08 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Super ist der Juncker weg.

    Egal was sie alles falsch gemacht haben soll, sie ist sicher nicht so eine Saufbirne wie der Juncker und ist im Gegensatz zu ihm völlig sympathisch und sehr hübsch und gepflegt. Wünsche ihr alles Gute und das sie Europa wieder "Salonfähiger" machen. Toi,toi.

    • Leonard am 17.07.2019 21:36 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Rolf Lehner

      Lieber eine Saufbirne, die im angetrunkenen Zustand mehr erreicht als Sie im angeblich nüchternen Zustand. Was immer auch nüchtern bedeutet.

    • Gute Nacht am 17.07.2019 21:57 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Rolf Lehner

      Juncker schlug Sie vor. Er wird jubilieren. Und Sie, Sie werden weiterhin im nüchternen Zustand versauern.

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