25. April 2005 02:56; Akt: 24.04.2005 19:58 Print

Syrische Truppen ziehen ab

Der Abzug der syrischen Truppen aus dem Libanon hat am Sonntag kurz vor dem Abschluss gestanden.

Fehler gesehen?

Auf einem Stützpunkt im Bekaa-Tal, der letzten verbliebenen grösseren Garnison, verbrannten Soldaten Dokumente und verluden Ausrüstung. Ein Regierungsfunktionär in Damaskus sagte der Nachrichtenagentur AP, am Dienstag werde es einen offiziellen Abschiedsappell geben.

Dieser findet auf einem Stützpunkt im grenznahen Ort Rajal statt. Bei einem Appell libanesischer Einheiten soll die Rolle gewürdigt werden, die die Syrer in dem Land spielten, wie ein Offizier mitteilte. Danach sollen die letzten Soldaten das Land verlassen, die nicht bereits am Sonntag abrückten. Die Öffentlichkeit im Libanon reagierte am Sonntag nicht auf den Abzug, die Menschen warteten offenbar auf den offiziellen Abschluss der Militärpräsenz am Dienstag.

Syrien war im September vergangenen Jahres vom Sicherheitsrat der Vereinten Nationen aufgefordert worden, seine Militärpräsenz im Libanon zu beenden, die vor 29 Jahren während des libanesischen Bürgerkriegs begonnen hatte. Zum Zeitpunkt des Ratsbeschlusses waren 14.000 syrische Soldaten im Libanon stationiert.

Die Vereinten Nationen und die USA drangen darauf, dass die Syrer vor der für den 29. Mai angesetzten libanesischen Parlamentswahl abgezogen sein müssten. Mit dem Abzug reagierte Syrien auch auf heftige Proteste der libanesischen Opposition und zunehmenden internationalen Druck nach der Ermordung des früheren libanesischen Regierungschefs Rafik Hariri am 14. Februar.

In der Grenzstadt Andschar, dem Sitz des syrischen Militärgeheimdienstes im Libanon, schien am Sonntag noch alles seinen gewohnten Gang zu gehen. Auf dem Stützpunkt Deir el Ahmar jedoch rollten nach Augenzeugenberichten 15 Panzer auf Tieflader, Soldaten verbrannten Papiere, rissen Mauern ab und verluden Munition auf Lastwagen. Den Berichten zufolge waren am Samstag mindestens zehn syrische Stellungen im Nordteil des Bekaa-Tals geräumt worden. Dutzende Lastwagen transportierten Soldaten ab, auch mindestens 150 Panzerfahrzeuge mit angehängten Geschützen und Raketenwerfern passierten die Grenze nach Syrien.

Hariris Sohn kandidiert bei der Wahl

Hariris Sohn Saad Hariri sagte am Samstag dem amerikanischen Fernsehsender CNN, er werde bei der Wahl Ende Mai kandidieren. Er beabsichtige, die Arbeit seines Vaters fortzuführen, der einen freien und unabhängigen Libanon angestrebt habe. Zugleich bekundete er «volles Vertrauen» in die UN-Ermittlungen zum Bombenanschlag in Beirut, der seinen Vater das Leben kostete.

(ap)