Schlagabtausch

20. September 2011 21:27; Akt: 21.09.2011 10:01 Print

TV-Farce um den «Schimpansen» DSK

von Manuel Jakob - Der Vorwurf der versuchten Vergewaltigung gegen Strauss-Kahn, erhoben von Tristane Banon, wird zum TV-Duell. DSK sprach von einer Einbildung, jetzt schlägt Banon zurück.

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Nach der Gegenüberstellung mit Tristane Banon verlässt DSK das Poliziegebäude lächelnd. Banon äusserte sich später bei TF1 zur Gegenüberstellung. Unzählige Journalisten und Kameraleute hatten ihm aufgelauert. Die Gegenüberstellung dauerte 2 1/2 Stunden. Banon wirft dem Ex-IWF-Chef versuchte Vergewaltigung vor. Im Februar 2003 soll er bei einem Interview versucht haben, sie zu vergewaltigen. Banon wirkt bei dem Gespräch zwar angespannt, gelegentlich aber kommt ein Lächeln über ihre Lippen. Sie ist mit ihrem Anwalt David Koubbi im Studio. Tags zuvor hatte Dominique Strauss-Kahn in einer Live-Sendung des Fernsehsenders TF1 erstmals öffentlich Stellung zu den Vorwürfen des New Yorker Zimmermädchens Nafissatou Diallo genommen. Kurz stellte er dabei auch seine Sicht der Dinge im «Fall Banon» dar. Dabei bezeichnete der 62-Jährige seinen sexuellen Kontakt mit der Hotelangestellten als «eine unangemessene Beziehung» und einen «moralischen Fehler». Es habe aber weder «Gewalt, Zwang noch Aggression» gegeben. Das Verfahren gegen den früheren IWF-Chef wurde am 23. August 2011 eingestellt. Dem Franzosen war vorgeworfen worden, am 14. Mai 2011 eine Hotelangestellte des New Yorker Nobelhotels Sofitel vergewaltigt zu haben. Bild: Dominique Strauss-Kahn (2.v.r.) mit seiner Ehefrau Anne Sinclair auf dem Weg zum Gericht. Der Fall war Aufsehen erregend. Strauss-Kahn musste beim IWF zurücktreten und seine Kandidaturpläne für die französischen Präsidentschaftswahlen aufgeben. Grund für die Einstellung des Verfahrens war die fehlende Glaubwürdigkeit des Opfers Nafissatou Diallo (Bild). Dennoch hat der Franzose weitere Klagen am Hals: Diallo verklagte ihn am 8. August auf Schadensersatz in unbekannter Höhe. Auch die Französin Tristane Banon hat Dominique Strauss-Kahn angezeigt. Er habe sie im Jahr 2003 zu vergewaltigen versucht. Frauenorganisationen protestieren gegen den Entscheid. Die Botschaft ist deutlich.

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Am Sonntag hatte sich Dominique Strauss-Kahn in einem Interview beim französischen Fernsehsender TF1 gegenüber der Moderatorin Claire Chazal erstmals zu seiner sexuellen Affäre mit einer New Yorker Hotelangestellten geäussert. Darin ist er auch auf die Vorwürfe der Autorin Tristane Banon eingegangen, die ihn wegen versuchter Vergewaltigung während eines Interviews im Jahr 2003 angezeigt hat. Die Aussage Banons wies er als erfunden zurück, sprach von einer «eingebildeten Version». Es habe «keinen Akt der Aggression, keine Gewalt» gegeben. Mehr wolle er zu dem Fall nicht sagen, weil die polizeilichen Ermittlungen zu den Vorwürfen noch liefen.

Tags darauf sass ebendiese Tristane Banon in einem anderen französischen Fernsehstudio, nämlich demjenigen des Senders Canal+, und legte ihren Standpunkt dar. «Meine Leichtigkeit habe ich am 11. Februar 2003 verloren», sagte sie und erzählte aus ihrer Sicht, was sich an jenem verhängnisvollen Tag abgespielt habe. Sie hätten sich damals in einer Pariser Privatwohnung für ein Interview getroffen, wie «Le Monde» berichtet. Von Anfang an habe sie sich nicht wohlgefühlt, aber «ich hätte mir nicht vorstellen können, was passieren würde». Er habe die Wohnungstür mit einem Schlüssel abgeschlossen und ihn zweimal im Schloss gedreht. Sehr schnell seien sie daraufhin in einen Kampf verwickelt gewesen. Banon kommt in ihren Ausführungen in dem Interview zu einem eindeutigen Schluss: «Wenn ich nicht sehr, sehr viel Glück gehabt hätte, wäre es zu einer Vergewaltigung gekommen.»

Sollte die französische Staatsanwaltschaft ihre Anzeige nicht weiterverfolgen, so behält sich die 32-Jährige vor, eine Zivilklage gegen den ehemaligen Chef des Internationalen Währungsfonds anzustrengen, sagte sie in dem Gespräch weiter. Strauss-Kahn bestreitet nicht, dass er sich der Autorin an jenem Tag im Februar 2003 «angenähert» hat. Der 62-Jährige habe sich aber nicht genauer zu diesen «Annäherungen» geäussert, hiess es am vergangenen Freitag aus dem Umfeld der Vorermittlungen.

Tristane Banon bei Canal+ (Ausschnitt)

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(Video: Canal+)


Warum sie denn fast bis jetzt zu den Vorfällen geschwiegen habe, wurde Banon im Laufe des Interviews gefragt (vgl. Video oben). «Ich habe mir gesagt, ich werde einfach weitermachen wie bisher und mit dem Geschehenen leben», sagte sie. Sie habe ein einziges Mal darüber gesprochen, bei einem lockeren TV-Auftritt in festlichem Dinner-Dekor, «viel zu leichtsinnig», wie sie betont. Erst kurz vor der Aufzeichnung der Klatschsendung «93, Faubourg Saint-Honoré» von Thierry Ardisson auf dem Fernsehsender «Paris Première» sei sie damit konfrontiert worden, dass man «möglicherweise» ihre «amüsante» Geschichte, die sie mit einem Politiker erlebt habe, ansprechen wolle. Woher «Paris Première» von der Geschichte wusste, bleibt unklar.

In jenem Gespräch 2007 hatte Banon gesagt, Strauss-Kahn sei in dem Appartement über sie hergefallen «wie ein brünftiger Schimpanse». Damals allerdings war der Name des Beschuldigten ausgeblendet worden. Das Dekor der Sendung war ein festliches Essen mit Champagner, bei dem die Gäste mehr oder weniger anzügliche Anekdoten erzählten. Sie erwähnte in diesem Gespräch ihren aufgerissenen BH und eine Kampfszene am Boden. Keiner der übrigen Teilnehmer der Talkshow, unter ihnen prominente französische Intellektuelle, zeigte sich davon besonders schockiert.
(Video: Youtube/pepersan1)

Wie der Fall ins Rollen kam

Die junge Frau bedauerte in einem späteren Interview, dass sie sich zu dieser Art der Darstellung hatte hinreissen lassen. Ins Rollen kam die ganze Sache, weil sich ein Reporter des Internet-Nachrichtensenders «Agora Vox» evon Banon bestätigen liess, dass es sich bei dem «prominenten Politiker» um Dominique Strauss-Kahn gehandelt habe. In einem langen Gespräch hatte sie daraufhin diesem Reporter Auskunft über die Vorfälle gegeben. «Agora Vox» hingegen hat die Aufzeichnung dieses Gesprächs unter Verschluss gehalten - bis jetzt.

Interview mit Tristane Banon bei «Agora Vox», Teil 1 (mit deutschen Untertiteln) (Video: YouTube/ForumTheatro1234)

Teil 2(Video:YouTube/ForumTheatro1234)

Strauss-Kahn auf den Spuren Clintons

Im Laufe des Gesprächs vom Montagabend auf Canal+ zeigte der Moderator der Autorin, ihrem Anwalt David Koubbi und dem ebenfalls geladenen Daniel Cohn-Bendit, dem französischen Abgeordneten der Grünen im Europaparlament, einen verblüffenden videotechnischen Zusammenschnitt: Das Interview mit Dominique Strauss-Kahn von Sonntagabend, in dem er erstmals vor dem französischen Volk öffentlich zu Kreuze kroch, wurde der Fernseh-Entschuldigung von Bill Clinton gegenübergestellt, als dieser 1998 seine aussereheliche Affäre mit Monica Lewinsky gestand. Und es ist verblüffend, wie sehr sich die Kniefälle der beiden Machtmenschen ähneln – auch in Details (vergleiche Video unten). «Was passiert ist, war nicht nur eine unangemessene Beziehung. Es war mehr. Es war ein Fehler», hiess es am Sonntagabend bei DSK. «Tatsächlich hatte ich eine Beziehung zu Mrs. Lewinsky, die nicht angemessen war. Sie war sogar falsch», sagte seinerzeit der damalige US-Präsident Bill Clinton.

Und die Ähnlichkeit der beiden Erklärungen geht noch weiter. «Ein Fehler insbesondere gegenüber meiner Frau», führt Strauss-Kahn seine Rede weiter, während es bei Bill Clinton hiess: «Ich habe Menschen in die Irre geführt, sogar meine Ehefrau.» «Und ich bereue es zutiefst», schliesst Strauss-Kahn seinen Sermon. «Und ich bereue es zutiefst», schloss seinerzeit auch Clinton. «Das ist unglaublich», entfährt es daraufhin Tristane Banon im Studio. «Einfach unglaublich.»

DSK und Bill Clinton im Direktvergleich

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(Video: Canal+)


Mit Material der Agentur sda

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Jenny am 21.09.2011 08:53 Report Diesen Beitrag melden

    Warum glaubt ihr an seine Unschuld??

    Schon krass wie hier der Tenor ist, dass die Frau lügt. Da glaubt man lieber einem Wirtschaftsboss, der die Macht in den Händen hält und ich selber in Wiedersprüche veriirt hat. Niemand hier weiss, was passiert ist. Also besser Mund halten anstatt Schuldzuweisungen zu machen. Das verhöhnt jedes Opfer einer Vergewaltigung!

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  • EAltherr am 22.09.2011 03:48 Report Diesen Beitrag melden

    Stil haben

    sorry aber der Frau glaube ich kein Wort, die nutzt einfach die Gelgenheit auf dem "Buckel" von DSK sich wichtig zu machen wie treffend ist es doch jetzt mit den angeblichen Geschenissen hervorzukommen und sich auf Kosten von DSK zu bereichern... anscheinend hat die gute Frau in der Vergangenheit zuwenig Erfolg als Autorin und nun versucht sich ans schnelle Geld zu kommen, denn ein Typ wie Strauss-Kahn hat doch so eine gar nicht nötig.. Sicher ist er ein Pantoffelheld aber ein Vergewaltiger das passt einfach nicht zu dem.. denn im Gegesatz zu den beiden Frauen hat der gute Mann noch Stil

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  • Striz am 21.09.2011 07:30 Report Diesen Beitrag melden

    Unglaubwürdig

    Wenn man seit 2003 bis jetzt geschwiegen hat, dann Frage ich mich warum? Sorry, aber die Ausrede einfach weitermachen oder Rücksicht auf ein Elternteil usw. gelten def. nicht - denn wenn wirklich etwas war und es nicht von beiden Seiten gewollt war, DANN SCHWEIGT MAN NICHT 8 JAHRE! Ich bin selbst eine Frau, aber in dieser Hinsicht denke ich, dass viele Frauen sich plötzlich als das schwache Geschlecht hinstellen - Psyochoterror und Intrigen, hier sind die Frauen das stärkere Geschlecht und das wird oft ausgenutzt.....

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Die neusten Leser-Kommentare

  • sammy san am 22.09.2011 12:21 Report Diesen Beitrag melden

    Trittbrettfahrerin

    Wenn eine Frau mediale Aufmerksamkeit braucht, ist dies nachweislich am einfachsten damit zu erreichen, dass sie eine neue (oder auch alte) Sexgeschichte ausgräbt, bei welcher sie das arme Opfer spielen kann. Das gibt Presse, Mitleid, Geld usw. usw. Das war beim Zimmermädchen in NY so und die Wahrscheinlichkeit, dass diese Trittbrettfahrerin Banon in die selbe Kategorie gehört, ist halt einfach ziemlich gross...

    • Stefanie am 23.09.2011 01:48 Report Diesen Beitrag melden

      Jedem seine eigene Meinung

      Ich finde es schade, dass diese Herren immer wieder als Opfer hingestellt werden und genau aus diesem Grunde gehen die Frauen ja nicht an die Oeffentlichkeit. Ich weiss aus eigener Erfahrung, wie es in der business world aussieht.... Aber, jeder darf seine eigene Meinung haben und insbesondere, wenn er/sie keine Ahnung hat von was "+da draussen" in Tat und Wahrheit geschieht.

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  • EAltherr am 22.09.2011 03:48 Report Diesen Beitrag melden

    Stil haben

    sorry aber der Frau glaube ich kein Wort, die nutzt einfach die Gelgenheit auf dem "Buckel" von DSK sich wichtig zu machen wie treffend ist es doch jetzt mit den angeblichen Geschenissen hervorzukommen und sich auf Kosten von DSK zu bereichern... anscheinend hat die gute Frau in der Vergangenheit zuwenig Erfolg als Autorin und nun versucht sich ans schnelle Geld zu kommen, denn ein Typ wie Strauss-Kahn hat doch so eine gar nicht nötig.. Sicher ist er ein Pantoffelheld aber ein Vergewaltiger das passt einfach nicht zu dem.. denn im Gegesatz zu den beiden Frauen hat der gute Mann noch Stil

    • K. Nalle-Folle am 22.09.2011 09:59 Report Diesen Beitrag melden

      Toller Stil

      Alles eine Geldfrage. Der Pariser Hirschmann.

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  • Peter U. am 21.09.2011 12:34 Report Diesen Beitrag melden

    Was wäre wenn

    Würde sie schweigen wenn der Angeklagte ein kleiner Strassenreiniger wäre ? Oder gehts hier um eine Abfindung und Aufmerksamkeit.

    • Pierre M. am 21.09.2011 14:15 Report Diesen Beitrag melden

      Dann wäre weniger Rummel

      Dann gäbe es kein sensationslüsternes Mediencoverage und der Typ würde angeklagt werden ohne dass jemand es mitkriegt. In dem Fall würde es sogar zum Schuldspruch kommen - mit den großen und reichen tut sich Justicia ja oft schwer.

    • Peter Silie am 21.09.2011 14:37 Report Diesen Beitrag melden

      Vielleicht gehts auch einfach darum

      dass DSK seit Jahren in solche Geschichten involviert sein soll... und er irgendwie immer wieder davon gekommen ist...

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  • J Credible am 21.09.2011 11:23 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Präsidentschaftskandidat

    Die DSK Affäre kam den franz. Sozialisten höchst ungelegen, da DSK ihre grosse Hoffnung war die Prasisentschaft zurückzuholen. Da kann man auch von Seiten der Beamten wenig Unterstützung für eine Anklage von DSK erwarten.

  • Natali am 21.09.2011 11:07 Report Diesen Beitrag melden

    Zeichen setzen

    Tristane Banon kämpft hier nicht nur für lang ersehnte Gerechtigkeit, sondern sie will ein Zeichen setzen für ALLE misbrauchten Frauen da draussen! Für Gerechtigkeit ist es nie zu spät, gebt die Hoffnung nie auf. Ich wünschte mir, es gäbe mehr Frauen wie sie. Oder zumindest mehr Leute, die Frau Banon unterstützen...

    • Peter Habisegger am 21.09.2011 12:52 Report Diesen Beitrag melden

      Zeichen setzen

      Man sollte ein Zeichen setzen und diese Frau mit einer saftigen Geldstrafe wegen Verleumdung und übler Nachrede belegen.

    • Chris1 am 22.09.2011 05:42 Report Diesen Beitrag melden

      Unglaublich

      Herr P.H. Wie kommen Sie eigentlich dazu, diese Frau als Lügnerin hinzustellen? Waren Sie dabei? Das ist doch einfach unglaublich!! Natali, ich gebe Ihnen vollkommen Recht!

    • Anneliese hofer am 22.09.2011 05:59 Report Diesen Beitrag melden

      Täter?

      Eine Vergewaltigung verfolgt eine Frau lebenslänglich.es braucht viel bisdarueber gesprochen werden kann.manchmal Jahre.oft erst nach einer Therapie.

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