Türkei

03. Juli 2009 11:37; Akt: 03.07.2009 12:09 Print

TV-Show will Atheisten bekehren

In der Türkei sorgt eine Fernsehshow für Aufregung: Vier Geistliche verschiedener Religionen sollen zehn Atheisten von ihrem Glauben überzeugen. Wer sich bekehren lässt, gewinnt eine Pilgerreise.

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Die Gameshow der etwas anderen Art mit dem Titel «Wettstreit der Reuigen» soll ab September auf dem Sender Kanal T laufen, dessen Programm laut der Zeitung «Hürriyet» vorwiegend von Frauen präsentiert wird. Kopf hinter der Religions-Show soll eine bekannte Transsexuelle sein. In jeder Sendung sollen ein muslimischer Imam, ein griechisch-orthodoxer Priester, ein jüdischer Rabbi und ein buddhistischer Mönch versuchen, zehn Atheisten von ihrer Religion zu überzeugen.

Wer sich bekehren lässt, erhält zur Belohnung eine Pilgerreise in das spirituelle Zentrum der von ihm gewählten Religion – Mekka für Muslime, Jerusalem für Christen und Juden und Tibet für Buddhisten. Die Sendung ist laut Ahmet Özdemir, Vizedirektor von Kanal T, die erste ihrer Art in der Welt. Sie wolle «Ungläubige zu Gott führen», gleichzeitig sollen die mehrheitlich muslimischen Türken mehr über andere Religionen erfahren.

Kommission prüft Atheisten

Die Produzenten der Show seien sich des Risikos bewusst, dass sich keiner der Atheisten bekehren lässt, so Özdemir zu «Hürriyet». Eine achtköpfige Kommission, in der auch Theologen vertreten seien, werde prüfen, ob die Bewerber für die Show wirklich ungläubig sind. Wie dies geschehen soll, wird nicht ausgeführt. Die Kommission solle zudem die Konvertiten auch nach der Show «überwachen», damit diese nicht eine Bekehrung vortäuschen, um gratis eine schöne Reise zu erhalten.

Die Show stösst bereits vor der ersten Ausstrahlung auf Kritik von verschiedener Seite. Religiöse Kreise bezeichnen die Idee als «absurd» und «Beleidigung für die Religion». Andere warnen gemäss dem «Guardian» davor, sie könnte die in der Türkei ohnehin weit verbreiteten Vorurteile gegenüber Atheisten bestärken. Die liberale Zeitung «Milliyet» etwa kritisierte das Vorhaben als schlichtweg «geschmacklos».

(pbl)