11 Tote in Hessen

20. Februar 2020 08:39; Akt: 20.02.2020 12:16 Print

Die wirre Botschaft des Hanau-Schützen

Der mutmassliche Täter von Hanau verbreitete im Internet diverse Theorien. Seit seiner Kindheit fühlte er sich vom Geheimdienst verfolgt.

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Nach dem Anschlag in Hanau rechnen Behörden mit Veranstaltungen der linksextremistischen Szene gegen «Rechts» – ebenso mit Straftaten gegen örtliche Vertreter der AfD. (22. Februar 2020) In zahlreichen Städten Deutschlands haben Menschen bei Gedenkveranstaltungen der Opfer des mutmasslich rassistischen Anschlags von Hanau gedacht. (21. Februar 2020) Ein Tag nach dem Attentat in Hanau trafen sich auch in Frankfurt Trauernde für einen Gedenkanlass. (20. Februar 2020) Auch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und seine Frau Elke Budenbender besuchten die Trauerfeier. Menschen legen Blumen vor den Tatorten ab. Polizei sichert den Tatort vor der Midnight Hookah Sisha-Bar, einer der beiden Schauplätze des Verbrechens in Hanau. Eine Frau zündet ausserhalb der Bar Kerzen an. Tobias R. soll der Schütze aus Hanau sein. Nach eigenen Angaben wurde er im Jahr 1977 in Hanau geboren und studierte BWL. Das Ziel des Angriffs waren zwei Shisha-Lokale in der Innenstadt: Ein beschädigtes Auto in Hanau. (19. Februar 2020) Die Zahl der Verletzten kann sich laut einem Polizeisprecher noch nach oben oder unten verändern. Hanau liegt im Main-Kinzig-Kreis etwa 20 Kilometer östlich von Frankfurt/Main und hat etwa 100'000 Einwohner. Die Polizei sichert in Hanau einen Tatort ab. «Die Fahndung nach den Tätern lief nach dem Attentat auf Hochtouren», teilt die Polizei in Offenbach mit. Die Polizei fordert neugierige Passanten auf, sich in ihre Wohnungen und die Lokalitäten vor Ort zu begeben. Forensiker untersuchen den Tatort. Ein Projektil aus der Tatwaffe.

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Der mutmassliche Täter von Hanau, Tobias R., hat nach Informationen aus Sicherheitskreisen wenige Tage vor der Tat ein Video bei Youtube veröffentlicht. In diesem Video spricht der Mann in fliessendem Englisch von einer «persönlichen Botschaft an alle Amerikaner». Der Clip, der am Donnerstagmorgen weiter im Internet zu sehen war, wurde offensichtlich in einer Privatwohnung aufgenommen, ins Netz gestellt wurde er vor wenigen Tagen.

Darin sagt der 42-Jährige, in den USA existierten unterirdische Militäreinrichtungen, in denen Kinder misshandelt und getötet würden. Dort würde auch dem Teufel gehuldigt. Amerikanische Staatsbürger sollten aufwachen und gegen diese Zustände «jetzt kämpfen».

Trump-Slogan stamme aus seinen Gedanken

Auf seiner Homepage findet sich ein grosses Skript mit wirren Theorien. Das Skript startet der 42-Jähriger mit den Worten: «Dies ist eine Botschaft an das gesamte deutsche Volk.» Er fühle sich seit Kindesbeinen überwacht. «Als ich nur wenige Jahre alt war, schwor ich mir, wenn ich damit richtig liege, dass ich überwacht werde, dann gibt es Krieg!», heisst es in seinem einstündigen Video.

Der Hanauer schreibt von einer Schattenregierung und einer «Fernsteuerung» im Gehirn. R. fühlte sich für diverse Ereignisse und auch Filme und TV-Serien wie «Vikings» und «Prison Break» verantwortlich. Auch Trumps Slogan: «America first» stamme aus seinen Gedanken. Dazu hatte er seiner Meinung nach einen grossen Anteil an der Strategie und dem taktischen Vorgehen der USA für Kampfeinsätze im Irak und Afghanistan.

In seinem Script sind jedoch nicht nur Verschwörungstheorien, sondern auch deutliche rechtsradikale Thesen. Er spricht von einem «äusseren», aber auch einem «inneren» Feind. Es heisst: «Dieser innere Feind kann man selbst sein oder eben das eigene Volk.»

«Das, was bleibt, ist das Volk»

Tobias R. fährt fort: «Aus all den in meinem Script genannten Gründen blieb mir also nichts anderes übrig, so zu handeln, wie ich es getan habe, um die notwendige Aufmerksamkeit zu erlangen.» Der Verschwörungstheoretiker weiter: «Dieser Krieg ist als Doppelschlag zu verstehen, gegen die Geheimorganisation und gegen die Degeneration unseres Volkes! Menschen kommen und gehen. Das, was bleibt, ist das Volk!»

Nach eigenen Angaben wurde Tobias R. im Jahr 1977 in Hanau geboren. Er absolvierte eine Lehre als Bankkaufmann in Frankfurt. Im Jahr 2007 beendete R. sein BWL-Studium, welches er im Wintersemester des Jahres 2000 begonnen hatte.

(fss)