Resistentes Virus

28. Mai 2013 17:35; Akt: 28.05.2013 17:45 Print

Tamiflu nützt nichts gegen neue Vogelgrippe

Die 36 Todesopfer der jüngsten Vogelgrippe in China haben Wissenschaftler in Aufrur versetzt. Das Medikament Tamiflu zeigt gegen das neue Virus keine Wirkung.

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36 Tote hat die neue Vogelgrippe bis zum 28. Mai 2013 in China bereits gefordert. Wissenschaftler melden jetzt: Das Medikament Tamiflu zeigt keine Wirkung. In Taiwan ist Ende April 2013 ein erster Fall des tödlichen und bisher auf China beschränkten Vogelgrippevirus H7N9 bekannt geworden. Das staatliche Zentrum für Gesundheitskontrolle in Taipeh meldete heute Mittwoch, ein 53-jähriger Geschäftsreisender habe sich mit dem noch weitgehend unerforschten Erreger infiziert und leide seit drei Tagen an hohem Fieber. Nun sind sie wieder omnipräsent in den Strassen von China und Taiwan: Die Atemschutzmasken. Der erkrankte Taiwanese war zuvor von einem Besuch in der östlichen chinesischen Provinz Jiangsu zurückgekehrt. Bisher traten dort die meisten der chinesischen H7N9-Krankheitsfälle auf. 20 Menschen starben bisher an dieser Variante der Vogelgrippe, mehr als hundert infizierten sich. Wissenschaftler der Weltgesundheitsorganisation (WHO) befassen sich diese Woche mit dem bisher weitgehend unbekannten Vogelgrippevirus. Es übertrage sich offenbar leichter von Vögeln auf Menschen als eine vor zehn Jahren in Asien aufgetauchte Variante, hiess es am Mittwoch auf einer Pressekonferenz in Peking. Bisher seien die meisten Infektionen auf Märkten mit lebendem Geflügel aufgetreten. Kaum zu glauben, dass von derart schnüsigen Geschöpfen eine so grosse Gefahr ausgehen kann. Am Taoyuan Flughafen im Norden Taiwans wird nun die Temperatur der Passagiere überprüft, um eine weitere Verbreitung des Virus zu verhindern. Nebst Fiebermessern werden auch Wärmebildkameras eingesetzt.

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Das jüngste Vogelgrippe-Virus zeigt sich gegen das Medikament Tamiflu resistent. Wissenschaftler sprachen von einem besorgniserregenden Vorgang, der sorgfältig untersucht werden müsse, um künftige Pläne zur Bekämpfung einer Pandemie zu modifizieren.

Der Grippetod von 36 Menschen in China habe die Resistenz des Virus gegen das von Roche entwickelte Medikament erwiesen, schrieben die Forscher am Dienstag in der Online-Ausgabe der Fachpublikation «Lancet». Frühere Fälle hätten zwar bereits Zweifel an Tamiflu geweckt, doch nun sei die Resistenz des Virus gegen das Medikament erstmals in drei von 14 untersuchten Fällen klinisch nachgewiesen worden.

Eine Sprecherin von Roche sagte, der Basler Pharmakonzern nehme die Berichte sehr ernst und arbeite mit den Gesundheitsbehörden zusammen. Allerdings gebe es weltweit nur sehr wenige Fälle, in denen Resistenzen gegen das Virus nachgewiesen worden seien.

Schäden von 6,5 Mrd. Dollar

Tamiflu wird als Pille dargereicht. Das vom britischen Konkurrenten GlaxoSmithKline entwickelte Relenza wird inhaliert, hat aber die gleiche Wirkungsweise.

In China sind seit Februar 131 Menschen an der Vogelgrippe erkrankt. Seit Anfang Mai sind laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) aber keine neuen Fälle hinzugekommen. Die Epidemie hat nach Schätzungen der Vereinten Nationen volkswirtschaftliche Schäden von etwa 6,5 Mrd. Dollar verursacht.

(aeg/sda)