Kampf gegen Gaddafi

24. September 2011 22:50; Akt: 25.09.2011 09:03 Print

Tamoil-Chef finanzierte die Rebellen

Lange galt der Ölkonzern Tamoil als «Gaddafi-Firma». Jetzt gab der Schweizer Chef aber bekannt, seit Monaten «im Geheimen» den libyschen Übergangsrat mit privaten Geldern unterstützt zu haben.

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Der Tamoil-Chef der Schweiz bezeichnete die «Exzentrik» des Gaddafi-Regimes als «verhängnisvoll». (Bild: Keystone)

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Der Chef von Tamoil (Suisse) will nach eigenen Angaben seit mehreren Monaten die Rebellen in Libyen mit privatem Geld unterstützt haben. Dies schrieb Tamoil-Chef Mohamed Nureddin Abdulhadi Refaat (genannt Nuri Rifaat) in einer E-Mail an alle Angestellten der Firma mit Sitz in Genf.

Er und auch die anderen libyschen Manager der Ölfirma hätten «im Geheimen» dem libyschen Übergangsrat schon vor einigen Monaten einen Treueid geleistet und die Opposition mit privaten Geldern unterstützt, schrieb Rifaat in einer auf den 22. August datierten Mail, die zwei Tage später verschickt worden war.

Die französische Übersetzung des Mails wurde am Samstag von der Westschweizer Zeitung «Le Matin» in Auszügen veröffentlicht. Die Nachrichtenagentur sda konnte die Mail mit dem Titel «Unser neues Libyen» einsehen.

Als enttäuschendsten Aspekt seiner Arbeit bezeichnete Rifaat darin, dass Tamoil als «Gaddafi-Firma» betrachtet worden sei. Zugleich zeigte er «Verständnis» für den Boykott von Tamoil durch Schweizer Kunden.

«Verhängnisvolle Exzentrik»

Die «Exzentrik» des Regimes des früheren Machthabers Muammar al- Gaddafi bezeichnete Rifaat als «verhängnisvoll». Er erinnerte dabei an die beiden Schweizer Geschäftsleute Max Göldi und Rachid Hamdani, die nach der vorübergehenden Festnahme eines Gaddafi-Sohnes in Genf im Sommer 2008 von Libyen lange Zeit festgehalten wurden.

Hamdani konnte Libyen erst im Februar 2010 verlassen, Göldi gar erst fünf Monate später. Rifaat bezeichnete die als «Affäre Gaddafi» bekannt gewordene Krise zwischen der Schweiz und Libyen als «ein besonders beschämendes Kapitel».

Tamoil Schweiz ist indirekt mit dem gestürzten libyschen Regime verbunden. Das Unternehmen ist zu 100 Prozent im Besitz der Tamoil Group mit Sitz in Monaco. Die Gruppe gehört der niederländischen Oilinvest, die vom libyschen Staatsfonds in Tripolis kontrolliert wird.

Im Vorstand des Staatsfonds sassen unter anderen der diese Woche in Tunesien festgesetzte letzte Premierminister Gaddafis, Al-Baghdadi Al-Mahmudi, und der im März geflohene Aussenminister Mussa Kussa.

Raffinerie-Direktor suspendiert

Wegen der engen Verknüpfung mit dem Regime war Tamoil unter verschärfter Beobachtung der Schweizer Behörden. Der Bundesrat hatte sicherstellen wollen, dass keine Gelder von Tamoil an das Gaddafi-Regime mehr flossen.

Das Unternehmen wird derzeit betriebsintern von einer Affäre erschüttert. Der Direktor der Tamoil-Ölraffinerie in Collombey, Sirous Ammar, ist seit Freitag suspendiert.

In einer am Donnerstag versandten E-Mail schrieb Ammar, er sei für die Dauer einer Untersuchung über seine privaten Kontakte mit dem libanesisch-ägyptisch-amerikanischen Finanzinvestor Roger Tamraz suspendiert.

Wem gehört Tamoil?

Tamraz ist seit Jahrzehnten im Öl- und Gassektor aktiv. Er hatte Tamoil Anfang der 1980er Jahre in Italien gegründet und Ende desselben Jahrzehnts an Libyen verkauft. Zuletzt hiess es, Tamraz wolle den Libyern Tamoil wieder abkaufen.

Der Website von Tamraz' Netoil Inc. Group of Companies mit Sitz in Dubai ist aber zu entnehmen, dass Tamoil bereits zu 100 Prozent im Besitz von Netoil sei. Bei der Tamoil-Group in Monaco funktioniert derzeit nur die erste Seite ihrer Internetseite. Bei Tamoil Schweiz wiederum wird nach wie vor Oilinvest als Besitzerin angeführt.

(sda)