Deutschland

03. April 2011 17:03; Akt: 03.04.2011 17:21 Print

Tausende Brennelemente vermisst

Atompanne in Nordrhein-Westfalen: Die Landesregierung vermisst 2285 Brennelementkugeln aus dem Forschungszentrum Jülich bei Aachen. Die Behörden schieben sich gegenseitig die Verantwortung zu.

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Hochtemperaturreaktor im Forschungszentrum Jülich. (Bild: Wikipedia/Maurice van Bruggen)

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Wo sind die Brennelementkugeln geblieben? In Deutschland werden 2285 der radioaktiven Elemente vermisst. Das berichtete das Nachrichtenmagazin «Der Spiegel» in einer Vorabmeldung. Die Elemente stammen aus einer Forschungsanstalt in Jülich bei Aachen. Das Verschwinden geht aus Antworten auf eine Anfrage der Grünen hervor.

Die nordrhein-westfälische Wissenschaftsministerin Svenja Schulze (SPD) geht laut dem Magazin davon aus, dass sich die Brennelementkugeln «allem Anschein nach» im niedersächsischen Forschungsbergwerk Asse lagern. Genau lasse sich das heute nicht mehr herausfinden, weil die im Lager eingelagerten Mengen «nicht bekannt» sind. Selbst wenn die radioaktiven Kugeln sich dort befänden: Laut «Spiegel» dürften dort nur schwach bis mittel radioaktive Abfälle eingelagert werden, keine Brennelemente.

Das Verantwortliche deutsche Bundesamt für Strahlenschutz, das seit 2009 für das Lager für radioaktiven Abfälle in der Asse verantwortlich ist, weiss nichts von den verschwundenen Brennelementen. Aus der Dokumentation des vormaligen Betreibers gehe «nicht hervor, dass die jetzt vermissten knapp 2300 readioaktiven Brennelementekugeln aus dem stillgelegten Versuchsreaktor Jülich in dem Bergwerk Asse lagern.» Dass man nichts über den Verbleib der radioaktiven Elemente wisse, sei «nicht nachvollziehbar».

Für den Atom-Experten der Grünen, Christian Markert, ist der Vorfall ein «erschreckendes Beispiel, wie lax mit radioaktiven Stoffen umgegangen wurde», wie er dem Magazin sagte. Laut seinen Berechnungen könnten die Kugeln zirka 2,2 Kilo Uran 235 und 23 Kilo Thorium 232 enthalten. Das wäre mehr als genug für mehrere «schmutzige Bomben». Falls die Brennelemente benutzt werden, wäre in ihnen auch noch das hoch gefährliche Plutonium enthalten, das eine Halbwertszeit von über 20 000 Jahren hat.

(ast)