Proteste

02. Juli 2016 15:16; Akt: 02.07.2016 21:51 Print

Tausende Brexit-Gegner demonstrieren in London

In der britischen Hauptstadt gehen vor allem junge Leute für eine Aufhebung des Brexit-Votums auf die Strasse. Doch die Chancen für ihr Anliegen stehen schlecht.

Proteste: Vor allem junge Briten sind mit dem Ausgang der Brexit-Abstimmung unzufrieden. (Video: Reuters)
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Demonstrationen gegen das Brexit-Votum in der britischen Hauptstadt: Zehntausende EU-Anhänger haben am Samstag gegen das britische Votum für einen Austritt aus der Europäischen Union protestiert.

Die Demonstranten sangen, tanzten und marschierten durch die Strassen der Hauptstadt London. Der sogenannte Marsch für Europa führte vom Hyde Park zum Parlamentsgebäude. Die Veranstalter fordern, das britische Parlament solle das Votum des EU-Referendums aus der vergangenen Woche aufheben. Die Zukunft Grossbritanniens liege in der Europäischen Union.

Übertreibungen und Verzerrungen

Einer der Organisatoren der Demonstration, der Komödiant Mark Thomas, sagte, die britischen Abgeordneten sollten nicht Gesetze erlassen für einen Austritt, der auf einem Ergebnis basiere, das durch Übertreibungen von EU-Gegnern und Verzerrungen bei Einwanderung und EU-Ausgaben erzielt worden sei. «Wir würden das Ergebnis des Referendums akzeptieren, wenn es unter fairen Voraussetzungen erkämpft worden wäre. Aber es gab viele Fehlinformationen.»

EU-Anhänger demonstrieren in LondonAuf dem Weg zum Parlament skandierte die Menge: «Ich will die EU nicht verlassen! Wir sind auch Europäer!» Im Büro des Premierministers in der nahegelegenen Downing Street wollten einige Demonstranten eine Petition einreichen.

Unterstützung von Jarvis Cocker und Bob Geldof

Am Versammlungsort der Demonstration auf dem Parlamentsplatz hörten Teilnehmer eine Videobotschaft von Sänger Jarvis Cocker. Dieser hielt eine Weltkarte hoch und erklärte: «Man kann Geografie nicht leugnen. Das Vereinigte Königreich liegt in Europa.»

Prominente Unterstützung gab es auch vom irischen Rocksänger Bob Geldof. Dieser appellierte an die Demonstranten, sich einer zwei Jahre langen Kampagne gegen einen Brexit zu verschreiben. Anhänger einer EU-Mitgliedschaft müssten alles tun, was in der Macht des Einzelnen liege, um zu verhindern, «dass dieses Land vollständig zerstört wird», erklärte Geldof.

Derweil haben bereits über vier Millionen Briten eine Online-Petition für ein zweites Referendum unterschrieben. Allerdings hatte das zuständige Komitee im Unterhaus bereits Zweifel geäussert, ob alle Unterschriften gültig seien – es gebe «verdächtige Aktivitäten».

Brexit ist wohl unumkehrbar

Alle derzeit entscheidenden Politiker in London haben bisher geäussert, es gebe kein Zurück mehr. Das Votum von 17 Millionen Briten (rund 52 Prozent) für einen Austritt aus der EU müsse umgesetzt werden.

Derweil steigt der Druck auf Labour-Chef Jeremy Corbyn zurückzutreten. Laut BBC sind mehrere Parteigranden dabei, dem 67-Jährigen einen ehrenvollen Abgang ohne Gesichtsverlust zu ermöglichen. Parteiinterne Kritiker fürchten, mit Corbyn an der Spitze künftige Wahlen zu verlieren.

Die Konservativen suchen ihrerseits weiter einen Nachfolger für Premierminister David Cameron. Dieser hatte nach seiner Niederlage beim Referendum für die nächsten Monate seinen Rückzug angekündigt.

(jros/sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Prepper am 02.07.2016 16:06 Report Diesen Beitrag melden

    Slogans erklärt...

    Auf den Pappkartons sollte stehen 'Wir wollen Sklaven sein', 'Bitte nimmt unser Geld und unsere Freiheit', 'Wir haben ein Recht auf Armut'.

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  • Danis am 02.07.2016 16:04 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ein Ende mit Schrecken

    Seit froh, dass ihr da raus kommt. Griechenland ist schon kaputt, weitere Länder werden zugrunde gehen

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  • Robi am 02.07.2016 18:43 Report Diesen Beitrag melden

    Kinder

    Immer Kinder Bilder als Werbung benutzen. Lasst dies doch bitte sein, ich denke mal Kinder sind zu fest Eltern gesteuert und können sich ihre freie Meinung noch nicht bilden. Finde sowas nur traurig.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Germane am 04.07.2016 07:31 Report Diesen Beitrag melden

    EU live

    z.B. Verfallsdatum für Führerscheine. Die müssen jetzt alle 15 Jahre getauscht werden für ein neues Bild, gelten aber immer noch nicht als Ausweisersatz bzw. in einigen Ländern nur zusammen mit der ID. Und da wundert sich Junker?

  • Ried Winkel am 03.07.2016 09:17 Report Diesen Beitrag melden

    abwarten und Tee trinken

    Völlig egal wenn der Kindergeburtstag am Trafalgar Square gefeiert wird. Die mediale Berichterstattung wird durch Bilder geprägt und vertieft. Von allen Parteien, pro und contra, wunderbar inszeniert. Wichtiger als Demonstrationen von wem auch immer, ist das Handeln der britischen Regierung, wie sie mit dem Resultat umgehen will und kann. Ob das Austrittsgesuch in Brüssel deponiert wird, ist noch lange nicht entschieden. Wie man den Volkswillen "umsetzen" kann, hat sie direktdemokratische Schweiz schon einige Male bewiesen. Da wird auch in GB wohl

  • lauretta am 03.07.2016 08:34 Report Diesen Beitrag melden

    arme kinder

    diese eltern müssen das EU-geld wirklich nötig haben, wenn sie sogar ihre unschuldigen kinder für dieses schmutzige spiel als mittel zum zweck benutzen. arme kinder, wenn sie wüssten.... ihre eltern meinen es gar nicht gut mit ihnen.

    • Bartli am 03.07.2016 16:37 Report Diesen Beitrag melden

      Bilder und Emotionen zum Zweck

      Es sind Medien die Bilder teils zu politischen Zwecken gezielt einsetzen, wage ich mal zu behaupten. Vollkommen parteiunabhängig, kennt man die Macht der Bilder sehr genau. Dieses Propagandamittel ist ein alter Zopf und längst durchschaut.

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  • Oliver R. am 02.07.2016 21:53 Report Diesen Beitrag melden

    Zuerst

    "....vor allem junge Leute...." Zuerst die Abstimmung verschlafen und danach jammern. Tja, es wurde entschieden und in der Realität gibt es keinen Resetknopf.

    • Tatjana Z. am 03.07.2016 12:43 Report Diesen Beitrag melden

      Richtig!

      Die junge Generation ist sich gewohnt, dass man beim Computerspiel, wenn der Avatar "stirbt", einfach wieder neu beginnen kann und dann wieder lebendig ist und so lange spielen kann, bis man gewinnt. So geht das zum Glück nicht im echten Leben und bei Abstimmungen.

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  • panthomas am 02.07.2016 21:24 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Beschämende Eltern!!

    Sorry aber Eltern die Ihre Kinder für eine Politische Minderheit mit Diktatorischen Zügen einsetzen sollten sich schämen. Wie kann man nur!