Ägypten

04. Juli 2014 19:08; Akt: 04.07.2014 19:08 Print

Teenager bei Demonstration getötet

Zum ersten Jahrestag des Mursi-Sturzes kam es zu Ausschreitungen zwischen Anhängern des Ex-Präsidenten und Sicherheitskräften. Zwei Menschen kamen ums Leben.

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Bei Zusammenstössen zwischen Anhängern des ehemaligen Präsidenten Mohammed Mursi und Sicherheitskräften in Ägypten ist am Freitag ein 15-Jähriger ums Leben gekommen. Wie ein Sicherheitsbeamter sagte, wurde der Jugendliche bei einer Demonstration im Kairoer Viertel Seitun getötet.

Ob es sich dabei um einen Demonstranten oder einen Passanten handelte, sei unklar. Zudem wurde bei einem Marsch an einem anderen Ort in der Hauptstadt den Angaben zufolge ein Protestteilnehmer durch Schüsse schwer verletzt.

Der 15-Jährige ist das zweite bekannte Opfer, das bei zweitägigen Protesten zum ersten Jahrestag des Mursi-Sturzes ums Leben kam. Das ägyptische Militär hatte den islamistischen Staatschef am 3. Juli 2013 abgesetzt.

Bombe in Alexandria

Am selben Tag sind bei einem Bombenanschlag in der Hafenstadt Alexandria nach offiziellen Angaben neun Menschen verletzt worden.

Der Sprengsatz wurde am Donnerstag in einem Zug gezündet, wie Sicherheitskräfte mitteilten.

Der Sprengkörper ging in die Luft, als der Zug am späten Donnerstagabend in einen Bahnhof im Osten der Stadt Alexandria einfuhr. Das wurde am Freitag aus Sicherheitskreisen bekannt. Die Bombe soll in einem Koffer versteckt gewesen sein. Zunächst bekannte sich niemand zu dem Anschlag.

Proteste gegen Militär und Polizei

Unterstützer des Ex-Regierungschefs demonstrierten auch am Freitag in Kairo für die Wiedereinsetzung Mursis ins Amt. Zugleich protestierten sie nach Angaben des staatlichen Nachrichtenportals «Al-Ahram» lautstark gegen Militär und Polizei.

Im Stadtteil Mohandisien kam es zu Auseinandersetzungen zwischen Sicherheitskräften und Dutzenden Anhängern der Muslimbrüder. An zwei anderen Orten setzten die Sicherheitskräfte Tränengas ein, um Proteste aufzulösen.

150 Festnahmen

Bereits am Donnerstag hatte es in Kairo Zusammenstösse von Sicherheitskräften und Anhängern des Ex-Staatschefs gegeben. 24 seien verletzt worden, teilte das Gesundheitsministerium am Freitag mit. Laut «Al-Ahram» wurden 150 Menschen festgenommen. Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen 47 Mursi-Anhänger, ihnen wird unter anderem Terrorismus vorgeworfen.

Ägypten erlebt seit dem Sturz Mursis durch das Militär regelmässig Anschläge. Erst Anfang der Woche waren zwei Polizisten bei Bombenexplosionen am Präsidentenpalast Al-Ittihadija ums Leben gekommen. Auch die U-Bahn in Kairo war in den vergangenen Woche Ziel mehrerer Attentate, bei denen vier Menschen verletzt wurden.

(sda)