Terror in Neuseeland

15. März 2019 14:12; Akt: 15.03.2019 18:16 Print

Das bedeuten die Symbole auf den Waffen

Die Waffen des Attentäters von Christchurch sind mit Symbolen und Namen versehen. Ein Kenner der rechtsextremen Szene erklärt die Bedeutung.

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Im Video sieht man mehrere Waffen auf dem Beifahrersitz, die mit Buchstaben und Symbolen übersät sind. Auch auf Twitter lud der mutmassliche Täter Bilder seiner Waffen hoch. So steht auf dem Magazin einer Waffe der Name Luca Traini. Dieser hatte im Februar 2018 aus einem Auto heraus auf sechs Menschen geschossen und sie dabei zum Teil schwer verletzt. Die Opfer stammten aus Gambia, Nigeria, Ghana und Mali. Einige waren Asylbewerber. Auch der Name von Alexandre Bissonette erwähnt der mutmassliche Täter von Neuseeland. Bissonette ist für den Anschlag auf das Centre Culturel Islamique de Québec (CCIQ) in Kanada verantwortlich. Am 29. Januar 2017 betrat der Schütze mit einer Skimaske die Moschee und erschoss sechs Menschen. Auf Twitter verwendet Brenton Tarrant ein Bild vom Anschlag in Nizza. 2016 fuhr Attentäter Mohamed Lahouaiej Bouhlel auf der Promenade des Anglais mit einem LKW durch eine Menschenmenge. 86 Personen wurden dabei getötet. Mehr als 400 Personen wurden zum Teil schwer verletzt. Der Name Bajo Pivljanin steht auch auf einem Magazin einer Waffe. Pivljanin war ein Hajduk-Kommandant und hauptsächlich in den osmanischen Gebieten von Herzegowina und Süddalmatien während des 17. Jahrhunderts aktiv. Menschen stehen gegenüber einer Moschee in Christchurch. Mindestens 40 Menschen sollen bei einem Anschlag ums Leben gekommen sein. Der australische Premier bestätigte, dass es sich bei einem der Schützen um einen rechtsextremen Australier handelt. Dieser Mann soll der Schütze sein. Er streamte seine Tat über Social Media. Dabei richtete er die Kamera auch auf sich selbst. Der Angriff soll in zwei Moscheen stattgefunden haben. «Ernste Lage»: Dutzende Menschen wurden zudem verletzt. Die neuseeländische Polizei warnte vor einem «aktiven Schützen». Örtliche Medien berichteten, in einer Moschee habe es mehrere Opfer gegeben, eine andere sei geräumt worden. Ein Augenzeuge sagte dem Sender Radio New Zealand, er habe Schüsse gehört und vier Menschen auf dem Boden liegen gesehen, mit «Blut überall». Die Polizei rief dazu auf, im Zentrum von Christchurch nicht auf die Strasse zu gehen und jedes verdächtige Verhalten zu melden. Unklar war zunächst, wie viele Menschen sich zum Tatzeitpunkt in der Moschee aufgehalten hatten und ob die Schüsse während des traditionellen Freitagsgebets gefallen waren. Angriff auf eine Moschee in Christchurch. Angriff auf eine Moschee in Christchurch.

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Rechtsextreme Anschläge auf zwei Moscheen in Christchurch forderten am Freitag mindestens 49 Tote. Der mutmassliche Täter Brenton Tarrant filmte die schreckliche Tat mit einer Kamera und streamte die ganze Zeit live. Zu sehen sind auf dem Video die Waffen, die Tarrant benutzte.

Bereits am 12. März hatte er Bilder der Waffen und Magazine auf seinem Twitter-Account gepostet. Diese sind mit verschiedenen Zahlen, Symbolen und Namen übersät. 20 Minuten hat Hans Stutz, Beobachter der rechtsextremen Szene, gefragt, was diese Zeichen zu bedeuten haben.

Die Zahl 14 und Charles Martel

Wie Stutz erklärt, ist die Zahl 14 das Bekenntnis eines Rassisten. Die Zahl bezieht sich dabei einen Satz, der 14 Wörter beinhaltet: «We must secure the existence of our people and a future for white children.» Was auf Deutsch so viel bedeutet wie «Wir müssen die Existenz unseres Volkes und eine Zukunft für weisse Kinder sichern». Als Erfinder des Satzes gilt David Lane. Im Juni 1984 hatte der Neonazi den jüdischen Radiomoderator Alan Berg ermordet. Dafür und für andere Verbrechen wurde er zu einer 190-jährigen Haftstrafe verurteilt. Er verstarb 2007 im Gefängnis.

«Mit Charles Martel, auch Karl Martell genannt, ist die historische Figur gemeint», sagt Stutz: «Er war ein fränkischer Herrscher Anfang des 8. Jahrhunderts. Heute bekannt sind vor allem die Siege Martells über die Araber und Berber in der Schlacht bei Tours und Poitiers 732 nach Christus.»

Alexandre Bissonnette und Luca Traini

Auch Namen von Attentätern wie Alexandre Bissonette und Luca Traini sind auf den Waffen und Magazinen sichtbar. Traini, damals 28 Jahre alt, hatte im Februar 2018 aus einem Auto heraus auf sechs Menschen geschossen und sie dabei zum Teil schwer verletzt. Die Opfer stammten aus Gambia, Nigeria, Ghana und Mali. Einige waren Asylbewerber. Traini wurde letztes Jahr im Oktober zu 12 Jahren Haft verurteilt.

Bissonette ist für den Anschlag auf das Centre Culturel Islamique de Québec (CCIQ) in Kanada verantwortlich. Am 29. Januar 2017 betrat der Schütze mit einer Skimaske die Moschee und erschoss sechs Menschen. 17 weitere wurden verletzt. Im Februar wurde Bissonette zu einer 40-jährigen Haftstrafe verurteilt. Eine vorzeitige Entlassung ist ausgeschlossen.

Sonnenrad und Keltenkreuz

Die Schwarze Sonne gilt als wichtiges Erkennungssymbol in Teilen der rechtsextremen Szene. Da in Deutschland viele rechtsextreme Symbole wie das Hakenkreuz oder die SS-Runen verboten sind, dient es vor allem seit den 1990er-Jahren als Ersatzsymbol für Neonazis. Es ist allerdings auch in der Esoterikszene verbreitet. Das Zeichen soll von altgermanischen Vorbildern inspiriert sein.

Seine zwölf Speichen können als verkehrte Siegrunen interpretiert werden, wie sie Adolf Hitlers Schutzstaffel SS verwendet hatte. Auch können im Sonnenrad drei Hakenkreuze ausgemacht werden. Hans Stutz sagt dazu: «Es ist meiner Einschätzung nach kein spezifisches Nazi-Zeichen. Es wurde aber von den Nazis verwendet.»

Auf einem Anhänger an Tarrants Ausrüstung ist das Keltenkreuz erkennbar. Es ist wie die Schwarze Sonne ein von der rechtsextremen Szene verwendetes Ersatzsymbol. Es soll die Überlegenheit der weissen Rasse symbolisieren. Das gleichschenklige Keltenkreuz ist in dieser Funktion in Deutschland seit Anfang der 1980er-Jahre verboten. Das Keltenkreuz wird auch in der unpolitischen Metal- und Gothic-Szene verwendet, was nicht strafbar ist, und ist besonders in Irland als mittelalterliches christliches Symbol verbreitet und auch heute noch ein beliebtes Motiv der keltischen Kultur.

Anschlag auf Nizza

Nach dem Anschlag in Nizza am 14. Juli 2016 ging dieses Bild um die Welt. Es zeigt eine tote Person auf dem Boden, neben ihr liegt eine Puppe für Kinder. Bei dem Anschlag in Frankreich fuhr Attentäter Mohamed Lahouaiej Bouhlel auf der Promenade des Anglais mit einem LKW durch eine Menschenmenge. 86 Personen wurde dabei getötet, mehr als 400 zum Teil schwer verletzt.

Tarrant nutzte es als Titelbild auf seinem Twitter-Account: «Wahrscheinlich als Zeichen, dass er Vergeltung üben werde», so Stutz. «Sein Anschlag könnte auch als Rache für die Terrorakte der Muslimen gesehen werden.»

Vienna 1683 und Schipkapass 1877-1878

Bei Vienna 1683 und der Schlacht am Schipkapass 1877–1878 handelt es sich um historische Schlachten. Hierbei gelang es den Europäern, die Osmanen zurückzudrängen und die damals geltende osmanische Bedrohung abzuwenden.

Auch zahlreiche Namen von historischen Figuren, die gegen die Osmanen kämpften, hat Tarrant auf seine Waffen und Magazine gekritzelt. Diese sind teilweise in kyrillischer Schrift geschrieben. Es stehen unter anderem die Namen von Novak Vujosevic und Bajo Pivljanin da. Vujosevic war an der Schlacht von Fundina – diese fand am 2. August 1876 im montenegrinischen Kuci statt – dabei und kämpfte gegen die Osmanen. Er gilt als grosser Held und soll 28 osmanische Soldaten getötet haben.

Pivljanin war ein Hajduk-Kommandant und vor allem in den osmanischen Gebieten von Herzegowina und Süddalmatien während des 17. Jahrhunderts aktiv. Er wurde 1630 in Piva geboren. Er soll sein Dorf verlassen haben, nachdem er die Osmanen als ungerecht erlebt hatte. 1656 trat er in den Dienst der Republik Venedig ein und war mit weiteren Hajduken für den Schutz des venezianischen Dalmatiens zuständig. In der Bucht von Kotor sollte er die Grenzen verteidigen und gegen die Osmanen kämpfen. Das gelang ihm nicht. 1685 verloren Pivljanin und seine Truppen den Kampf. Er gilt als Held und einer der besten Hajduks seiner Zeit. Er war schnell auf die Ebene von Harambasa – sogenannte Banditenführer – aufgestiegen. Zudem wird er oft in der serbischen Epik erwähnt.

«Le Grand Replacement»

Das Buch «Le Grand Replacement» stammt vom französischen Autor Renaud Camus. «Die wörtliche Übersetzung wäre ‹Ersetzung›, doch verwendet wird üblicherweise ‹Der grosse Austausch›. Der Begriff wird sowohl von Rechtsextremen, nationalistischen Rechten wie auch auch von Exponenten der SVP gebraucht.»

Der Buchtitel diente auch Brenton Tarrant als Titel für sein Manifest. «Der Ausdruck soll dafür stehen, dass Regierungen und wirtschaftliche Elite die Auflösung der europäischen Stammvölker durch Immigration betreiben würden», so Stutz. «In den deutschsprachigen Sprachraum eingeführt haben diese Vorstellung die europäisch-völkischen Identitären.» Camus gilt in Frankreich als ideologischer Vordenker des Front National in Frankreich.

Bilder: Screenshots Twitter

(mon/jcg)