IS-Strategie enthüllt

31. März 2016 13:01; Akt: 31.03.2016 13:15 Print

Terror gegen Europäer ist von langer Hand geplant

Der IS-Terror gegen Europäer fusst auf jahrelanger Planung. Zahlreiche Hinweise haben die Ermittler ignoriert.

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Die Anschläge in Paris und Brüssel haben Europa wachgerüttelt. Dabei gab es seit Anfang 2014 Dutzende Hinweise auf eine Anschlagsstrategie der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) auf Europäer. Nationale Sicherheitsorgane haben diese laut Recherchen der «New York Times» übersehen oder unterschätzt.

Der erste bekannte IS-Jihad-Rückkehrer mit terroristischen Absichten ging der französischen Polizei am 11. Februar 2014 ins Netz. Der Franzose Ibrahim Boudina hatte in Syrien ein Anschlagstraining absolviert und Sprengstoff bei sich. In der Folge fielen Ermittlern in Italien, Spanien, Belgien, Frankreich, Griechenland, im Libanon und in der Türkei mindestens 20 weitere gefährliche Rückkehrer auf.

Baghdadi direkt unterstellt

Manche dieser Rückkehrer konnten ihre Pläne ausführen wie etwa Mehdi Nemmouche, der im Mai 2014 im jüdischen Museum in Brüssel vier Menschen tötete. Andere wurden vorher gefasst. Doch es dauerte Jahre, bis den europäischen Sicherheitsbehörden bewusst wurde, was diese vermeintlichen Einzelfälle verband: die syrische IS-Spezialabteilung für Anschläge auf Europäer.

Leiter dieser Abteilung ist Abu Muhammad al-Adnani. Der Mann, der im Juni 2014 in einer Audiobotschaft zu Anschlägen gegen Europäer aufgefordert hatte, ist dem IS-Führer Abu Bakr al-Baghdadi direkt unterstellt.

Schon 650 Todesopfer

Die Aktionen der Abteilung zielen auf Europäer – in ihrer Heimat und in beliebten Tourismusdestinationen ausserhalb Europas. Sie umfassen sowohl Taten von sogenannten lone wolves (Einzeltätern), die durch Propaganda angestachelt werden, als auch ausgetüftelte Grossangriffe, die direkt von IS-Mitgliedern geleitet werden.

Die Mitarbeiter der IS-Abteilung rekrutieren geeignete Jihadisten und trainieren sie in einer Schnellbleiche im Umgang mit Waffen und Sprengsätzen. Die künftigen Attentäter lernen alles Nötige über die geeignete Software zur Datenlöschung und über Verschlüsselungsprogramme. Zudem lernen sie, unbemerkt von Syrien aus an ihren Zielort zu reisen.

Netzwerk von Bombenexperten

Anfang 2014, beim eingangs erwähnten Jihadisten Boudina, fanden die Ermittler 600 Gramm des Sprengstoffs TATP. Derselbe Explosivstoff wurde im November 2015 in Paris und im März 2016 in Brüssel eingesetzt, allerdings in weitaus grösseren Mengen: Je ein halbes Kilogramm befand sich in den Sprengstoffwesten in Paris, je 15 bis 30 Kilogramm in den Bomben in Brüssel.

Die Terroristen haben den Umgang mit dem hochriskanten Sprengstoff TATP erstaunlich schnell gemeistert. Laut dem US-Sprengstoffexperten Michael Marks ist dies ein klares Anzeichen auf ein IS-Attentats-Netzwerk: «Dass die Terroristen diesen Sprengstoff sicher handhaben und ihn mehrfach einsetzen konnten, deutet auf einen hohen Organisationsgrad hin», sagte er zur «New York Times».

Abaaoud – ein alter Bekannter

Im Zusammenhang mit der IS-Spezialabteilung taucht ein anderer bekannter Name auf: Abdelhamid Abaaoud (siehe Infografik oben). Der Belgier, der am 18. November 2015 bei einer Razzia im Pariser Vorort Saint-Denis von der Polizei erschossen wurde, galt als Kopf der Anschläge von Paris und Brüssel sowie eines letzte Woche vereitelten Anschlags in einem Pariser Vorort. Dass sein Name in vielen weiteren Ermittlungsakten in ganz Europa steht, fiel lange niemandem auf.

Abaaoud war in der IS-Spezialabteilung für die Anschläge auf Europäer in Europa zuständig – und soll laut Medienberichten schon mindestens 90 potenzielle Attentäter trainiert und nach Europa geschleust haben.

(kmo)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Ugly am 31.03.2016 13:53 Report Diesen Beitrag melden

    ich möchte mal wissen

    Ich möchte mal wissen wie die europäischen Volksvertreter sich den Bürger gegenüber verantworten wollen wenn sie wohl wissentlich solche Terroranschläge in Kauf nehmen. Mit dem läppischen Standardspruch "wir verurteilen das aufs Schärfste" ist es nicht mehr getan. Ihr seit für die Sicherheit der europäischen Bürger verantwortlich und nicht für die der anderen.

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  • Ein Spinner am 31.03.2016 14:51 Report Diesen Beitrag melden

    Aber als...

    ... die "Verschwörungstheoretiker" davor schon vor über einem Jahr warnten, waren sie allesamt nur paranoide Spinner...

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  • Oderso am 31.03.2016 14:34 Report Diesen Beitrag melden

    Tipp für noch mehr Menschlichkeiten

    Ihr müsst eben mehr winken an den Bahnhöfen, dann klappt es auch mit der Muslimisierung in Europa.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • frage ich am 01.04.2016 10:12 Report Diesen Beitrag melden

    Frage

    Wie lange Europäer sich zu naiv verhalten und ihre Gesetze nicht verschärfen?

  • Paolo am 01.04.2016 09:37 Report Diesen Beitrag melden

    Vertrauen in niemanden

    Wenn die U.S.A. und die EU gewollt hätten dann wären Al Qaida und der IS längst erledigt. Die Frage heisst somit, wer hat ein Interesse daran dass sich nichts ändert und warum? Ich jedenfalls habe zur amerikanischen und den europäischen Regierungen ungefähr gleich viel Vertrauen wie zu denen in Saudi-Arabien, Katar, den Emiraten und der Türkei, nämlich gar keines. Die Zivilbevölkerung auf der ganzen Welt wird zum Spielball der Mächtigen. Mal sehen wie lange wir uns das noch Gefallen lassen werden.

    • vom Bürgen am 01.04.2016 15:25 Report Diesen Beitrag melden

      Grenzenlos naiv

      Ach, wie viele Abertausende fliegen jährlich in diese genannten Emirate, bewundern die Architektur, die durch Sklavenarbeit entstand, loben in allen Tönen, was sie gesehen haben, denn sie haben in Wirklichkeit eben nichts gesehen. Ist alles Fassade, alles eine tödliche Fassade. Bringt den Weissröcken euer Geld und Fussballspiele, verkauft ihnen unser nationales Tafelsilber, Hauptsache, es bringt Geld!

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  • Di Dago am 01.04.2016 08:14 Report Diesen Beitrag melden

    Bewusst Zugelassen!

    Was isr das grösste Ziel der EU? Totale politische Integration. Wie sagte kürzlich ein EU Frau, die Staaten sollen sich als das erkennen was sie jetzt sind. Bundesländer....nicht weiter, die Nationalen Parlamente sind eine reine Farce.

  • Lola am 01.04.2016 08:12 Report Diesen Beitrag melden

    Geschichtskunde 1:1

    Thema, das Trojanische Pferd. Zitat Gastreferentin A.Merkel auch genannt Mutti des Untergangs"Wir werden mit Menschen beschenkt"

  • Mirjiam am 01.04.2016 07:47 Report Diesen Beitrag melden

    musste so kommen

    Ja? Das gleiche kann man sagen im Bezug auf die Kriege welche Europa finanziert und unterstützt gegen den mittleren Osten. Wir hatten 2003 schon über 1.2 Millionen tote im Irak und Afghanistan zu verantworten. Was denkt ihr eigentlich woher diese Terroristen kommen und warum die uns schaden wollen?

    • Nein, kein Europäer ist schuld am 01.04.2016 10:17 Report Diesen Beitrag melden

      Es reicht!

      Wer führt diese Kriege??? etwa Europäer? Es reicht die ganze Verantwortung von den Verbrecher auf europäische Schulter zu lagern! Man sollte der Realität in die Augen schauen: Es sind die Einheimische, die nicht zu Ruhe kommen und Geld-und Machgierig sind. Nein, es sind nicht die Europäer, es sind die hässliche, bärdige Männer aus Nahen Osten! Die führen Kriege und rauben eigenen Völkern ihre Freiheit und stehen im Weg zur Demokratie.

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